Nikotinkaugummis und Co.: empfehlenswert oder eher nicht?

Kürzlich im Chat war es wieder zu lesen, das altbekannte „Aber“, wenn es um den Rauchstopp mit Hilfe von Nikotinersatzpräparaten (zum Beispiel Nikotinkaugummis oder Nikotinpflastern) geht. Eine Userin hatte sich erstmals im Chat eingefunden und wurde, wie es dort üblich ist, von den anderen Teilnehmenden gefragt, ob und wie lange sie schon rauchfrei sei. Ihre Antwort: „Seit zwei Wochen, ABER ich nehme Nikotinkaugummis“. Damit wollte sie zum Ausdruck bringen, dass sie zwar „rauchfrei“, aber noch nicht „nikotinfrei“ sei. Zum anderen sei ihr auch nicht ganz wohl dabei, schrieb sie, für etwas gelobt zu werden, was sie ja gar nicht alleine geschafft habe, sondern „lediglich“ mit Unterstützung eines Hilfsmittels.

Immer weniger Nikotin über einen Zeitraum von acht bis zwölf Wochen
Ein Rauchstopp mit Hilfe eines Nikotinersatzpräparats ist jedoch beileibe kein Rauchstopp zweiter Klasse – so auch die Reaktion der anderen Teilnehmenden im Chat. Denn: Ganz gleich für welche Tabakentwöhnungsmethode sich jemand entscheidet – den eigentlichen Ausstieg aus dem Rauchen muss er oder sie selbst schaffen. Das bedeutet vor allem, Alltagssituationen, in denen früher gewohnheitsmäßig geraucht wurde (zum Beispiel in Pausen bei der Arbeit) von nun an anders zu gestalten – ohne Zigarette. Diese Umstellungen von Verhaltensgewohnheiten nimmt einem das Nikotinersatzpräparat nicht ab. Es sorgt lediglich dafür, dass die Entzugserscheinungen bei der Tabakentwöhnung abgeschwächt oder (im besten Fall) gar nicht auftreten.

Mit der Zeit wird die verabreichte Nikotin-Dosis immer geringer, bis ganz darauf verzichtet wird – so das Prinzip der Nikotinersatztherapie. In der Regel erstreckt sich dieser Prozess über einen Zeitraum von acht bis zwölf Wochen.

Wirkungsvolle Unterstützung des Rauchstopp
Wie empfehlenswert ist es also nun, bei einem Rauchstopp auf Nikotin-Pflaster, Kaugummis und Co. zurückzugreifen? Ist die Wirksamkeit dieser Hilfsmittel wissenschaftlich erwiesen?

Zur Beantwortung dieser Frage hilft ein Blick in die offizielle Leitlinie „Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung”, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF). Die Leitlinien fassen den aktuellen Stand der Forschungsliteratur zu verschiedenen Aspekten einer Tabakentwöhnung zusammen und leiten daraus ab, welche Methoden und Medikamente für einen Rauchstopp zu empfehlen sind und welche eher nicht. Zum Thema „Nikotinersatzpräparate“ ist dort folgender Satz zu lesen: „Die medikamentöse Unterstützung von Raucherinnen und Rauchern mit Hilfe einer Nikotinersatztherapie ist wirkungsvoll zur Erreichung von Tabakabstinenz“. Als Grundlage für diese Aussage dienen über 130 wissenschaftliche Studien, die insgesamt gezeigt haben, dass Nikotinersatzmittel einen Rauchstopp wirksam unterstützen können.  

Unser Fazit: Nikotinersatzmittel können in den ersten Wochen und Monaten einer Tabakentwöhnung eine hilfreiche Unterstützung sein. Dieser Zeitraum sollte intensiv dafür genutzt werden, neue – rauchfreie und genussvolle – Verhaltensgewohnheiten zu entwickeln und fest in den Alltag einzubauen.

Gemeinsam gelingt dieser Prozess oftmals leichter. In unserer rauchfrei-Community treffen Sie auf Gleichgesinnte, die ebenfalls gerade dabei sind, in einen neuen Lebensabschnitt als Nichtraucherin oder Nichtraucher zu starten. Kommen Sie doch mal vorbei.

Quelle:

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) (2021). „Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung”. Zuletzt online abgerufen am 17.1.2024 unter register.awmf.org/de/leitlinien/detail/076-006