Vom Rauchen Abschied nehmen

Verfasst am: 05.12.2015, 20:40
SusanneK
SusanneK
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Liebe Sabine,

ich stoße auch ganz herzlich mit dir an!

SusanneK

Verfasst am: 05.12.2015, 10:41
SusanneK
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Guten Morgen,

heute Nacht habe ich wieder viel wachgelegen und über das Verhalten der Ärztin nachgedacht. Frühes Aufwachen ist für mich eine der gefährlichsten Situationen, was das Nichtrauchen betrifft.

Die Ärztin hat sich geirrt. Nicht die Arbeitsbelastung macht mich auf der Arbeit krank, sondern der Rollenkonflikt. Schriftstellerin und Arbeitnehmerin ist strukturell unvereinbar. Eine Arbeitnehmerin soll sich anpassen, eher Niedrig-Status-Signale setzen und ihre Persönlichkeit zurücknehmen. Eine Schriftstellerin hingegen soll unangepasst sein, Hoch-Status-Signale setzen und ihre Persönlichkeit einbringen.

Rein zeitlich gesehen könnte ich natürlich 20 Wochenstunden Arbeitnehmerin und 20 Wochenstunden Schriftstellerin sein, Aber strukturell geht es nicht, denn bin ich eine gute Arbeitnehmerin, dann bin ich eine schlechte Schriftstellerin, und umgekehrt.

Eine Lösung habe ich für das Problem noch nicht. Vielleicht kommt Zeit, kommt Rat. Es ist ja der erste Suchtmittelentzug dieser Art in meinem Leben überhaupt und es kommt mir vor wie eine Selbstreinigung, eine Entschlackung, oder auch wie so eine Art Fastenwanderung, deren Ziel die zufriedene Rauchfreiheit sein sollte.

Liebe Grüße, dieses Forum hilft mir sehr
SusanneK

Verfasst am: 04.12.2015, 18:46
Zaubernuss
Zaubernuss
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Liebe Susanne,

ich lese auch hier immer mal wieder mit.

Jetzt möchte ich auch mal was zu Wort melden.
Diese Ärztin spinnt. Ein Mensch der zur Arbeit geht ist gesund...
Nicht jeder will das so machen wie es dir Mehrheit der Bevölkerung tut. Ich finde, dass man gesund ist, wenn einem die Arbeit Spaß macht.

Ich finde es toll wie du alles genau reflektierst und analysierst! Das könnte ich sein

Liebe Grüße und weiter so!

Verfasst am: 04.12.2015, 18:28
SusanneK
SusanneK
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Lieber Aki, liebe Banja,

jetzt geht es mir wieder besser. Den Nachmittag habe ich bei meinem Verlag verbracht. Erst hat die Praktikantin mich für die Homepage über meine Bücher interviewt und dann hat mein Verleger sogar gesagt, ich darf ihm mein neues Manuskript schicken. Da habe ich mich gefreut. Er hat mich auch für die fast drei Wochen rauchfrei gelobt, und er weiß, was er sagt, da er vor drei Jahren aufgehört hat.

Die Ärztin versucht mich auch immer in diese Arbeitnehmerschiene zu pressen, stark sein heißt für sie, zur Arbeit gehen bzw. dass die Patientin zur Arbeit geht, sie reduziert mich auf meine Berufsarbeit. Wenn ich eine angepasste Arbeitnehmerin bin, die ihre Pflicht tut, dann verhalte ich mich gesund.

Dabei geht es um etwas ganz anderes. Ich bin mir in meiner Identität als Schriftstellerin noch nicht sicher. Wenn ich diesbezüglich gefestigt bin, werde ich auch die Berufsarbeit besser ertragen können. Aber so wirft mich das Verhalten der Ärztin noch voll aus der Bahn.

Herzliche Grüße
SusanneK

Verfasst am: 04.12.2015, 15:49
banya
banya
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Ja, liebe Susanne,
das ist ja gemein von Deiner Hausärztin, das tut mir leid, denn auch beim Rauchen muss ja auch die viel langwierigere psychische Abhängigkeit noch überwunden werden und nach zehn Tagen sind die allermeisten ja nun noch nicht damit durch. Hat sie selbst nie geraucht oder raucht sie noch?
Das kommt mir auch so bekannt vor: mir wollten die Ärzte auch lange nicht glauben, dass ich mit dem Rauchen aufgehört hätte oder haben abschätzig bemerkt, dass ich so zugenommen habe oder dass ich so doof war, überhaupt damit anzufangen.... und als ich schon über ein halbes Jahr rauchfrei war, hat der Lungenspezialist in seinen Bericht an meine Hausärztin geschrieben: aktueller Nikotinabusus..... nun ja......
was für eine HNO-Diagnose hast Du denn bekommen?
Ich habe mich auch oft durch die unangemessene Reaktion der Ärzte gekränkt gefühlt, aber ich glaube, sie haben auch oft nicht viel an Hilfestellung anzubieten, selbst wenn man sie beim Rauchentzug um Hilfe bittet. Keiner meiner Ärzte wusste zum Beispiel von dieser Seite hier... und mein HNO-Arzt raucht immer noch....

Dir ein schönes Wochenende
Banya

Verfasst am: 04.12.2015, 14:53
SusanneK
SusanneK
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Trotz 19 rauchfreier Tage fühle ich mich noch süchtig, d.h. ich bin sehr anfällig. Vorhin hat mich meine Hausärztin demoralisiert: Ich solle nicht die Tage zählen, sondern zur Routine übergehen und arbeiten. Raucherentwöhnung dauere 10 Tage, was darüber hinausgeht, sei sonstigen psychischen Belastungsfaktoren zuzuschreiben.

Was soll das? Wenn meine HNO-Diagnose keine längere Krankschreibung wert ist, ist es ja schön. Aber einfach zur Tagesordnung übergehen? Das kann ich noch nicht.

Ich habe mich geärgert, auch gekränkt gefühlt. Für einen Moment dachte ich, dass es keinen Sinn hat, da kann ich ja auch wieder rauchen.

Verfasst am: 04.12.2015, 13:03
Piet
Piet
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Hallo Susanne,
zuerst möchte ich dich beglückwünschen zu 19 Tagen Freiheit, so verstehe ich es inzwischen.
Was Dir die nichtrauchende Freundin erzählt hatte, hätte ich eigentlich von einem Süchtigen erwartet. Aber gut jeder wie er mag.
Voll und ganz stimme ich den Aussagen von Aki und Lydia zu.

Nun zu deinem letzten Bericht. So wie Deine verstorbene Freundin hatte ich 2003 auch gedacht, damals verstarb meine liebe Frau an Lungenkrebs. Von der Diagnose bis zu ihrem Tod waren es 6 Monate. So nach dem Motto jetzt ist eh alles zu spät, ich bin jetzt ein einsamer Witwer, habe ich fröhlich weitergeraucht statt die Kippen beim ersten Befund zu vernichten.

Nun hatte ich das Glück dass ich durch Zufall wieder eine liebe nette Frau gefunden habe, als wir uns mal ausgesprochen hatten ob jemand am anderen Dinge entdeckt die nicht passen, kam natürlich gleich das Rauchen, darauf meinte ich so leichtfertig man könne sich im Alter auch ändern.

Versucht im ersten gemeinsamen Urlaub ohne Erfolg, ebenso im nächsten, zu dieser Zeit wohnten wir noch getrennt. Dann zog sie zu mir, mein Raucherhusten wurde immer schlimmer, abends vor dem Einschlafen fürchterlich.

Es war am 15.11.20011, ich kam von der Arbeit nach Hause und es lag ein Päckchen Nikotinkaugummi auf dem Tisch.

Natürlich wusste ich was meine Partnerin meinte, also las ich den Beipackzettel von A-Z, ging ein letztes Mal auf den Balkon und blies ganz bewusst meine letzten Wölkchen in den Himmel. Anschließend habe ich ein Pflaster geklebt für 14 Tage und blieb einfach nur stur.

Heute bin ich ein glücklicher Nichtraucher oder auch Nicht mehr Raucher die Definition ist mir egal wichtig ist mir ich fühle mich wohl dabei, ja Du hast richtig gehört „wohl“.

LG
Piet

Verfasst am: 04.12.2015, 07:48
SusanneK
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Guten Morgen,

ich merke jetzt schon was, denn wenn es mir gelingt, der Zigarette zu widerstehen, so gelingt es mir auch leichter, anderen Personen zu widerstehen, die sich mir gegenüber durchsetzen oder sonstwie den Daumen drauf drücken wollen. Ich kann jetzt schneller "nein" sagen.
Denn wenn das Nein gegenüber der Zigarette so schwer ist und ich schaffe es aber, dann ist das Nein gegenüber einer anderen Person entsprechend leichter ausgesprochen.



Anderes Thema:

Meine Freundin hat mir ein Teeglas, Schwarzteee, Kandis u.s.w. geschenkt. Das war im Spätsommer. Ich trank bei ihr so gerne einen Tee. Zu diesem schmeckte auch die Zigarette bestens. Aber zu Hause habe ich weiter Kaffee getrunken.

Jetzt in der Entwöhnungsphase trinke ich morgens und nach dem Mittagessen Kaffee. Auch der Latte Macchiato beim Italiener hat mir bereits ohne Zigarette wieder gut geschmeckt. Am späteren Nachmittag ist aber jetzt Tee das richtige Getränk und ich trinke den Tee, den mir meine Freundin geschenkt hat.

Ich betrachte das als ein Vermächtnis. Meine Freundin ist Anfang November mit 61 Jahren an den Folgen einer schweren Lungenerkrankung gestorben. Sie war verwitwet und konnte den Tod ihres Mannes nicht überwinden. Ihre letzten Lebensjahre hat sie sich aber so angenehm wie möglich gemacht, dazu gehörten gutes Essen, guter Tee und Nikotin. Mir war nicht bewusst, dass die ganzen Arzt- und Krankenhausbesuche in den letzten Wochen nur noch Palliativmedizin waren. Aber als ihre beste Freundin mich anrief und mir die Todesnachricht überbrachte, war ich aber auch nicht überrascht.

Dann war die Trauerfeier, gleichzeitig mein HNO-Befund, zwei Tage später dann meine letzte Zigarette. Ich bin es auch meiner Freundin schuldig, jetzt "dranzubleiben". Denn gemeinsam hätten wir nicht aufgehört. Mit ihrer hinterbliebenen besten Freundin will ich nächste Woche gemeinsam zum Grab gehen. Wir werden bestimmt auch das Thema "Rauchen" ansprechen. Bin gespannt, was die beste Freundin sagt.

Ich bin überzeugt, dass die Verstorbenen Kontakt zu uns halten, und dass meine Freundin mir sagen will: "Hör auf mit Rauchen, wenn du es schaffst!"

Verfasst am: 03.12.2015, 21:56
miezhaus
miezhaus
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Guten Abend Susanne,

[quote="SusanneK"]
Gestern sagte eine Freundin (sie raucht nicht), dass man seine Sucht nur verlagere: Ein Drogensüchtiger habe nach dem Entzug mit Rauchen angefangen, ein Alkoholiker habe, nachdem er trocken war, unaufhörlich geredet..

Ich hoffe, das wird nicht so. Dass der PC bei mir auch Suchtpotential hat, habe ich ja mal gesagt. Aber sonst? Kleine Ersatzhandlungen sollten erlaubt sein (wie Tee trinken und Süßholz beißen am Schreibtisch),
[/quote]

Ich möchte die Existenz von Suchtverlagerung nicht wegdiskutieren, sie ist meiner Meinung nach aber auch keine zwingende Folge. Wobei ich denke, man müsste da auch die Verhältnismäßigkeit mit berücksichtigen. Ein redender, aber trockener Alkoholiker hat sicher den besseren Schnitt gemacht, als wenn er weiter getrunken hätte. Und sollte das Reden zum Problem werden, könnte es sicherlich in einem weiteren Schritt behandelt werden - aber dies würde seiner Gesundheit bestimmt nicht so sehr schaden, wie es das Weitertrinken möglicherweise getan hätte.

Und ja, natürlich sind kleine Ersatzhandlungen erlaubt. Ich habe mir beim Nichtmehrrauchen in der ersten Zeit mit Kaugummi beholfen (ganz normale zuckerfreie Kaugummis, kein Nikotinersatzprodukt). Und kaue heute noch. Hab mein Leben lang nie Kaugummi konsumiert - aber seither. Aber ehrlich gesagt, damit habe ich kein Problem. Wenn es nicht angemessen scheint, lasse ich es halt, aber sonst - warum nicht.

[quote="SusanneK"]
Aber eigentlich sollte das Geschenk für den Verzicht auf die Rauchsucht doch sein, dass man insgesamt ein bisschen weniger süchtig ist als vorher, bzw. eine Person wird, die ihre Süchte etwas besser kontrollieren kann.

So wir ihr das auch beschreibt: auf dem Balkon neben dem rauchenden Partner zufrieden stehen oder das Nichtrauchen zelebrieren.
[/quote]

Ja das ist auch ein Geschenk! Es ist Freiheit, Gesundheit, Selbstsicherheit, Selbstachtung, also ich fand das unfaßbar was der Rauchstop noch alles für mich geleistet hat! Dummerweise ist dies eine Wahrnehmung, die man erst im Nachhinein hat, wenn man schon eine gewisse Zeit rauchfrei ist. Deshalb mußt Du Dich in Deiner gegenwärtigen Phase eben einfach darauf verlassen, daß dieses Geschenk am Ende auf Dich wartet. Aber das ist ein Geschenk Susanne, verlaß Dich darauf. Und freu Dich darauf. Ich freu mich mit Dir drauf!

Viele Grüße und guten Abend von

Lydia

Verfasst am: 03.12.2015, 20:48
SusanneK
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Gestern sagte eine Freundin (sie raucht nicht), dass man seine Sucht nur verlagere: Ein Drogensüchtiger habe nach dem Entzug mit Rauchen angefangen, ein Alkoholiker habe, nachdem er trocken war, unaufhörlich geredet...

Ich hoffe, das wird nicht so. Dass der PC bei mir auch Suchtpotential hat, habe ich ja mal gesagt. Aber sonst? Kleine Ersatzhandlungen sollten erlaubt sein (wie Tee trinken und Süßholz beißen am Schreibtisch),

Aber eigentlich sollte das Geschenk für den Verzicht auf die Rauchsucht doch sein, dass man insgesamt ein bisschen weniger süchtig ist als vorher, bzw. eine Person wird, die ihre Süchte etwas besser kontrollieren kann.

So wir ihr das auch beschreibt: auf dem Balkon neben dem rauchenden Partner zufrieden stehen oder das Nichtrauchen zelebrieren.