dicht - Dichter - Gedichte - 2500.... - von allen für alle

Verfasst am: 04. 12. 2018, 22:54
Nomade
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.... welche Freude - es geht weiter!

Da meldet sich det Tuppi - und schon steht ein neues "Gänsehautgedicht" hier - Danke!
Und Asbachgirl zitiert meinen absoluten Lieblingsdichter!!!! - ebenfalls Danke!
Der Herrn von Ribbeck gefällt mir auch sehr.

Und ja - UNMITTELBAR hat Literatur (Geschichten/Gedichte/Reportagen etc.) sicher nichts mit der Suchtbekämpfung zu tun.
Mittelbar - denke ich - schon:
- lese (oder schreibe) ich eine Geschichte, ein Gedicht, denke ich nicht ans Rauchen
- eines der vier "A"s heißt Ablenkung
- es handelt sich um eine kosten- und schmerzfreie Art der Ablenkung, die - wenn man möchte - auch noch den Geist anregt
- was "wir in einem Rauchfrei-Forum lesen wollen", kann ich natürlich nicht abschätzen, halte es aber für wichtig, sich vor Augen zu führen, daß uns noch so viel mehr ausmacht, als die Sucht

Das ästhetische Wiesel

Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel.

Wißt ihr
weshalb?

Das Mondkalb
verriet es mir
im Stillen:

Das raffinier-
te Tier
tat's um des Reimes willen.

Christian Morgenstern

Natürlich freue ich mich auch, wenn die Geschichten im 1000er Club oder die Gedichte hier gelesen werden.
Möchte jemand seine Meinung dazu kund tun - immer ran an die Bouletten (wie der Berliner sagen würde) und wenn es eigene Beiträge gibt (Meinungen oder Texte - die natürlich nicht "nur" selbst geschriebene sein sollen - siehe "Ribbeck" ) - immer her damit

Ich hoffe, Ihr hattet alle einen entspannten - oder, wenn das zuviel verlangt ist, wenigstens erfolgreichen : - rauchfreien Tag
und wünsche Euch auch für morgen
viel Erfolg beim Widerstehen
Nomade

Verfasst am: 04. 12. 2018, 12:58
sonja36
sonja36
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Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll.
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«
So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtrauen gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was er damals tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

(Theodor Fontane)

Ist es wirklich das, was wir in einem Rauchfrei - Forum lesen wollen? Denn viel abgelegener als der allgegenwärtige John Maynard ist es ja auch nicht. Vielleicht sollten wir uns mal wieder ein wenig auf die Suchtbekämpfung fokussieren.
Geeignete Internetforen für die dichterischen oder journalistischen Ambitionen des einen oder der anderen gibt es doch sicherlich genug.
Ich bitte, dies ausdrücklich als Denkanstoß zu verstehen und wäre dankbar, wenn sich auch User zu Wort melden, die hier bisher nicht vertreten sind.
LG
Sonja

Verfasst am: 04. 12. 2018, 07:55
Asbachgirl
Asbachgirl
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Wir mussten in der Schule keine Gedichte mehr auswendig lernen... Aber "John Maynard" kenne ich auch... Sehr schön! Danke, Heike!
Und auch für dein Kurzgedicht mit 13. Toll.
Das von dir, Herry, ist auch sehr gut. Kannte ich nicht. Sicher schwer zum auswendig lernen... ;)
Dankeschön, Nomade!



Ich hab hier noch ein kurzes, das mir sehr gefällt. Hing vor Jahren mal über meinem Bett...

Vorn ein Wall von schwarzen Hügeln
Doch astralhaft über ihnen
Bleiche Wände, mondbeschienen
Wie aus Flor von Geisterflügeln
Schau ich hier zum Bild gewoben
Erdendumpfheit, Himmelstrachten?
Rings das unten noch voll Nachten
Doch von Seelenlicht das Droben

(Christian Morgenstern)

Verfasst am: 04. 12. 2018, 06:02
Curley
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Pearl,

John Maynert... es ist ja sooooo lange her. Auch ich habe es in der Schule auswendig lernen müssen. Und ich freue mich, dass ich heute daran erinnert wurde. Ich wünsche euch allen einen schönen Tag.

Liebe Grüße
curley

Verfasst am: 04. 12. 2018, 05:58
Nomade
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Hallöle,

wie wunderbar - es gibt tatsächlich noch mehr DichterInnen unter uns - hab' ich doch richtig vermutet....

@Asbachgirl - gefällt mir gut, Dein Wunschgedicht

Allen noch einen schönen Dienstag
ohne Zigarettenqualm
wünscht
von en
Nomade

Verfasst am: 03. 12. 2018, 23:54
Asbachgirl
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Wenn der Abend naht

Wenn der Abend naht
Und die Blätter fallen
Weiß ich, du bist fort
Weg von diesem Ort
Bist auf langer Fahrt
Wenn der Abend naht
Und die Blätter fallen

Wenn das erste Grün
Wieder lacht am Baume
Weiß ich, du bist da
Mir wieder ganz nah
Jung und ungestüm
Wenn das erste Grün
Wieder lacht am Baume

Doch ist's nur ein Traum
Den ich heimlich hege
Wirklich ist er schwerlich
Trotzdem leicht und herrlich
Atmen wag ich kaum
Auch wenn's nur ein Traum
Den ich heimlich hege

Hm, hab ich so im Jahre 2008 geschrieben... ;)

Verfasst am: 03. 12. 2018, 18:56
Nomade
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Hi Pearle,

gar nicht übel - für 13 - Respekt.

LG Nomade

Verfasst am: 02. 12. 2018, 18:10
Nomade
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dank dir

für A.

ich seh' sie wieder,
die sterne am himmel
und in den augen
meiner freunde.

ich seh' sie wieder,
die sonne auf
den geschlossenen lidern
der träumer.

unsere augen haben
blicke geatmet bis
unseren mündern die luft
ausging. fast.

und endlich
steh' ich wieder auf
dem kopf

aS 07/09/00

Verfasst am: 02. 12. 2018, 15:10
Nomade
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.... wow Pearle,

ja, das habe ich auch mal auswendig gelernt in der Schulzeit und es läuft mir immer noch kalt den Rücken runter und rührt mich fast zu Tränen - DANKE für diese gute Erinnerung

Lieben Gruß
Nomade

Verfasst am: 30. 11. 2018, 07:29
Nomade
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Hallo an alle,

dies soll das zweite literarische Wohnzimmer für alle werden.
Da ich eher Lyrikerin bin - die eine Prosa, die ich im 1000er-Club eingestellt habe, ist echt 'ne Ausnahme - lade ich Euch ein, hier Gedichte zu sammeln, sich darüber auszutauschen, einfach Freude dran zu haben.
Letztlich ist alles Schöne eine Alternative zum blauen Dunst - oder....

Damit der Anfang nicht so schwer wird, stelle ich mal das erste ein:

kunst-geschichte

chagall versprich das gelbe
vom himmel

die uhr fällt herab und landet
mit leisem klimpern in teeglas
goldgelbe tropfen zerspringen
auf der leinwand
der schornstein wünscht
einem kran - gute nacht , segelt
der sonne hinterher
der briefkasten beneidet
einen abfalleimer und springt
in das nächste müllauto

die ausgedrückte tube
fliegt in eine ecke und
DIE GRÜNE PERIODE
beginnt

aS 09/03/87