Mit Alaaf und Helau rauchfrei werden: der Februarzug 2021

Verfasst am: 16.02.2021, 10:11
k19
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Hallo Michael,
ich habe gerade deinen Abschiedsbrief an die Zigarette gelesen. Genau so, wie du es beschreibst, empfinde ich es auch. Solche Gedanken habe ich gedacht und ich denke sie noch heute. Wenn du das, was du geschrieben hast, im Kopf behältst, hast du sehr gute Erfolgsaussichten, dauerhaft von der Zigarette wegzukommen.
Es ist kein Verlust, nicht mehr zu rauchen, du entbehrst die Zigarette nicht wirklich, lass solche Gedanken nicht mehr in deinen Kopf, sondern du gewinnst eine Freiheit von .... und eine Freiheit zu ...
Diesen Rat gebe ich natürlich euch allen, liebe Passagiere des Februarzuges. Prima, dass ihr in den Zug eingestiegen seid.
Herzliche Grüße
Kirsten (die heute einfach nur happy ist, die „Trauminsel“ erreicht zu haben)

Verfasst am: 16.02.2021, 10:04
Bolando
Bolando
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Hallo Michael,
das ist ein guter Abschiedsbrief, schreiben kannst du offensichtlich gut.
Ich habe von dir gelesen

Zitiert von:
... stehe 8 Monate vor meiner Pension ...
das hast mich sehr an mich selbst erinnert. An meinen Gedanken "wenn ich es nicht vor meinem Rentenbeginn schaffe aufzuhören, schaffe ich es bis zu meinem Ende auch nicht mehr" Nun, ich habe es geschafft. Ich bewege mich mehr, bin etwas leichter und fitter als vor 3 Jahren und schätze, dass ich dadurch noch etwas mehr vom Ruhestand haben kann. Ich kann es dir wärmstens empfehlen es ebenso zu machen. Viel Erfolg

Verfasst am: 16.02.2021, 09:30
Kommissar
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Irgendwo habe ich was von einem Abschiedsbrief an die Zigarette gelesen, mich hat das dazu animiert einen zu schreiben. Ich möchte ihn euch nicht vorenthalten.

Abschiedsbrief an die Zigarette

So meine ungeliebter „Freund“…

Ich sag dir heute, dass ich entschieden habe, mich von dir zu trennen.
Die Entscheidung fällt mir nicht leicht, aber ich brauche dich nicht mehr.
Ich möchte dir danken, dass du in schweren Zeiten für mich da warst. Da warst du mein Trost, ja manchmal sogar mein guter Freund, aber, wenn ich ehrlich zu mir bin, hätte ich meine schweren Zeiten sicher auch ohne dich überstanden.

Weißt du…, ich habe es satt, immer an dich denken zu müssen, immer überprüfen zu müssen, ob du noch da bist, ich habe es satt, dich tief in mich einzusaugen, um mir sagen zu können, dass es mir besser geht, dass ich entspannter bin.

Aber ….geht oder ging es mir denn wirklich gut mit dir? Manchmal stinkst du mir schon gewaltig, ich rieche auch übel durch dich. Manchmal wird mir sogar schwindlig und schlecht von dir und…du bist ganz schön teuer geworden, zu teuer für einen guten Freund.

Ja in bestimmten Zeiten warst du für mich da, hast mir eingeredet, dass du gut für mich bist. Kurzfristig stimmt das vielleicht sogar, aber auf lange Sicht gesehen, machst du mich einfach nur krank. Und deine Hilfe ist sehr egoistisch. Ich weiß, dass du an mir klammerst wie eine Klette. Du kannst nach mir rufen wie du willst, ab sofort werde ich dich nicht mehr hören und deine Schreie ignorieren.

Ich habe beschlossen nicht mehr abhängig von dir zu sein. Ich kann und ich will meinen weiteren Weg ohne dich gehen. Ich habe festgestellt, dass dies auch ohne dich sehr gut geht, und es leichter und befreiender ist, wenn du nicht mehr bei mir in der Jackentasche oder der Hosentasche sitzt.

Sei nicht traurig, ich bin es auch nicht. Im Gegenteil, ich bin sogar sehr stolz auf mich, die Last mir dir ist mir einfach zu schwer geworden.

Und noch was… hör auf mir Kopfschmerzen zu machen, mir stündlich einzureden, dass ich dich brauche mir immer wieder zuzurufen hole mich doch zurück…nein mein Freund lass es, es hat keinen Zweck, und wie du sicher bemerkt hast, bin ich auch sehr stark.

Verfasst am: 16.02.2021, 09:20
Süppug
Süppug
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Hallo Michael

Wir sind beide noch sehr kurz am Nichtrauchen und helfen uns mit Nikotinkaugummi über die schlimmsten Entzugserscheinungen hinweg.
Aber du hast mir einiges voraus in Sachen aufhören....
Als Kind fand ich den Rauch eklig, mit 17 liess ich mich von einem Freund verführen eine zu rauchen.
Mit 27 in der Schwangerschaft pausierte ich, zündete mir aber während der ärgsten Wehen wieder eine an.
Am 1. Oktober 2006 hatte ich einen starken Motivationsschub aufzuhören, nahm anfangs Nikotinkaugummi und blieb für ein gutes Jahr rauchfrei. In der selben Zeit nahm ich ca. 10 kg ab; wie gesagt, ein totaler Motivationsschub.
Wegen Stress und weil ich mich in Sicherheit wiegte, rauchte ich eine...... und das war es dann.
Jetzt bin ich bald 59, huste nachts so stark, dass ich davon erwache, habe oft kalte Hände und Füsse und bin / war am Morgen schon müde.
Ja und jetzt habe ich die Wahl: entweder weiter zu rauchen und vermutlich in den nächsten Jahren invalid zu werden oder zu sterben oder mit etwas Glück noch viele schöne Jahre verbringen zu können.

Ich möchte weiterleben und du sicher auch und darum sitzen wir im Februarzug und schaffen das und wenn die Welt untergeht - eine Zigarette zünden wir uns NIE mehr an.

Einen schönen Tag und heute rauche ich nicht.
Jacqueline

Verfasst am: 16.02.2021, 09:07
ehem.rauchfrei-lotse-christian
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Guten Morgen in die Runde,
und ein herzliches Willkommen an alle neu Hinzugestiegenen.

Schön, das sich unser Zug so zahlreich füllt.

@alle Neuen: Kennt ihr schon unser kostenloses Starterpaket? Lege ich jeden ans Herz, da es gerade in der Anfangszeit gute Dienste leistet. Gefüllt ist es mit allerlei nützlichen Dingen, die euch beim Rauchausstieg unterstützen. Zum Starterpaket gehts hier entlang:
http://www.bzga.de/infomaterialien/foerderung-des-nichtrauchens/foerderung-des-nichtrauchens-informationsmaterialien-fuer-erwachsene/rauchfrei-startpaket/

Auch unsere Bröschüre "Ja, ich werde rauchfrei!" kann ich empfehlen. Hier als pdf-Datei, selbige ist ebenfalls im Starterpaket mit drin.
http://www.bzga.de/pdf.php?id=253e87a4d2e5ed98979066bc64837c80

Auch unser 3-wöchiges Ausstiegsprogramm ist eine intressante Sache. Schaut doch mal rein.
http://www.rauchfrei-info.de/aufhoeren/das-rauchfrei-ausstiegsprogramm/

@Yvonne: Bei uns wird ein eigener Thread (= eigenes Thema) als Wohnzimmer bezeichnet. Also, ein Thema, das du in den Unterforen: "Alles zum Thema "Ausstieg", "Ich bereite mich vor", "Ich habe aufgehört", "Ich bleibe dran", eröffnen kannst. Brauchst Du Hilfe dabei? Wenn ja, lass es mich wissen. Ich sende Dir dann eine Anleitung zu.
Der Vorteil von einem Wohnzimmer ist ja, das man dich leichter wiederfindet und dir direkt Antworten kann.

Auch das Stöbern in den blauen und grünen Reitern unterstützt euch bei den Vorbereitungen und gibt wertvolle Tipps preis.
Mehrere Aufhörversuche sind nicht ungewöhnlich, eher die Regel als Ausnahme. Wer die Erfahrung mit der berühmten "Einen" durchleben musste, seht dies nicht als Scheitern, Versagen an, sondern nehmt dieses Dilemma bei euerem neuerlichen Start in ein rauchfreies Leben, als "Lerneinheit" dorthin mit.

@schotterblume: Die Belohnung, die für die Arbeit an sich selbst winkt? Ganz einfach, rauchfrei sein. Es lohnt sich so sehr, nicht mehr zu rauchen. Und denke an die Stärkung deines Selbstvertrauens, so als kleine Beigabe zum Nichtmehrrauchen ist doch eine wunderbare Belohnung, oder.

Viele haben ihren Rauchausstieg schon gewuppt, Andrea hat es geschafft, ich habe es geschafft, rauchfrei zu werden und zu Leben. Also schafft ihr das auch. Da bin ich ganz sicher!

Schönen Dienstag, Kehraus wünsche ich euch.

lg
christian

PS: Wer Lust hat, kann gerne heute Abend in der Zeit von 20:00 bis 22:00 Uhr, bei unserem Chat vorbeischauen.
Geboten wird der Ausstausch unter Gleichgesinnten, Lotsen und einem psychologisch geschulten Experten (Moderator). Derzeit nicht mit mobilen Endgeräten nutzbar.

Verfasst am: 16.02.2021, 08:43
Kommissar
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Rauchfrei seit: 1504 Tagen
Beiträge: 8 Beiträge

Guten Morgen Zusammen,

heute möchte ich euch mal ein wenig von meiner Raucherkarriere berichten. Rauchen angefangen habe ich so mit 15 oder 16 weil es einfach cool war. Über Gesundheitsschädigungen habe ich mir damals noch keine Gedanken gemacht. So Mitte 20 habe ich dann erstmalig einen Rauchstopp eingelegt, diesen Stopp, der immerhin ca. 7 Jahre dauerte habe ich ohne Hilfsmittel durchgeführt. Es kam dann zu einer Trennung, tja und da habe ich dann wieder angefangen. Mein zweiter Rauchstopp war so Anfang 40. Bei uns im Geschäft wurde ein Nichtraucherseminar angeboten, an welchem ich teilnahm. Die Gruppe war gut, alles Hardcoreraucher, und außer einem blieben tatsächlich alle Teilnehmer über Jahre hinweg rauchfrei. Damals habe ich mir mit Nikotinkaugummis die schlimmsten Entzugserscheinungen genommen. Dieser Stop hielt dann auch ca. 7 jahre. Irgendwo habe ich mir dann auf einem Fest in Alkohollaune eine Fluppe angesteckt. Es war wie wenn man mit einem Schalter das Licht anmacht, ich war wieder genau da wo ich vor dem Stopp war. Ich habe dann wieder ein paar Jährchen geraucht und hatte dann den dritten Stopp wieder mit Nikotinersatz zu Beginn, der vier Jahre dauerte. Dann kam wieder eine private Stresssituation in welcher ich mir eine Zigarette angezündet habe, und schon war ich wieder dabei.
Es ist tatsächlich so, dass bei sehr vielen eine einzige Zigarette genügt, um wieder auf den Raucherzug aufzuspringen, jedenfalls ist das bei mir so. Es gibt ja Leute, die können nur auf einem Fest rauchen, oder mal am Wochenende, wie die das machen weiss ich nicht, bei mir geht das nicht.

Und jetzt....so mit 60 merkt man doch schon merklich, dass man nicht mehr der jüngste ist und man merkt auch deutlich, dass einem das Rauchen an die Gesundheit geht. Das ist auch der Grund, warum ich aufhören will und auch sollte. Ich brauche auch den Austausch mit Gleichgesinnten, weil ich schon früher festgestellt habe, dass mich das motiviert, kann natürlich auch mit dem Gruppenzwang zusammenhängen...

Freue mich auf einen weiteren Austasuch mit euch und wünsche jedem die nötige Willensstärke und den Erfolg mit diesem Laster zu brechen.

Grüße an alle und einen angenehmen Tag
Michael

Verfasst am: 16.02.2021, 07:15
Schotterblume
Schotterblume
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Guten Morgen alle zusammen

... und herzlich Willkommen Bernd, Annie, Yvonne und Mona.

@Aja dein Text finde ich sehr beeindruckend - und wie ich mich darin wiederfinde. Dass in meinem Umfeld auch geraucht wird, hat mir die Scham in gewissen Situationen etwas gelindert - allerdings macht das jetzt das Aufhören etwas schwieriger.

Ich bewundere diejenigen, deren Mann noch raucht und die trotzdem der Versuchung widerstehen.

Ich wünsche allen einen wunderschönen Tag: wir schaffen das, wir geben nicht auf - und dafür werden wir sicher belohnt

Schotterblume

Verfasst am: 16.02.2021, 02:15
YvyF&W
YvyF&W
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Hallo Zusammen,

ich würde auch gerne noch auf den Februar-Zug aufspringen.
Mein Name ist Yvonne, ich bin 39 und rauche seit meiner Jugend. Seit ein paar Jahren sind es ca. etwa 5 - 10 Zigaretten am Tag, aber es war früher deutlich mehr. Ich rauche nur abends. Das Übertag-Rauchen ist irgendwie von alleine weggegangen. Ich hatte eine kleine persönliche Challenge draus gemacht, es immer weiter hinauszuzögern und es hat Spaß gemacht, die Erfolge zu sehen. Jetzt habe ich eine Weile gehofft, das noch weiter ausdehnen zu können, aber es gelingt mir einfach nicht. Ich denke den ganzen Tag kein einziges mal an eine Zigarette, aber wenn ich nach Hause komme gehts auf den Balkon, ohne Umwege. Daran sehe ich deutlich, wie sehr sich die Sucht bei mir im Kopf abspielt. Da ich in meinem näheren Umfeld in den letzten vier Monaten 4x mit der Diagnose Lungenkrebs konfrontiert wurde steigt die Angst und der Druck. Dabei merke ich, dass diese Angst sich immer eher lähmend auf meinen Glauben auswirkt, es zu schaffen. Vor ein paar Jahren habe ich ein Jahr erfolgreich nicht geraucht und es hat mir Freude bereitet. Ich bin es total euphorisch angegangen, wie ein Abenteuer. Das fehlt mir im Moment. Eine Zigarette auf einer Party hat den Erfolg dann - wie bei so vielen - wieder zunichte gemacht.
Nun habe ich heute die kompletten Februar-Zug Einträge gelesen und bin echt begeistert von so vielen netten Beiträgen und dem respektvollen und unterstützendem Umgang hier. Und ich finde es großartig, wie eisern Ihr alle seid!
Ich brauche noch ein paar Tage mich vorzubereiten. Beim letzten erfolgreichen Versuch habe ich meines Erachtens genau von dieser guten Vorbereitung profitiert. Trotzdem habe ich die Sorge, es aufzuschieben, aus Sorge es nicht zu schaffen. Als Ausstiegsdatum habe ich mal den 23. angepeilt. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es auch früher gelingt.

Ich freue mich schon jetzt darauf, euch als Mitstreiter bei diesem Weg zu haben.

Eine Frage habe ich. Hier ist immer von einem "Wohnzimmer" die Rede. Kann mir jemand erklären, was es damit auf sich hat?

Liebe Grüße
Yvonne

Verfasst am: 15.02.2021, 23:56
Sunny0189
Sunny0189
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Rauchfrei seit: 1511 Tagen
Beiträge: 126 Beiträge

Liebe Aja,

Dein Text hat mich leider sehr an mich erinnert. Danke das du das aufgeschrieben hast und ich denke fast jeder von uns erkennt sich darin wieder.
Ich will das auch auf keinen Fall mehr.

Ich hab heut Abend mal ein Bier getrunken und der Mann hat sogar geraucht. Es war zeitweise etwas schwer, aber es ging. Nach einem Bier bin ich dann aber doch ins Bett gegangen. Ich will es ja nicht herausfordern

Ich wünsche euch allen eine gute Nacht

Liebe Grüße
Sabine

Verfasst am: 15.02.2021, 21:28
AjaintheSky
AjaintheSky
Dabei seit: 30. 01. 2021
Rauchfrei seit: 1524 Tagen
Beiträge: 49 Beiträge

Danke, liebe Mila und herzlichste Glückwünsche zu deinem zweiwöchigen Jubiläum!!

Die Giftliste ist wahrlich eindrucksvoll… Selbst als Pflanzenschutzmittel würden Zigaretten verboten, doch wir haben uns uns das Zeug gewaltsam jahrzehntelang in die Lungen…

Zum Körpergift kommt noch das Raucher-Seelengift, ich glaube, das ist bei jedem individuell sehr verschieden, bei mir persönlich hat das sehr viel mit Scham zu tun, das ist mir am Wochenende nochmalso richtig klar geworden… Ist jetzt ein recht langer Text geworden, aber wer nicht mag, der muss ja nicht… Und vielleicht hilft es ja irgendjemandem, der grad mit dem „Was fehlt ohne Zigaretten?“ kämpft...

Ich war das Wochenende über in der Bergen, Traumwetter, Traumtour, der Körper spürt Anstrengung, spürt Kälte, spürt Freude, spürt Leben und so...da war wenig Platz für Verlangen, einfach weil's so schön war… ich war mir selbst so dankbar, dass ich es mir möglich gemacht hab, diesen Tag rauchfrei zu erleben… Und wohl vorm Hintergrund dieser aufrichtig tief empfundenen Dankbarkeit kam mir auf der Heimfahrt dann der Gedanke, wie anders der Tag wohl mit Zigaretten verlaufen wäre…:

Aufgewacht, schwer und irgendwie erschlagen, die Zigaretten von Freitag abend noch in mir…weit weg von „Elan“, trotzdem raus aus den Federn, denn die erste will geraucht werden. Und zwar schnell. Ungeduldig wartend, bis der Kaffee endlich fertig ist, denn die erste will geraucht werden. Raus in die Kälte bei minus 12 Grad, denn die erste will geraucht werden. In Pyjamahose, denn die erste will geraucht werden. Potentielle Blicke der Nachbarn. Wie armselig. Schäme mich wegen der allzu offensichtlichen Süchtigkeit. Doch die erste will geraucht werden. Finger kalt, schlechter Geschmack im Mund, Schweregefühl im Körper und im Geist. Doch die erste will geraucht werden. Erledigt. Ich stinke. Friere. Guten-Morgen-Kuss für den grad aufgestandenen Mann. Oh je, ich stinke nach Rauch. Vorsichtshalber nur ein Halbkuss.
Fühl mich mies, denn ich weiß ja, heut muss mein Körper richtig was leisten. Hoffentlich halte ich mit mit meinen Tourenpartnern. Bin ja die einzige Raucherin. Fühl mich gestresst, deswegen: Gleiches Spiel, denn der Spiegel will auf Reisehöhe gebracht, die zweite will geraucht werden. Hetzte beim Zusammenpacken, denn die Zeit, die ich fürs Drehen und Rauchen gebraucht habe, fehlt mir nun. Puh, auf diesen Stress hin muss ich unbedingt noch eine rauchen, bevor wir losfahren. Mann rollt mit den Augen, ich rolle zurück. Tue genervt, bin beschämt. Freundin abholen, sie ist noch nicht ganz fertig: ahhh, da kann ich eine rauchen. Klar brauche ich länger als sie. Ich lass es mir nicht anmerken, bin aber schon wieder beschämt. Ankunft... Sofortiger innerer Monolog: Soll ich noch eine rauchen vorm Aufstieg? Ach nee, das ist blöd, müssen die anderen ja schon wieder warten, du pumpst dir die Lunge zu, etc… außerdem muss ich ja Montur anlegen. Andererseits... Wenn ich jetzt nicht rauche bin ich gestresst und kann es ja gar nicht genießen... Lösung ist schnell gefunden: Ich rauche während ich mich umziehe und Schuhe schnüre und fühle mich - oh, Überraschung, ganz nebenbei auch noch beschämt. Das nenn ich Multitasking.
Okay, rauf auf den Berg. Ich muss mich anstrengen. Die anderen auch, aber bei mir empfinde ichs als schlimmer, denn ich rauche. Ärgere mich über mich selbst. Schäme mich, vor mir, vor anderen. Reiss mich zusammen. Nur kein Jammern, bin ja selber schuld. Bin ja Raucherin. Sehne die erste Pause herbei. Habe nun die Wahl zwischen: Rauchen und nichts essen, rauchen und schnell essen. Nicht rauchen ist keine Option. Blöd. Entscheide mich für schnell ’nen Happen essen, bei Eiseskälte eine drehen, Spaß macht das nicht. Finger frieren, der Wind bläst alles weg, ich genervt. Rauche. Schau mir im Geiste dabei zu. Komme mir blöd vor, mitten in der wunderschönsten Natur vor allem zu rauchen anstatt vor allem zu staunen, beides geht nicht, dafür ist der Wind zu stark, muss aufpassen, dass er die mit zittrigen Fingern schlecht gedrehte Zigarette nicht ausbläst. Nächstes Problem: Wohin mit dem Stumpen? Dalassen keine Option. Entscheide mich für Rucksackaussentasche, weiß jetzt schon wie mich dieser eklige Geruch den Rest des Tages nerven wird. Weitergehen. Puls ist hoch, wegen rauchen. Blöder Geschmack im Mund. Finger stinken. Hunger hab ich auch, wegen rauchen hab ich ja zu wenig gegessen. Gipfelanstieg. Schnaufen. Ärgern, schämen, selber schuld, also umso mehr anstrengen…rauchen, ärgern, schämen, selber schuld, also… Oben Ankommen. Jetzt aber sofort eine rauchen zur Belohnung (aus heutiger Sicht: WTF ist das für eine Belohnung???). Friere schneller als alle anderen, Durchblutung und so. Einzige Raucherin am Gipfel. Ich fühle mich, na? Ja, logisch. Nicht stolz, peinlich ist es mir hier qualmend rumzustehen. Devil’s circle at its best. Ich glaube weitere Erzählschleifen erspare ich euch...denn die Geschichte wird nicht spannender, die zentralen Elemente sind erzählt und sie klingen genauso wie die in der Geschichte vom Trinker im „Kleinen Prinzen“…
Ich habe mir für mich aber den ganzen Tag vorgestellt und mit jeder vorgestellten gerauchten Zigarette mehr wuchs meine Dankbarkeit für die Entscheidung, die ich getroffen habe…Nie wieder ein einziger Zug. Bei Schmacht denkt man ja meist an diesen einen kurzen Moment, wo der Rauch in die Lunge fährt oder so. So ein maximaler Zoom-Blick auf diesen Pseudogenußmoment beim Rauchen, der sich absolut ausschließlich daraus speist, dass das Hirn antizipiert, dass der Pegel wieder steigt...Ich hab von Zoom auf Weitwinkel gestellt, recht bedrückend, wie mir scheint, aber doch hilfreich realistisch für mich.

Einen ganz wunderbaren Abend euch lieben Mitfahrern
Aja