Der Anfang vom Ende?

Verfasst am: 13. 04. 2021, 20:17
Mathias87
Mathias87
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Hallo euch beiden,

"Ich gewinne oder ich lerne" ist ein tolles Sprichwort

Tatsächlich hätte ich gerne bessere Voraussetzungen für das Ende -> Sommer, Motivation, Stress in der Arbeit und und und, allerdings ist mir klar, dass das Warten auf bessere Umstände sinnfrei ist.

Geplant war es gestern aufzuhören - allerdings ist morgens die Motivation vergessen und nach mittlerweile zig Jahren der morgendliche Griff zur Zigarette zu sehr verankert.

Nun habe ich soeben meine letzte Zigarette geraucht, keine mehr im Haus und für absolute Notfälle eine eZigarette ohne Nikotin, ebenso als Notfallset die letzten Stummel in einer Schüssel aufgehoben und spätestens wenn man einmal die Nase reinsteckt, graust es einen schon wieder.

Wie es dann bei geselligen Abenden wird - da mache ich mir kurz vorher Gedanken, denn dieses festhalten an "da kann ich ja nicht mehr rauchen" hat mir die letzten Tage viel Skepsis bereitet und Abends wurden dann gleich 3-4 hintereinander geraucht, denn es sollte ja die letzte sein..ziemlich dumm, aber ich glaube, viele kennen das.
Mich hat es nun ebenso genervt, diesem Thema soviel Gewalt über mich zu geben und hoffe, dass wenn besagte Abende in Zukunft anstehen, ich schon soweit bin um mir zu sagen "Sei stolz, Du hast nun viele Tage nicht geraucht und brauchst es nicht mehr".

@Baldso: Den berühmten Klick gab es einmal und er war erfolgreich; seit diesem Klick kam leider kein neuer, daher ist es eher, um es mit deinen Worten zu sagen, Aufhören als Verzicht.
Aber selbst wenn es nur ein paar Tage hält, so sind das überhaupt ein paar freie Tage und wie Andreas so schön schrieb "Entweder gewinne ich oder ich lerne"

Verfasst am: 10. 04. 2021, 14:57
rauchfrei-lotse-andreas
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Hallo Mathias, siehe bisherige Versuche bitte nicht als Scheitern an, sondern lediglich als einen Weg, wie es nicht geklappt hat. Es gibt ja dieses schöne Sprichwort: " Ich verliere nie. Entweder ich gewinne oder ich lerne!"

Raucherentwöhnung ist auch immer etwas experimentieren, was einem hilft und was nicht. Ich glaube der Durschnitt liegt bei 7 Anläufen, selber brauchte ich 6 (ernsthafte) Versuche. Da bist Du nicht alleine.

Die Angst vor der Endgültigkeit ist verständlich, Du kannst sie aber auch in Freude für eine besseres, gesünderes Leben umwandeln, mit viel mehr Lebensqualität.

Deine Freunde werden Dich doch bestimmt unterstützen. Da Alkohol die Hemmschwelle deutlich senkt, solltest Du hier die nächst Zeit etwas zurückhaltend sein, bis Du im Ausstieg gefestigter bist.

Schönen Samstag

Andreas

Verfasst am: 09. 04. 2021, 19:40
Mathias87
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Hallo Lydia und Andreas,

vielen Dank für eure liebe Begrüßung
Wirklich toll was ihr hier macht!

Das mit dem Rauchertagebuch war ein guter Tipp, den ich teilweise umgesetzt habe.
Mir ist bewusst (geworden) dass - wie gedacht - meist aus Langeweile und Gewohnheit geraucht wird, bevor mein Körper irgendein Verlangen signalisiert.

Tatsächlich muss ich sagen, dass es ich gerade etwas Bammel vor nächster Woche habe, da dies der erste richtige Versuch seit Jahren ist.
Auch wenn man es besser weiß - aber man hat Angst vor der Endgültigkeit und davor, etwas zu vermissen.
Aus diesem Grund eben auch als Pause deklariert in der Hoffnung, irgendwann mal in jeder Situation sagen zu können "ach, brauche ich nicht".
Aber selbst wenn es ein Scheitern sein sollte, so wird mir dann zumindest nochmal meine Sucht vor Augen geführt.
Leider ist es auch nicht gerade förderlich, dass der komplette "gesellige" Freundeskreis (also der sich Abends auch mal auf ein Bier trifft, in Bars geht usw) ausschließlich aus Rauchern besteht; aber nun gut, da muss ich erstmal durch.

Den Aprilzug sehe ich mir nächste Woche genauer an

Verfasst am: 07. 04. 2021, 05:43
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Lieber Matthias, auch von mir ein herzliches Willkommen.

Gerne möchte ich Dich auch einladen, in den April-Zug einzusteigen. Hier triffst Du auf Mitglieder, die auch in diesem Monat gestartet sind. Hier unterstütz man sich gegenseitig. Schau doch mal rein:
http://www.rauchfrei-info.de/community/forum/?tx_mmforum_pi1%5Baction%5D=list_post&tx_mmforum_pi1%5Btid%5D=9495

Viele Grüße

Andreas

Verfasst am: 06. 04. 2021, 14:37
rauchfrei-lotsin-lydia
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Grüß Dich Mathias,

herzlich willkommen hier bei uns Aufhörwilligen! Ich freue mich sehr, daß Du Deinen Weg zu uns gefunden hast - und auch freue ich mich sehr über Deinen langen Text. Vielen Dank, daß Du von Dir erzählt hast!

Ich würde Deine Raucherkarriere ja nahezu als klassisch bezeichnen, inclusive der Suchtanerkenntnis um die 20, dem Rauchstopp, der durchaus einige Jahre vorgehalten hat (bei mir waren es 11!) und dem Rückfall, weil man es wohl einfach nochmal gebraucht hat, um zu kapieren, daß uns die Sucht immer am Haken haben wird, und anschließenden erneuten Rauchstopps unter verschärfter Schmacht. So kenne ich es auch und viele andere hier. Das bedeutet für Dich aber im Umkehrschluß: Du wirst es wieder schaffen, rauchfrei zu werden. Und dann - mit den Erfahrungen, die Du bereits hast, und Deiner Selbstreflexion - auch dauerhaft und ohne wieder aufsteigendes Rauchverlangen.

Du sprichst schon sehr viele Aspekte des Rauchstopps in Deinem Post an. Die "Vorteile", die man dem Rauchen mit viel Toleranz noch zugestehen möchte, sind tatsächlich keine, wie Dir augenscheinlich auch schon bewußt geworden ist, vor allem keine, die man nicht anderweitig erlangen könnte. Bewußt flüchten bieten wir tatsächlich auch in vielen Situationen an, nicht nur dann, wenn der Rauchdruck zu groß wird, sondern auch in Situationen, in denen Du normalerweise geraucht hättest. Verlasse das Umfeld, in dem Du geraucht hättest, geh aus dem Zimmer, aus dem Gebäude, verwende eine Ersatzhandlung (Relaxball kneten, einen Schluck Wasser nehmen) ändere diese Situation ab. Diese Flucht ist keine Schande, sondern räumt Dir den Kopf etwas frei. Gleiches gilt für bewußte Pausen. Mach die ruhig trotzdem weiterhin bewußt, das ist ja wichtig für die Regeneration. Aber fülle sie anders. Mit Tee, Treppensteigen, im Home-office Liegestützen (tatsächlich hat ein früherer Aufhörer jedesmal bei Suchtdruck zehn Liegestützen gemacht - er hat erfolgreich aufgehört), oder was Dir sonst noch in den Sinn kommt.

Tatsächlich ist auch der Genuß alkoholischer Getränke im Kopf eines Rauchers ganz eng mit dem Konsum von Nikotin verknüpft, das heißt, wie Du selber schon genau weißt, triggert Alkohol bei Rauchern das Rauchverlangen. Manchen hilft da auch, eine Strategie schon vorab festzulegen. Sei es, den Genuß von Alkohol zu deckeln, auszusetzen oder Ersatz in Form von gebrannten Mandeln oder Salzstänglein bereit zu halten und dann auch nur auf diese zurückzugreifen.

Ich möchte Dir ein Angebot machen. Deine Idee, die kommende Woche als Übergang zu nutzen, ist wirklich gut! Die kannst Du prima zur Vorbereitung auf ein tolles neues Rauchfrei-Leben nutzen. In der Zeit könntest Du z.B., wenn Du Lust hast, ein Rauchertagebuch führen (wann rauchst Du/warum gerade jetzt/wie fühlst Du Dich dabei/was könntest Du ersatzweise machen), um die Situationen schon mal überschaubar zu machen, in denen Du Rauchgelüste bekommen könntest, wenn Du die Zigarette weg läßt. So kannst Du auch schon mal eingeschliffene Rauchersituationen identifizieren und Dir zurechtlegen, wie Du diese ändern könntest. Denn Rauchgelüst ist oft auch einfach nur situationsbedingt. Tritt eine bestimmte Situation ein, will man rauchen, weil man es da einfach immer tut oder getan hat. Schon mit kleinen Änderungen genau dieser Situationen kann die Rauchlust erträglicher oder ganz ausfallen.

Es gibt auch ein Rauchfrei-Startset mit ein paar nützlichen Inhalten, das Du Dir hier einmal ansehen und, falls Du es möchtest, kostenfrei bestellen kannst:

http://www.bzga.de/infomaterialien/foerderung-des-nichtrauchens/foerderung-des-nichtrauchens-informationsmaterialien-fuer-erwachsene/rauchfrei-startpaket/

Und dann möchte ich Dich einladen, Dir einen Startzeitpunkt zu setzen, ab dem Du ganz von den Zigaretten lassen möchtest. Natürlich ist ein Ausrutscher kein Scheitern, sondern nur eine weitere Situation, die Du anders bewältigen kannst, wenn Du das nächste Mal darin wiederfindest. Da bin ich ja bei Dir und ich bin auch froh, daß Du Ausrutscher nicht als Scheitern begreifst (denn das ist es auch nicht). Die Erfahrung hat ganz einfach gezeigt, daß sehr viele Aufhörer von der Strategie profitieren, sich bewußt noch rauchend vorzubereiten und dann mit einem festgelegten Datum aufhören. (Hat bei mir auch geklappt, nach vielen Versuchen und längerem Rumgeeier. Ich hab diesen Zeitpunkt gebraucht - so und jetzt! Pack mer`s! Das hat meinen Ehrgeiz voll angeheizt.) Könntest Du Dir das für Dich auch vorstellen?

Laß bald wieder von Dir hören Mathias, wie es Dir so geht und wie Du bewußt so mit dem Rauchen umgehst. Dein Plan, davon weg zu kommen, verdient alle Unterstützung und jeden Respekt - der meine ist Dir gewiß. Ich wünsche Dir noch einen schönen Tag und eine erfolgreiche Woche, hoffe man liest sich.

Viele Grüße sendet Dir

Lydia

Verfasst am: 06. 04. 2021, 12:52
Mathias87
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Dabei seit: 06. 04. 2021
Rauchfrei seit: 517 Tagen
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Hallo zusammen,

ich bin auf dieses Forum gestoßen und nachdem ich sehr viele positive Beiträge gelesen habe, wollte ich mich hier anschließen

Diesen Beitrag sehe ich als Planung, als Art kleines Tagebuch, auch um mir nochmals meine Gründe ins Gedächtnis zu rufen.

Kurz zu meiner Rauchgeschichte:
Mit 14 die erste Zigarette geraucht und dann auch ziemlich schnell in der Sucht angekommen.
Irgendwann war ich bei einer Schachtel pro Tag und mit 20 dann der Versuch "ich höre mal schnell auf"..tja, dieser ging kläglich in die Hose und da wurde mir diese Sucht richtig bewusst. Es hat den berühmten Klick im Kopf gegeben und nach 2 harten Wochen war ich durch. 3 Jahre rauchfrei, überhaupt kein Wunsch nach einer Zigarette, egal in welcher Situation.
Nun ja, dennoch wieder angefangen und der nächste Stopp kam mit 28, als die Weisheitszähne entfernt wurden. Dieser dauert auch nur 3 Monate mit dem ständigen Gedanken an eine Zigarette..
Vor dem Lockdown lag ich bei ~25 Zigaretten, nun im Homeoffice im Schnitt bei 12.

Aktuell beschäftige ich mich wieder mit dem Rauchstopp..warum?
Ich bin nun 34 und mir ist klar, dass es nicht ewig so weitergehen kann, allein aus gesundheitlichen Gründen.
Vor 5 Wochen bekam ich wohl eine Kehlkopfentzündung (zumindest laut Arzt) und habe aber immernoch einen starken Kloß im Hals..und ja, das macht mir Sorgen.
Beim Sport merke ich dass einfach kein Konditionsaufbau stattfindet usw.
Es ist also diesmal eher eine Vernunfsentscheidung.

Derzeit setze ich mich sehr mit dem Thema auseinander und habe für mich folgendes gemerkt.
Was mag ich nicht?
Den kalten Rauchgeruch, gelbliche Zähne und Finger, den Zwang "jetzt beginnt die Ausgangssperre; habe ich noch genug Zigaretten?", schlechte Gesundheit, dieses "ich kann 3 Stunden keine rauchen, also muss ich jetzt noch", die Abhängigkeit an sich.

Was mag ich und warum rauche ich?
Gewohnheit, das bewusste "Flüchten aus Situationen", diese "bewusste Pause/ Entspannung",...hm..und mehr fällt mir auch schon nicht mehr ein

Dank Lockdown und seit Monaten nur Homeoffice, fehlt natürlich Ablenkung; allerdings fällt es mir hier wohl leichter als in der Arbeit (mit dem Chef im Büro, keine Pausen und somit trifft hier das "Flüchten" zu).
Ich möchte es für mich bewusst als Pause bezeichnen, denn ja, mir gehen gesellige Abende mit Freunden ab während dieser Zeit und in Verbindung mit Alkohol ist das immer so eine Sache. Sollte ich hier für einen Abend mal 1-2 Rauchen, möchte ich meinen Stopp nicht als gescheitert ansehen sondern eher als Ausnahme.

Nun habe ich mir diese Woche als Übergang vorgenommen, habe gerade nochmal das Buch "Endlich Nichtraucher" ausgegraben und erhoffe mir ein paar AHA-Effekte. Auch möchte ich die Tage nutzen, um schon mal die Zigarette vom morgendlichen Kaffee oder dem Essen zu trennen.
Am Wochenende wird dann die letzte Schachtel einer Marke gekauft, die ich gar nicht mag - um mir nochmal den widerlichen Geschmack bewusst zu machen und so soll ab Montag die Pause beginnen

So, nun ist der Text doch etwas länger geworden

Viele Grüße,
Mathias