Süchte besiegen und ein neues Leben führen

Verfasst am: 05. 09. 2022, 21:46
°Eva°
°Eva°
Dabei seit: 29. 05. 2021
Rauchfrei seit: 106 Tagen
Beiträge: 105 Beiträge

Hallo Senifor,
ich war ein paar Wochen nicht online und es freut mich sehr zu lesen, dass Du noch rauchfrei bist und offensichtlich auch gute Strategien entwickelt hast. Sehr sehr gut!
Hoffentlich sitzen im Rauchfrei Kurs ein paar coole Leute und bestimmt sind auch nochmal gute Ideen dabei.
Aber Du kannst mal mächtig stolz auf Dich sein, dass Du schon 37 Zähler auf der Uhr hast. Richtig gut gemacht!
Schöne Grüße,
Eva

Verfasst am: 05. 09. 2022, 10:43
Senifor
Senifor
Themenersteller/in
Dabei seit: 19. 06. 2020
Rauchfrei seit: 57 Tagen
Beiträge: 283 Beiträge

Moin moin,

das Absetzen der Schlaftabletten hat begonnen und ich bin echt müde und habe kaum Tiefschlaf (was vermutlich nur im Kopf mit den Medis zu tun hat).
Hinzu kommt, dass ich Schmerzen habe, und die OP wahrscheinlich verschoben werden muss (war mein Fehler, ich hab nicht richtig gerechnet)
Heute beginnt mein Rauchfrei-Kurs. Na mal sehen.
Meine Freunde haben angerufen, ich vermute, es geht um Konzertkarten (sie deuteten es am Freitag an), für die ich natürlich nicht in Vorkasse gehe, nach dem Geldtheater. Da es mir heute auch nicht so gut geht, habe ich keine Lust zu telefonieren.
Ansonsten bin ich mir recht sicher, nicht mehr rauchen zu wollen. (wobei man da ja auch besonders aufpassen muss, weil man dann doch zu leichtfertig in Situationen reingeht - zumindest beim Alkohol so).
Ich habe mir gute Alternativen gesucht, und manchmal muss ich sogar den Kopf schütteln, wie oft ich geraucht habe ... quasi nach jeder Kleinigkeit. Abgewaschen, erstmal eine rauchen, gesaugt, erstmal eine rauchen, was aus dem Keller geholt, erstmal eine rauchen ... echt verrückt.
Wie gut, dass die Zeiten vorbei sind (hoffentlich für immer).

LG Senifor

Verfasst am: 30. 08. 2022, 22:24
k19
k19
Dabei seit: 28. 09. 2020
Rauchfrei seit: 35 Tagen
Beiträge: 208 Beiträge

Zitiert von: Senifor

Wie übt man denn die Selbstliebe ?


Diese Frage lässt sich gar nicht mal so schnell und mal eben beantworten.
Ich selbst arbeite an diesem Thema schon eine ganze Weile und hab so manches erst mit professioneller Hilfe begriffen und umsetzen können.

Nach meiner Erfahrung hängt alles mit dem Thema „Achtsamkeit“ zusammen.
Was diese Achtsamkeit genau bedeutet, war für mich ein langer Lernprozess. Und ich lerne noch immer ständig dazu.

Affirmationen können helfen, aber meiner Erfahrung nach bei mir jedenfalls nur, wenn ich sie mir selbst auch abnehme.

Beispiele:
Auch wenn ich traurig bin, liebe und akzeptiere ich mich so, wie ich bin.
Auch wenn ich mir vorwerfe…. zu sein, liebe und akzeptiere ich mich (wenigstens ein klitzekleines Bisschen) so, wie ich bin.

Ich hab für mich gelernt, dass mein Ich, mein Selbst nicht statisch ist, nicht eins ist, sondern viele. Selbstliebe bedeutet in diesem Zusammenhang auch, sich selbst kennenzulernen und so für sich zu sorgen, wie es gerade notwendig und angemessen ist. Das kann sowas Einfaches wie ein Körnerkissen sein oder ein Spaziergang im Freien. Oder bestimmte Musik. Es kann eine bestimmte Atem- oder Körperübung sein. Es kann das Aufsuchen eines sogenannten „Sicheren Ortes“ in einer Imagination sein.

Verfasst am: 30. 08. 2022, 21:50
k19
k19
Dabei seit: 28. 09. 2020
Rauchfrei seit: 35 Tagen
Beiträge: 208 Beiträge

Moin Senifor,
also so „richtig manisch“, wie du das beschreibst, war ich zum Glück nie, diese „Phasen“ hielten bei mir auch nur so etwa einen Tag lang. Sie traten bei mir in einer Zeit auf, als es mit mir aus den tiefsten Tiefen einer Depressionserkrankung allmählich wieder aufwärts ging.

Zitiert von: Senifor

Deshalb hab ich auch ein bisschen Angst, dass das bei mir überschießen könnte.


Ich kann dir nur raten, über solche Ängste mit deinem Arzt oder deiner Ärztin zu reden. Der oder die wird dir diesbezüglich eine fachmännische Antwort geben können und ob deine Angst überhaupt begründet ist.
Und wenn’s doch passieren sollte, gibt’s auch dafür gute und hilfreiche Lösungen.
Ich kann dir nur raten, solche Ängsten und Gedankenspielchen das Stopp-Zeichen zu zeigen und das Nachdenken darüber möglichst abzubrechen.

Zitiert von: Senifor

Woran hast du gemerkt, dass du abgehoben warst ? Welche Verhaltensweisen waren das denn ? Ich finde, das schon schwierig einzuschätzen, wann man tatsächlich drüber ist.


Der Unterschied zu dem, wie ich mich sonst gefühlt habe und was mir so möglich war, war für mich ziemlich auffällig. Beim ersten Mal dachte ich noch, nu sei ich endlich wieder „normal“. Erst als sich diese Phasen wiederholten, bemerkte ich den Unterschied und dass sich dieses Empfinden von meinen „normalen“ Zeiten doch unterschied. Ich spürte irgendwie, dass das nicht „echt“ war.

LG Kirsten

Verfasst am: 30. 08. 2022, 20:43
Senifor
Senifor
Themenersteller/in
Dabei seit: 19. 06. 2020
Rauchfrei seit: 57 Tagen
Beiträge: 283 Beiträge

Hallo Demi,

hab mich eben wieder etwas beruhigt.

Wie übt man denn die Selbstliebe ?

Affirmationen hab ich nicht als so hilfreich erlebt.

Selbstfürsorge versuche ich zu betreiben ... duschen hilft mir immer sehr gut, jetzt im Sommer kalt, aber auch nur, weil in D Warmduscher neuerdings verpönt sind

Sport, ab morgen geht es wieder los mit der Mannschaft. Da fühle ich mich sehr wohl zur Zeit, aber die letzte Zeit ging nicht, wegen Schmerzen.

Was fällt euch sonst noch ein ?

LG Senifor

Verfasst am: 30. 08. 2022, 20:26
Demi53
Demi53
Dabei seit: 14. 02. 2022
Rauchfrei seit: 27 Tagen
Beiträge: 119 Beiträge

Eine echt kompkizierte Thema Senifor….Selbstliebe ist das wichtige…Einfach sich selbst lieben so wie man selbst ist…Die meisten Sachen kommen aber von unsere Kindheit,sogar davor…Schwangerschaft,andere Leben…Wenn du ein unerwuenschtes Kind warst, fuehlst dich immer und ueberall nicht willkommen….Wenn deine Eltern dich oft alleine gelassen haben, hast du Verlustaengste entwickelt….Die Suechte kommen auch davon…Ist echt krass! Darum sind selbstbewusste und liebevolle Eltern sehr wichtig…Lg Demi

Verfasst am: 30. 08. 2022, 20:15
Senifor
Senifor
Themenersteller/in
Dabei seit: 19. 06. 2020
Rauchfrei seit: 57 Tagen
Beiträge: 283 Beiträge

Jetzt gerade kommt der Ärger. Der andere Kumpel meinte dann zu mir, ob ich denn weiß, ob sie ihre Tabletten nimmt. Aber mal ganz ehrlich. Ich muss immer Verständnis für andere aufbringen, die sich ständig aus der Verantwortung stehlen mit dem Argument krank, werfen das aber dann dem Partner vor .... ich versteh die Welt nicht mehr. Ich werde nach Strich und Faden ausgenutzt und lasse mich ausnutzen. Und sie ist gut eingestellt, sie ist NICHT manisch gerade.
Wer hat denn Verständnis für meine Reaktionen in der ganzen Sache aufgebracht ? Richtig, niemand. Ich hab so was von den Kanal voll. Und ja, mein Autonomiebedürfnis ist erwacht, und es kann verdammt stark sein.
Als Melkkuh bin ich gut genug, dann versiegt die Kohle, und dann ist man im Stress ... ja danke, mit mir nicht mehr.

Verfasst am: 30. 08. 2022, 18:08
Senifor
Senifor
Themenersteller/in
Dabei seit: 19. 06. 2020
Rauchfrei seit: 57 Tagen
Beiträge: 283 Beiträge

Heute denke ich wieder viel über meine "Freunde" nach.

Ich bin da echt früher auch schon eingestiegen, wurde als Kind oft ausgenutzt, wenn es z.B. um Hausaufgaben ging etc .... konnte wohl früher schon nicht nein sagen. Das ist auch ein Ziel, was ich heute in der Ergo angegeben hab ... nein sagen lernen. Ich denke, das das viel auch mit Selbstsicherheit zu tun hat. Wenn ich in mir selbst sicher bin, traue ich mich auch mal, nein zu sagen, ohne mich dann schlecht zu fühlen.
Denn ich glaube, dass das tatsächlich die Angst vor Konflikten ist und das hinterher schlecht fühlen, Ala Schuldgefühle. Hab auch ganz oft Angst, ein schlechter Mensch zu sein.
Doch wie legt man das ab ? Was ist der Fahrplan dafür ? Wie stärkt man denn das selbst ?
Was ja auch wichtig ist, beim Nichtmehrrauchen. Je weniger ich mich schlecht fühle, desto weniger hab ich das Verlangen zu rauchen. Und auch, wenn es mal schlecht geht, wie werde ich innerlich sicherer, so dass nicht alles immer gleich die größte Katastrophe ist.

Ich hatte ganz lange Verlustängste bei meinen "Freunden", ja, irgendwie hing ich auch an Ihnen. Jetzt nach der ganzen Sache mit dem Geld, der Tatsache, dass mich die "Freundin" hätte echt im Regen dastehen lassen, seitdem bin ich irgendwie ... wie soll ich sagen, gegenteilig. Plötzlich ist da mein riesiges Autonomibedürfnis wieder da. Ich verstehe auch nicht, wie man sich immer mehr leihen kann, wohlwissend, dass man das alles nicht mehr zurückzahlen kann und sogar schon die Privatinsolvenz im Raum steht.
Oder wegen dem OP-Termin, null Nachfrage etc. ... und dann nach dem Telefonat wieder, ja die sind immer so im Stress .... also ich bin nie im Stress

Momentan sehe ich null Bemühungen, Eigeninitiative, echtes Interesse .... es war dann auch verkehrte Welt, weil ich hätte mehr Recht gehabt sauer zu sein, als sie ....
Aber alles fing damit an, dass ich gegeben hab, weil ich kein Egoist sein wollte, weil ich kein schlechter Mensch sein wollte. Das Fass ist dann aber übergelaufen, als ich mich derbe über den Tisch gezogen gefühlt hab. Und dann ist mein Körper und meine Seele voll in Alarmbereitschaft gegangen. Unschön.

Verfasst am: 30. 08. 2022, 12:07
Senifor
Senifor
Themenersteller/in
Dabei seit: 19. 06. 2020
Rauchfrei seit: 57 Tagen
Beiträge: 283 Beiträge

Moin Kirsten,

waren das bei Dir richtige manische Phasen oder hypomanische Phasen (also abgeschwächt) ? Ich habe mal jemand richtig manisches gekannt ... das war krass, ich konnte teilweise nicht folgen, mitten im Satz einen neuen angefangen, psychotisch und und und .... heftigst.

Deshalb hab ich auch ein bisschen Angst, dass das bei mir überschießen könnte. Heute bei der Ergo hab ich gefragt, ob mich die Ergo manisch wahrnimmt. Die Antwort war nein ... puh. Aber hypomanisch fühlt sich auch schon toll an.

Woran hast du gemerkt, dass du abgehoben warst ? Welche Verhaltensweisen waren das denn ? Ich finde, das schon schwierig einzuschätzen, wann man tatsächlich drüber ist.

Danke für den Link zum Frädrich ... jetzt hab ich ihn kennengelernt

LG Senifor

Verfasst am: 29. 08. 2022, 19:22
k19
k19
Dabei seit: 28. 09. 2020
Rauchfrei seit: 35 Tagen
Beiträge: 208 Beiträge

Moin Senifor,
so manische Phasen habe ich vor ein paar Jahren auch mal gehabt. Jo, also als ich sowas zum ersten Mal hatte, fühlte sich das total toll an…. Und dann hab ich das fürchten gelernt… nicht nur weil sich die darauf folgenden Tiefs noch schlimmer anfühlten, was schon schlimm genug war…. schlimmer war dieses Abgehoben-Sein, irgendwie ging während dieser Phase sozusagen der Bodenkontakt verloren und ich hab mich, ohne es zu merken, total überfordert, ich brauchte ja keine Pausen und ich konnte ALLES, was ich nur wollte….

Ich war ziemlich froh und erleichtert, als diese Phasen dann nicht mehr wiederkamen…
Daher kann ich deinen Wunsch nicht teilen.

Zitiert von: Senifor

Gerade die müden Phasen, heißt es sich in Akzeptanz zu üben. Du hast Recht, ich darf dann keine Rechnung mehr aufmachen, wieviel Zeit ich verschlafen oder vergammelt hab. Es ist, wie es ist.


So in etwa erlebe und lebe ich das auch.
Keine Ahnung, ob die Fatigue, die bei mir immer mal wieder auftritt, von meiner einen chronischen Erkrankung kommt oder von der anderen chronischen Erkrankung. Ist letztlich auch egal. Es ist, wie es eben ist. Worauf es ankommt, ist, wie ich besser damit leben kann und es mir leichter mache. Druck, Selbstvorwürfe usw. helfen da nicht weiter, sondern einzig Akzeptanz und Selbstfürsorge.

Ja, ich bin inzwischen schon über 22 Monate alkoholfrei und darf behaupten, zufrieden abstinent zu leben. Ich hab mich aber auch wirklich viel mit diesem Thema beschäftigt und beschäftige mich auch weiterhin damit. Körperlich und psychisch sind bei mir im Laufe des ersten Jahres Verbesserungen eingetreten, die ich so nicht mehr erwartet hätte, und für die ich außerordentlich dankbar bin.

Was das Nicht-mehr-Rauchen betrifft, so gibt’s da definitiv auch sehr viel Positives. Ich hab das in den vergangenen Jahren immer mal wieder kennenlernen dürfen und ich freue mich auf das, was kommt: Freiheit in der Lunge, Verbesserung der körperlichen Fitness, Unabhängigkeit und definitiv wieder mehr Geld im Portemonnaie.

Da du Kopf und Gefühle ansprichst: Hast du inzwischen schon mal den Frädrich kennengelernt

https://www.youtube.com/watch?v=Ap6MHpZ3dPE

Ich finde den zwar etwas anstrengend, aber hab für mich das eine oder andere rausziehen können.

LG Kirsten