Der Forumshausener Bote Lokalredaktion

Verfasst am: 19.12.2019, 17:33
pearle67
pearle67
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Ich habe heute mal ein wenig in unserem wunderbaren Forum herumgestöbert und alles gefunden, was es gibt: Die Aufhörer, die irgendwann die letzte Zigarette geraucht haben und da locker durch sind. Die Kämpfer, die von der Sucht lange nicht losgelassen werden und dennoch stark bleiben. Die Wiederholungstäter, die immer wieder zur Zigarette greifen, egal wie lange sie rauchfrei waren. Die Stinkigen, die alles nur noch negativ sehen, was mit Rauchen zusammenhängt. Die Reflektierer, die sich ernsthaft mit ihrer Sucht und deren Mechanismen auseinandersetzen. Und noch viele Typen mehr. Wir haben ein paar extreme Beispiele für die eine oder andere Strategie hier, aber im großen und ganzen eint uns das Ziel:

Freiheit für immer, Liberté toujours

Ich selbst habe am 29. Juni 2018 meine letzte Zigarette geraucht. Im Forum war ich schon ein paar Tage angemeldet. Ich habe mich genau beobachtet und mein Rauchverhalten analysiert, jede Zigarette seziert. Das war nicht schön, denn die Augen vor all dem zu verschließen ist um Vieles einfacher.
Ich war dann auch mit all meinen Entzugserscheinungen sehr beschäftigt. Aber nach einer Weile (Etwa drei oder vier Wochen) setzte so eine erste Art Gewöhnung ein.
Eigentlich ist es sogar irrsinnig, wie schnell die Gewöhnung einsetzt, wie schnell ich mich freuen konnte. Über Dinge, die ich früher ignorierte. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich 33 Jahre lang mehr als 20 Zigaretten am Tag rauchte.
Laut Deutschem Krebsforschungszentrum sinkt eine Woche nach der letzten Zigarette der Blutdruck, zwei Jahre später hat ein Ex-Raucher fast das gleiche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie ein Nichtraucher. Das Risiko, an Krebs zu erkranken, sinkt (für die meisten Arten) mit einigen Jahren deutlich.

Trotzdem frage ich mich oft, wieso ich mir das antue. Gut, ich kriege mehr Luft, muss den Wecker keine Stunde lang mehr aushauen. Aber mein Essen schmeckt immer noch nach Rewe, und ich sehe auch nicht frischer aus, wie es immer heißt. Dafür habe ich zugenommen, ich glaube, das nennt man Suchtverlagerung. Was also bleibt? Freiheit. Ich brauche kein Nikotin mehr, um zu leben. Liberté toujours!

Freiheit heißt auch, mir von Freunden ab und zu Rauch ins Gesicht pusten zu lassen. Ich mag es nicht mehr, in Qualm gehüllt die Nächte durchzureden, dionysisch, ohne Optimierungszwang. Ichbin wirklich froh über mein beinahe vollkommen rauchfreies Umfeld.
Kaum eine Droge ist so perfide wie Tabak - und doch war da immer etwas, worauf ich mich freuen konnte. Nüchtern wie unnüchtern betrachtet waren die letzten 33 Jahre eine Abfolge von himmlischen, passablen und würdelosen Zigaretten. Keine von ihnen hat mich in der Summe weitergebracht. Aber ich lebte von Kippe zu Kippe, war dumm und unwiederbringlich unbeschwert. Gar nicht mal so selten war es "des Lebens bestes Teil", wie es im "Zauberberg" übers Rauchen heißt.

Mein Leben ist jetzt also nicht unbedingt schöner. Aber ich bin froh, mich der Sucht zu stellen und die Qual zu ertragen. Ich bin keine Nichtraucherin, ich bin trocken. Die Rückfallquote ist hoch, es ist unwahrscheinlich, dass ich es nie wieder tun werde. Nur bitte nicht so bald, noch einmal halte ich diese Aufhör-Tortur nicht aus.

HH

Verfasst am: 19.12.2019, 23:07
Unbekannt
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Verfasst am: 19.12.2019, 23:31
Tapferes-Schneiderlein
Tapferes-Schneiderlein
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Liebe Pearle67,

.... dito.


Glg Bettina

Verfasst am: 20.12.2019, 19:29
matilda58
matilda58
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Leserbrief von Matilda zum Artikel "Freiheit für immer"
Ja, so ist es meine liebe Heike, uns eint ein gemeinsames Ziel und selbst eine temporäre Befreiung ist als Erfolg zu werten. Gemeinsam bedeutet für mich hier auch, dass es kein Wettbewerb - wer kann es am besten - ist. Jeder muss seine eigene Methode, seinen eigenen Weg finden weil Menschen nun mal sehr unterschiedlich ticken und "Suchtneigungen" sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können.
Nein, auch ich habe nun kein permanent glücklicheres Leben aber es gibt schon Momente, da bin ich so froh, nicht mehr fremdgesteuert sein zu müssen und ich kann einfach viel gelassener mit Problemstellungen umgehen.
Manchmal bin ich aber einfach auch von mir überrasch, wenn ich mich NEIN sagen höre und auch meine größte Rückfallbremse ist die Erwartung, diese abgrundtiefen Täler nochmals zu durchwandern.
Matilda - befreit

Verfasst am: 20.12.2019, 19:54
a.nna.bell
a.nna.bell
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Liebe Pearle,dass hast du wunderschön beschrieben. Ich danke dir dafür. Lg Silke

Verfasst am: 20.12.2019, 20:15
Furia
Furia
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An HH — PERSÖNLICH —

Forumshausener Bote, Lokalredaktionen

Liebe Heike,

Du schreibst einfach genial und wunderbar.
Du bist Journalistin, oder?

Es ist schon sehr amüsant, oder eher makaber...
... Deine Marke hat Liberté toujours als Claim
.... meine Spirit of Change.

:

Unglaublich, oder?
Beide Slogans passen doch weitaus besser zum Nichtrauchen.
Es ist wirklich sehr amüsant, wenn wir es als Nixhtmehrraucher betrachten.

Oh,
Mein Gefühl sagt mir, dass Du keine Sorge haben musst, jemals wieder rückfällig zu werden.
Möglich, dass Du vielleicht mal wieder rauchst, wobei ich das nicht glaube und wenn....
Dann hörst Du ziemlich schnell wieder auf.
Und jedes Mal wird der Abstand größer.
Und größer.

Ich kann’s echt nicht beschreiben, für mich war der Rauch-Ausflug sehr seltsam, interessant, juhu, endlich wieder im gewohntem Bereich.... und dann .... dann .... war’s vorbei.

Es war WEg.
Einfach WEG.
Das Verlangen.
Alles WEG.
Der Ärger und die Not Gewicht zuzunehmen.
Traurigkeit den gewohnten Begleiter nicht mehr zu haben.

WEG.

Unglaublich.

Sachen gibts.
Spirit of Chance und Liberté toujours trifft’s ziemlich gut.
:

Alle Strategien haben plötzlich gewirkt.
Alles was ausgehalten worden war, alles was in meinem Leben, in meinem Denken gewandelt wurde.... plötzlich hat’s funktioniert.
Von daher, lass uns Liberté toujours und Spirit of Change nutzen um weiter einfach FREi zu bleiben.
Das macht Sinn.

Und.... he Leute, gebt niemals auf, die Wege in die Freiheit sind manchmal seltsam und verschlungen.

FuriA

Verfasst am: 22.12.2019, 19:00
matilda58
matilda58
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Es ist an der Zeit, dass ich eine alte Geschichte aus längst vergangenen Zeiten wieder in den "Vordergrund" rücke.

Matilda schrieb am 31.08.2018 in ihr Wohnzimmer:

"DIE WILDGÄNSE
Wenn man in den frühen Herbsthimmel schaut und eine Formation von Wildgänsen sieht, fragt man sich vielleicht, warum die Gänse in einer solchen typischen Formation fliegen.
Durch den Flügelschlag jedes einzelnen Vogels wird für das unmittelbar dahinter fliegende Tier eine tragende Thermik erzeugt. Die V-förmige Flugformation, in der die Wildgänse fliegen, sorgt in diesem Zusammenhang dafür, dass sie 70 Prozent weiter fliegen können, als ein Vogel allein.
Wenn eine Gans aus der Formation herausfällt, spürt sie plötzlich, dass sie erheblich mehr Kraft braucht und versucht, möglichst schnell zurück in die Formation zu gelangen, um wieder den Vorteil des Aufwindes zu nutzen. Wenn die vorne fliegende Gans ermüdet, reiht sie sich in die hintere Formation ein und eine andere Gans übernimmt die Kräfte zehrende Spitze. Mit ihren Quaklauten feuern die anderen Wildgänse die vorne fliegende praktisch an, damit sie das Tempo halten.
Ist eine Gans krank oder verwundet und muss die Formation verlassen, folgen ihr zwei andere Gänse, um ihr zu helfen und sie zu schützen. Sie bleiben bei dem kranken Tier, bis es entweder wieder fliegen kann oder stirbt. Die beiden anderen fliegen dann alleine weiter oder schließen sich einer anderen Formation an, um ihre Gruppe aufzuholen."

So empfinde ich das Miteinander in diesem Forum.
• mit Entschlossenheit unseren gemeinsamen Kurs halten
• gemeinsam in der Formation bleiben weil wir das gleiche Ziel verfolgen (wenn die Motive auch unterschiedlich sein können)
• wenn absolut nötig vom Weg abweichen, und uns zum Weiterfliegen Unterstützung holen
• uns gegenseitig aufmuntern und anstacheln
• in Zeiten der Not und Bedrängnis füreinander bereitstehen

Ich danke ALLEN die dies ermöglichen !!

Daran hat sich auch nach einem Jahr und 4 Monaten nichts geändert - findet Matilda.
In diesem Sinne wünsche ich euch zauberhafte Feiertage

Verfasst am: 22.12.2019, 21:35
Unbekannt
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Verfasst am: 25.12.2019, 11:26
VenezianischerKarneval
VenezianischerKarneval
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Mag mal für alle eine Rakete steigen lassen, die hier über die Feiertage mit ihren persönlichen Erfolgen ein wenig untergehen, virtuell darf man das!

Auf alle, die es angegangen sind, die, die sich durch die ersten Tage kämpfen:
die, die schon weit gekommen sind und durch einen Schmachter hin und wieder an die Sucht erinnert werden und trotzdem widerstehen.
Ihr seid großartig, ihr seid stark, wer sich das Rauchen abgewöhnt, schafft auch alles andere!
Und danke Herry für das Erstellen der Listen, zusammen können wir soviel erreichen.

Eine gute Zeit wünscht euch allen
Claudia

Verfasst am: 25.12.2019, 12:15
Nomade
Nomade
Dabei seit: 02. 09. 2017
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Moin Gemeinde,

schließe mich allen VorschreiberInnen an.... und hier noch 'ne kleine Aufmerksamkeit.... auch, wenn der Nicklausabend schon ein paar Tage her ist....

Advent

Es blaut die Nacht
Die Sternlein blinken.
Schneeflöcklein leise niedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.

Und dort, vom Fenster her durchbricht
den dunklen Tann' ein warmes Licht.
Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.

In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei der Heimespflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.

So kam sie mit sich überein:
Am Nicklausabend muß es sein.
Und als das Rehlein ging zur Ruh',
das Häslein tat die Augen zu,

Erlegte sie - direkt von vor'n
- den Gatten über Kimm' und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase.

Und ruhet weiter süß im Dunkeln,
Derweil die Sternlein traulich funkeln.
Und in der guten Stube drinnen,
da läuft des Försters Blut von hinnen.

Nun muß die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie bis auf die Knochen
nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.

Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied
- was der Gemahl bisher vermied -
Behält ein Teil Filet zurück,
als festtägliches Bratenstück.

Und packt zum Schluß - es geht auf vier -
die Reste in Geschenkpapier.
Da dröhnt's von fern wie Silberschellen.
Im Dorfe hört man Hunde bellen.

Wer ist's, der in so tiefer Nacht
im Schnee noch seine Runde macht?
Knecht Ruprecht kommt mit goldenem Schlitten
auf einem Hirsch herangeritten!

»Heh, gute Frau, habt ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?«
Des Försters Haus ist tief verschneit,
doch seine Frau steht schon bereit:

»Die sechs Pakete, heil'ger Mann,
's ist alles, was ich geben kann!«
Die Silberschellen klingen leise.
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.

Im Försterhaus die Kerze brennt.
Ein Sternlein blinkt: Es ist Advent.

Vicco von Bülow alias Loriot

:

Schöne rauchfreie Weihnachten und andere Feiertage :
gewünscht
vonne Nomade