Maikäfer-Zug Mai 2020: Nur für Heute rauchfrei

Verfasst am: 14.07.2020, 12:21
Claudi3066
Claudi3066
Dabei seit: 30. 03. 2020
Rauchfrei seit: 1547 Tagen
Beiträge: 38 Beiträge

Hallo liebe Kine,

und wenn man sich noch etwas weiter damit beschäftigt, was für eine Lobby die Tabakindustrie hat und wieviel Einnahmen der Staat damit hat und selbst ein generelles Verbot der Werbung nicht durchgesetzt wird, aufgrund der starken Lobby, ist der Sumpf deren tief. Und der gleiche Staat, der Millionen daran als Einnahme verbucht, initiiert ein Rauchfrei-Forum.
Nicht falsch verstehen, finde das Forum hilfreich. Aber die Rolle des Staates in dem Ganzem finde ich schon sehr suspekt.
Um so besser, dass wir da ausgestiegen sind, mit uns nicht mehr !! Wir bleiben weiter rauchfrei.
Liebe Grüße Claudia

Verfasst am: 14.07.2020, 09:54
kine
kine
Dabei seit: 03. 05. 2020
Rauchfrei seit: 1518 Tagen
Beiträge: 38 Beiträge

Liebe Andrea,
vielen Dank für Deine nützlichen Tipps, dass mit dem Glückstagebuch mache ich sowieso jeden Tag abends,
das hilft ungemein.
Habe mich das ganze Wochenende mit dem Thema Tabakindustrie und deren Masche beschäftigt, denn ich denke
nur wer den Feind versteht kann ihn auch bekämpfen. Habe hierzu einen wirklich sehr aufschlussreichen Bericht
der deutschen Krebsforschung bei Euch hier gefunden und mich doch über mich selbst geärgert und gleichzeitig gefreut, dass ich jahrzehntelang mich so vor dem Thema gedrückt habe. Bei jeder Suchtattcke die jetzt kommt, denke ich: genau das will die Tabakindustrie von mir. Diese fremdbestimmte Gehirnhwäsche ist schon unglaublich und um so mehr ich mich selbst bejammer, desto eher wird mir das klar. Ich weiß, dass es wahrscheinlich garnichts hilft, aber ich bin echt sauer auf diese ganze kack Tabakindustrie um so schlimmer finde ich es, wenn man bei denen auf der Homepage nachliest, dass obwohl sie das eingestehen, dass Rauchen schlecht ist, weiterhin behaupten, dass sie nur versuchen bessere Altetnativen für Raucher mit Ezigaretten etc suchen, die eben auch Nikotin freigeben. Also von Reue und Einsicht keine Spur, sondern weiterhin gewinnorientiert. Das Schlimme ist doch, dass hinter dieser ganzen Industrie auch Menschen stehen, die wohlwissentlich den Tod und die Krankheit von Millionen andere in Kauf nehmen um Geld zu verdienen. Ich weiß, so funktioniert Wirtschaft, aber gerade Tabak ist neben Waffenindustrie ein todbringenden Geschäft. Musste ich mal loswerden, da ich damit meinen Freunden auch nicht als fanatischer Nichtraucher auf den Geist gehen will, aber besser ich ärgere mich darüber, als einer Zigarette hinterher zu trauern.
In diesem Sinne geht es auf die 90 Tage zu und ich weiss, dass mir meine Sucht hin und wieder einen bösen Strich durch die Rechnung ziehen will und ich mich weiterhin mit ups und downs konditioniere muss, um die Masche hinter dem Rauchen jeden Tag besser in den Griff zu bekommen.

Verfasst am: 11.07.2020, 16:31
rauchfrei-lotsin-andrea
rauchfrei-lotsin-andrea
Themenersteller/in
Dabei seit: 16. 08. 2011
Rauchfrei seit: 4704 Tagen
Beiträge: 8166 Beiträge

Lieber Christian,

so was richtig gescheites fällt mir jetzt auch nicht ein. Es ist anstrengend, Punkt. Das ist eben so. Punkt. Erst mal annehmen, dass es tatsächlich so ist und es vielen so geht. Ich hätte nach einigen Monaten auch gerne noch manchmal geklagt und gejammert, habe mich damals aber nicht so recht getraut.

Heutzutage ist es völlig in Ordnung, im Forum seine Probleme so offen auszusprechen. Und das ist gut so. Was mir ausnehmend gut gefällt ist, dass du deine Herausforderungen so klar beschreibst. Und dass du optimistisch schreibst:

"Auch diese werde ich nichtrauchen
meistern, "....Das zeugt von Mut angesichts deiner Angst. Sicher, du schaffst das! Da bin ich sehr zuversichtlich. Die Frage ist nur, wie du dich entlasten kannst anderswo in deinem Leben. Wie du dich öfter mal entspannen und erholen kannst von den Mehrfachbelastungen in Job und mit der Umgewöhnung auf rauchfrei. Und was du dir alles beiholen kannst aus deinem Leben an gemeisterten Herausforderungen. Führerschein, Berufsausbildung...das alles ist dir vielleicht auch nicht sehr leicht gefallen? Und heute genießt du die Ergebnisse deiner Anstrengungen?

Was mir ganz wichtig ist für dich: Viele Glücksmomente im Alltag. Aufmerksam genossen sind sie eine Quelle für Wohlbefinden. Vielleicht schreibst du mal eine Woche lang ein Glückstagebuch. Die erste Tasse Kaffee(Tee) am Morgen, interessante Wolken auf dem Weg zur Arbeit, ein erledigtes Projekt am Arbeitsplatz...Ich habe es so bei den Anonymen Alkoholikern gelernt und schreibe heute immer noch in mein Glückstagebuch bei schönen Ereignissen. Mit der Frage: warum lohnt es sich, heute zu leben?

Kennst du übrigens die Liste angenehmer Ereignisse? Da gibt's tolle Ideen: http://wwwpsy.uni-muenster.de/imperia/md/content/psychotherapie_ambulanz/aktivit__tenliste.pdf

Dein leckeres Menu mit deinem Partner ist da schon ein großes "Festessen", das hast du super gemacht! Was gibt es sonst noch für sinnliche Möglichkeiten, dir Genüsse zu verschaffen?

Und, Christian, ich würde nicht sagen, dass du Fehler machst. Du probierst und lernst, da ist es ja normal, dass nicht gleich alles perfekt klappt. Auf jeden Fall kannst du stolz sein auf deine 74 Tage! Und es werden immer mehr, immer nur für einen Tag auf einmal gelebt.

Was an körperlichen Verbesserungen erlebst du denn schon?

Herzliche Grüße
Andrea

Verfasst am: 08.07.2020, 21:35
kine
kine
Dabei seit: 03. 05. 2020
Rauchfrei seit: 1518 Tagen
Beiträge: 38 Beiträge

Liebe Andrea,
Danke für Deine Worte. Ich habe echt so ein bisschen das Problem
mit allen Verbindungen, welche ich mit dem Rauchen habe und die mir
eben nicht bewusst waren. Diesmal war es ein möglicher Jobwechsel
und der Stress der damit einhergeht. Da brauchte ich diesmal echt zwei
drei Tage mir darüber klar zu werden, dass es der Arbeitsstress war.
Habe einfach Angst, dass jetzt ständig Situationen kommen, welche ich
früher rauchend leicht gemeistert habe. Auch diese werde ich nichtrauchen
meistern, nur müssen die Verbindungen gelöst werden und das ist echt
anstrengend.
Belohnt habe ich mich heute mit ausgiebigen Kochen für meinen Partner und
mich. Trotzdem es ist ein Mix zwischen Dünnhäutigkeit, schlechter Laune und permanentes
Reflektieren, das macht die Sache so anstrengend. Bin offen mir alles anzuhören
was ich dabei irgendwie wohl falsch mache und besser machten könnte.
Danke fürs zuhören
Christian

Verfasst am: 08.07.2020, 17:49
rauchfrei-lotsin-andrea
rauchfrei-lotsin-andrea
Themenersteller/in
Dabei seit: 16. 08. 2011
Rauchfrei seit: 4704 Tagen
Beiträge: 8166 Beiträge

Liebe Kine,

wie weit du schon gekommen bist, wow, 71 Tage, klasse!

Ich pflichte dir bei, dass der Verlust des alten "Freundes" Sucht krankes Denken und Fühlen ist. Die Gefühle sind nun mal phasenweise die eines Verlustes. Wie kommst du vom Verlustgefühl zum Gewinnergefühl?

Klug von dir halte ich es, von Suchtkrankheit zu sprechen. Ist es ja auch! Ich mag den Spruch: Wir sind keine schlechten Menschen, die gute Menschen werden wollen, wir sind kranke Menschen, die gesund werden wollen!

Du tust so viel für deine Gesundheit, hältst sogar dieses vermaledeite Auf und Ab der Gefühle aus! Was machen deine Belohnungen?

Herzliche Grüße an dich tapfere Kine

von Andrea

Verfasst am: 07.07.2020, 16:34
kine
kine
Dabei seit: 03. 05. 2020
Rauchfrei seit: 1518 Tagen
Beiträge: 38 Beiträge

Habe heute gedacht, dass es sich schon so anfühlt, als hätte man einen guten Freund
verloren und dachte dann sofort „klar, typisches suchtkranke Denkweise“. Mir hilft es im Moment
immer wieder von Suchtkrankheit zu sprechen, dass relativiert dann auch die Suchtattacken.
Habe mich heute so gefreut jetzt Nichtraucher zu sein und danach wieder so bemitleidet, jetzt
keine rauchen zu dürfen. Das Auf und Ab der Gefühle nervt mich weiterhin.

Verfasst am: 02.07.2020, 11:08
kine
kine
Dabei seit: 03. 05. 2020
Rauchfrei seit: 1518 Tagen
Beiträge: 38 Beiträge

Hallo nochmal,
vielen Dank für die unterstützenden Worte, von Inez und Bolando
ich finde das immer sehr inspirierend.
Und klar Inez, müssen muss ich nichts es ist besser
gesagt die Angst vor dem kurzzeitigen Kontrollverlust,
welcher mich dann wieder zum Kettenraucher werden lässt.
Diese permanente Konditionierung...klar, ein ganzes Leben
antrainiert, aber dennoch nervig.
Es fühlt sich einfach an als wenn ich jahrzehnte lang meine Gefühle
mit Nikotin betäubt hätte und jetzt purzeln sie alle ungefiltert nur so
raus. Ein Gefühl der emotionalen Unsicherheit macht sich da manchmal
breit und ich weiß, dass das auch ein großes Stück Sucht ist. Hätte ich
nie für möglich gehalten, habe ich mich fairerweise auch nie vorher mit
beschäftigt. Weiß aber manchmal auch garnicht mehr ob es die Sucht ist oder
einfach nur meine eigene Einstellung zum Leben.
Ich bewerte das jetzt alles mal mit positiv,sind Veränderungen ja fast immer,
ab irgendeinem Zeitpunkt.

Verfasst am: 02.07.2020, 09:57
ehem-rauchfrei-lotsin-inez
ehem-rauchfrei-lotsin-inez
Dabei seit: 23. 03. 2020
Rauchfrei seit: 1898 Tagen
Beiträge: 324 Beiträge

Moin Christian,
danke für deine Gedanken, genauso ist es auch bei mir gewesen! Und deshalb kann ich dir von mir berichten: es wird anders, die Gedanken drehen sich immer weniger um Zigaretten. Im Frühjahr, ich hatte mein Jahr noch nicht ganz geschafft hatte ich mal wieder so ein Erlebnis. Hatte im Garten alte Blüten weggeschnitten und noch so ein bißchen "rumgewühlt" und als ich fertig war: "Jetzt eine rauchen" Das war immer so ein Ritual früher und ich hatte es ohne Tabak noch nich erlebt, deshalb wohl dieser Geistesblitz. Musste ein bißchen grinsen und mich wundern, das wars.
Was mich ein wenig stört: in deinem letzten Satz:

Zitiert von:
es war eine der besten Entscheidung meines Lebens und ich hoffe wirklich nie wieder rückfällig werden zu müssen

steht das Wort müssen - du musst gar nichts! Wenn, dann entscheidest du das selbst. Du beschäftigst dich so viel mit dem Thema und reflektierst, du bist hier im Forum unterwegs, ich bin mir ziemlich sicher, dass du weiter deinen rauchfreien Weg gehst.
Heute rauchen wir nicht!
Viele Grüße
Inez

Verfasst am: 02.07.2020, 09:32
Bolando
Bolando
Dabei seit: 14. 09. 2018
Rauchfrei seit: 2308 Tagen
Beiträge: 2741 Beiträge

Hallo Christian und alle anderen Maikäfer,
ich finde du, Christian, hast das sehr schön geschrieben und es ist auch nicht gejammert. Es beschreibt, dass es sehr lange dauern kann antrainierte Verhalten loszuwerden. Ich erinnere mich an einen Morgen. Ich war schon über ein halbes Jahr rauchfrei. Ich hatte meine Jacke angezogen um aus dem Haus zu gehen und spulte mein Programm ab: Tachentuch -> dabei, Schlüssel -> in der Hosentasche, Zigaretten -> Brusttasche ist leer - ach ja ich rauche doch nicht mehr. Das ist nur ein Beispiel für antrainiertes Verhalten. Fiel mir an diesem Morgen nur mal richtig auf. Habe über mich selbst gelacht - was ein schräger Vogel ich doch bin. Inzwischen tu ich das aber nimmer. Seid geduldig mit euch selbst und seid euch sicher, dass auch die Automatismen, die euch immer noch an das Rauchenwollen erinnern, mit der Zeit verblassen und irgendwann verschwinden.
Es grüßt Bolando

Verfasst am: 02.07.2020, 08:20
kine
kine
Dabei seit: 03. 05. 2020
Rauchfrei seit: 1518 Tagen
Beiträge: 38 Beiträge

Liebe Mitreisenden,
ich dachte mir, ich teile heute morgen mal meine Gedanken
auf diesem Wege mit Euch, so ein Forum lebt ja durch seine Beiträge und nicht nur
durch das Lesen der Selbigen.
Ich finde es spannend, aber teilweise auch immernoch irgendwie nervig,
dass ich bei Problemen oder schwierigen Situationen so ein bisschen noch
durch den Wind bin. Interessanterweise würde eine Zigarette ja auch nichts
an der Situation ändern, stelle aber noch eine gewisse Dünnhäutigkeit fest,
die mich wirklich nervt. Es fühlt sich immer noch so an, als wenn ich neu Laufen
lernen müsste, was natürlich Schwachsinn ist.
Heute morgen habe ich in den Spiegel geschaut und mir gedacht, wie super es ist
nicht mehr zu rauchen und dass ich insgesamt frischer aussehe.
Aber, und das muss ich klar sagen, ich schwanke immernoch ganz schön wobei
ich das Nikotin Monster von Tag zu Tag besser kontrolliere und einfach darauf
hoffe, dass es irgendwann, hoffentlich in naher Zukunft, mal einfach komplett still
sein wird. Das ist das Ziel. Ich bemerke aber auch, dass ich jedem Raucher beim Rauchen
zusehe und Mitleid empfinde, weil ich ja weiß wie es ist, auch wenn das kein Raucher hören
will. Also versteht mich nicht falsch Mitleid, dass die Leute weiter rauchen müssen wobei ich selbst
ja auch kein bisschen besser war oder bin. Also insgesamt merkwürdige Gefühle und vielleicht
auch einfach noch zu viele Gedanken ans Rauchen was mich wieder dazu führt mir zu sagen,
ich habe zwar ca 2 Monate hinter mir, es geht deutlich besser, aber ich bin noch lange nicht
komplett über den Berg.
Immerhin habe ich über 700 EUR gespart, weiß garnicht wie ich mir das vorher so schön reden konnte
mit dem Geld, ist halt Teil der Sucht. Das Gute ist ja auch, dass man mit der Sucht dazu lernt und auch viel mehr mit sich selbst beschäftigen muss, war mich vor dem Rauchstopp nicht klar.
Also insgesamt, auch wenn ich hier ein bisschen jammer, es war eine der besten Entscheidung meines Lebens
und ich hoffe wirklich nie wieder rückfällig werden zu müssen.Euch noch eine gute Restwoche.
Christian