Weil ich es mir wert bin

Verfasst am: 02. 09. 2022, 18:50
Linda63
Linda63
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Ich bin in einem Alter,wo es allmählich an der Zeit ist, vermehrt an sein Wohlbefinden zu denken und etwas zu tun.
Es gibt viele Wörter dafür - Selbstliebe, Selbstfürsorge, Achtsamkeit, Wertschätzung ... -
Ich bin überzeugt, dies ist eine gute Widerstandsbewegung und daher schiebe ich meine Verantwortung für mich nicht länger von mir weg, sondern gehe es an.
Natürlich habe ich Respekt und fühle mich unsicher,will auch nichts unterschätzen, aber es muß sein,ich will es unbedingt. Gestern habe ich die Letzte geraucht.

Bei anderen Veränderungen habe ich die Erfahrung gemacht, nur im "heute" zu sein, meine Entscheidung nicht infrage zu stellen, nichts zu erwarten und ein Gleichgewicht herzustellen. Für Wohlbefinden sorgen....

Ich habe festgestellt,mein Gehirn hinkt hinter meinen Entscheidungen,was gut für mich ist,hinterher. Es ist der Meinung,das Althergebrachte sei gut und macht sich laut bemerkbar. Es will ja nur,dass es mir gut geht. Also ein "danke" für die Aufmerksamkeit,aber wir gehen neue Wege,damit es mir wirklich gut geht. Gehirn und Herz müssen erst zusammen finden.

Ich bin gespannt auf mich und grüße euch herzlich
Linda

Verfasst am: 03. 09. 2022, 08:23
Bolando
Bolando
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Herzlich willkommen Linda,
du hast eine tolle Überschrift über deinem Wohnzimmer (so nennen wir hier den Threat). Es sich wert sein - das ist, finde ich, eine prima Einstellung. Du tust es für dich, wenn du nicht mehr rauchst, wenn du dich mehr bewegst, wenn du dich gesünder ernährst ... Es ist deine Entscheidung. Mich geht sie nichts an. Aber ich schreibe dir trotzdem, dass es eine gute Entscheidung ist. Ich habe vor ein paar Jahren dieselbe Entscheidung getroffen und ich weiß, dass es eine gute Entscheidung ist. Nicht in allen Punkten bin ich zu 100 Prozent erfolgreich. Geraucht habe ich nicht mehr, ungesund gegessen manchmal schon. Aber, nachdem ich mich umgewöhnt habe - du hast geschrieben Herz und Gehirn müssen zusammenfinden - fühle ich mich so gut wie schon lange nicht mehr. Das wünsche ich dir auch.
Viele Grüße

Verfasst am: 03. 09. 2022, 09:26
Linda63
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Guten Morgen Bolando!
Als ich die Entscheidung getroffen habe, überkam mich ein Gefühl der Erleichterung. Den Stein, der da von mir fiel, konnte man sicher meilenweit hören.
Endlich nicht mehr vor mir her schieben, diese Zeit fand ich auch grausam. Diese vielen Versuche,es anzugehen,drücken auf die Stimmung. Ich hatte das Gefühl,dieses nicht rauchen und wieder anfangen ,war wie eine Spirale nach unten und auch da kann man sich dran gewöhnen.
Ich bin froh, mich wirklich entschieden zu haben.
In anderen Bereichen muß ich auch einiges hinnehmen,die Vorgabe ist da,ich kann sie nicht ändern. Ich muß da durch und kann nur das Beste aus der Situation machen.
Jeder hat sein Paket zu schleppen und man kann/muß damit klar kommen. Wir alle haben im Leben schon viel geschafft und ich bin überzeugt, auch das hinzukriegen. Viele andere konnten es ja auch.
Ich werde mich an dem Septemberzug beteiligen, jede Hilfe wird dankbar angenommen von mir. Ganz allein verfällt man doch schnell in alte Muster, so kann ich mich täglich melden und das hilft mir.
Viele Grüße zurück

Verfasst am: 04. 09. 2022, 09:51
Linda63
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Ich war über 7 Jahre rauchfrei ( aufzuhören war damals kein Problem ) und im letzten Jahr wurde ich leichtsinnig.
Ein Grillabend in netter Gesellschaft mit einigen Rauchern und ohne Nachzudenken hatte ich mir Eine angezündet. Die wird mir nichts anhaben können, nicht diese Eine. Falsch gedacht,es ist unfassbar,wie schnell ich wieder im Rauchrhythmus war. Danach folgten einige Versuche,wieder davon loszukommen.Ob sie nur halbherzig waren,ich weiß es nicht.Jedenfalls funktionierte es nicht. Aber jetzt bin ich voll bei der Sache und weiß,dass ist dieses Mal nichts,was nebenher locker zu machen ist. Diese verfluchte Sucht,es ist zum heulen.
Ich bin zuversichtlich und hoffe inständig.

Verfasst am: 04. 09. 2022, 10:28
Nira02
Nira02
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Liebe Linda63,

alles Gute bei deinem Neustart! Herz und Gehirn werden zusammen finden, da bin ich ganz fest überzeugt. Gib Ihnen ein bisschen Zeit, dann wird das schon!

Ich sehe ein kleines Kind und das das zugehörige Elternteil vor mir: Herz breitet die Arme aus und Hirn das kleine rennt und lässt sich auffangen! Zusammen drehen sie sich im Kreis! Was für ein schönes Bild!

Viel Spaß beim Aufhören und Dich neu entdecken!

Grüße Nira

Verfasst am: 04. 09. 2022, 16:13
Linda63
Linda63
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Liebe Nira,
ich denke auch gern in Bildern. Es ist für mich intensiver,nachhaltiger.
Ich danke dir für dieses in Worten gut erklärte Bild,es hat mich tatsächlich lächeln lassen und gab mir ein warmes Gefühl. Sicher wird mich dieses Bild weiter begleiten und hilfreich sein,wenn ich mal ins Schwanken gerate.
Vielen Dank auch für deine Wünsche an mich , die du dir bereits erfüllen konntest bei deinen erreichten Rauchfreitagen. Herzlichen Glückwunsch an dich!

Verfasst am: 05. 09. 2022, 08:57
Linda63
Linda63
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So geschehen beim Kaffee trinken heute früh. Ergebnis der Unterhaltung: es gibt jetzt von mir an mein Gehirn das Codewort "Fehlfunktion".

Gehirn an Linda:
nun rauch wenigstens,wenn dein Allgemeinbefinden schon zu wünschen übrig lässt. Quäl dich nicht,wenn du rauchst,geht es dir gleich besser.
Herz an Gehirn:
Du meinst es gut mit Linda,denkst aber völlig falsch.Linda fühlt sich nicht gut,weil sie geraucht hat.Erinnere dich,sie hat einige Jahre nicht geraucht. Linda benötigt keine Zigaretten!
Liebes Gehirn, du erhältst Fehlinformationen durch das Gift, welches Linda sich zugeführt hat. Reich mir deine Hand,ich helfe dir da durch. Du hilfst ihr,wenn du sie in Ruhe lässt und ihr vertraust. Linda ist ein Herzmensch, Herz und Gehirn im Einklang würden sie doppelt stärken. Darf ich dich umarmen?

Verfasst am: 05. 09. 2022, 10:14
k19
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Hallo Linda,
da suche ich dich, nachdem du für mich in meinem Wohnzimmer so schöne Worte gefunden hast, doch gleich heute Vormittag mal in deinem Wohnzimmer, für das du einen echt guten Titel gewählt hast, auf.

Nachdem ich mir einen kurzen Überblick über deine letzten Posts verschafft habe, darf ich erfreut ein paar Gemeinsamkeiten feststellen. Du bist ebenfalls mit dem Motorrad unterwegs und ein Hund begleitet dich derzeit durchs Leben. Auch in Bezug auf Denkweise und Lebenseinstellung scheinen wir einander nicht ganz unähnlich zu sein.

Im Septemberzug hast du Folgendes geschrieben:

Zitiert von: Linda63

Für was lohnt es sich?
Die Gesundheit wird in meinem Alter immer wertvoller und die unterschwellige Angst nimmt zu. Rauchen macht auch träge und ich denke,Bewegung ist wichtig. Auch das Gehirn ist träger, will keine Veränderungen.
Da ist so vieles mit dem Rauchen verbunden und all das will ich nicht mehr.
Rauchen hat mich gleichgültiger gemacht mir gegenüber. Ich habe viel nachzuholen und aufzuarbeiten.
Wertschätzung mir gegenüber ist ein guter Ansatz,oder?!


Diese Einschätzung kommt mir irgendwie bekannt vor.
Mir geht’s ähnlich, wobei mir diese Dimensionen erst durch meine Erkrankungen und die zwischenzeitliche Genesung so richtig bewusst geworden sind.

Dass Rauchen alles andere als gesund ist und welche eher negativen Auswirkungen es auf meinen Körper und meine Psyche hat, war mir schon eine ganze Weile bewusst, aber aufgrund meiner eigenen Erfahrungen kann ich nur sagen, dass es einen Unterschied macht, ob diese Erkenntnis lediglich in meiner Vernunft existiert oder aber mehr oder minder mein ganzes Wesen durchdrungen hat.

Vor fast genau fünf Jahren habe ich mich zum ersten Mal in diesem Forum angemeldet, aber da war ich noch sehr weit weg von dem, was ich heute weiß und inzwischen verinnerlicht habe.
Ein Jahr später konnte ich dann mit Hilfe dieser Community hier eine ganze Weile (eineinhalb Jahre oder länger?) erfolgreich und zufrieden aus der Raucherei aussteigen. Nach einem erneuten Rückfall war mir diese Community auch 2020 eine große Hilfe.
Trotz all meines Wissens um Sucht, um die Neurobiologie der Sucht usw. wurde ich rückfällig. Natürlich war mir das peinlich, aber ich musste und durfte auch lernen, dass alles seine Zeit hat und was das eigentlich bedeutet.

Zitiert von: Linda63
.
In anderen Bereichen muß ich auch einiges hinnehmen,die Vorgabe ist da,ich kann sie nicht ändern. Ich muß da durch und kann nur das Beste aus der Situation machen.


Das hast du Bolando geschrieben und ich erkenne da eine Ähnlichkeit zu dem, wie ich mein Leben erfahren habe und erfahre.
Inzwischen streiche ich in der Regel jedoch die Worte „ich muss“, denn wenn man‘s genau nimmt, muss man gar nichts, es sei denn, man hat Kinder oder andere Schutzbefohlene, für die man unmittelbar Verantwortung trägt.
Ich darf aber wählen und ich darf entscheiden, was ich möchte und was ich nicht möchte. Und ich habe mich entschieden, das Beste aus meinen Möglichkeiten und meiner jeweiligen Situation zu machen. - Eben „weil ich es mir wert bin“.

Dein Post vorhin hat mir auch gut gefallen und hat mich an ein Gespräch erinnert, das ich vor einer Weile mal mit meinem sogenannten „Inneren Kritiker“ geführt habe.
Die Wertschätzung und der fürsorgliche Umgang ist das, was dich wirklich weiterbringen kann.

Wenn mir mein Suchtgedächtnis mal wieder vorgaukelt, wie angenehm jetzt eine Zigarette wäre - kommt bei mir dieses Mal aber schon immer seltener vor - dann halte ich ihm eine Vorstellung aller negativen Empfindungen, die ich zuletzt mit dem Rauchen verbunden habe, vor.
Das Belohnungszentrum, das für diese Suchtgedanken und den Suchtdruck verantwortlich ist, ist leider so konzipiert, dass es das Negative komplett ausblendet, in dieser Richtung findet leider überhaupt keine Verknüpfung statt. Deshalb kann es hilfreich sein, bewusst mit entsprechenden Bildern und Erinnerungen gegenzusteuern, wenn entsprechende Gedanken aufkommen. Und da du den zu erwartenden Gewinn eines rauchfreien Lebens schon kennst, kannst du auch noch mit dem Ausblick darauf aufwarten.

Wir lesen uns!

Liebe Grüße
Kirsten

Verfasst am: 05. 09. 2022, 10:38
Anne mone
Anne mone
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Beiträge: 231 Beiträge

Liebe Linda,
Herzlichen Dank für deine lieben Zeilen.
Schön, dass du jetzt auch hierhin gefunden hast.
3 Tage ... die waren nicht einfach, oder? Lass dich nicht umwerfen und denk daran, du hattest einen Supergrund aufzuhören und es gibt absolut keinen, um wieder anzufangen.
Hier findest du Unterstützung und auch ich habe immer ein offenes Ohr für dich.
Herzlichst Monika

Verfasst am: 05. 09. 2022, 19:55
Linda63
Linda63
Themenersteller/in
Dabei seit: 02. 09. 2022
Rauchfrei seit: 23 Tagen
Beiträge: 55 Beiträge

Die größte Gefahr geht von mir aus, nicht von meinem Umfeld.
Gefühle aushalten/annehmen (statt wegrauchen) und abspeichern,damit ich sie hervorholen kann.Um mir selbst bewußt zu machen, es geschieht nichts,wenn ich nicht rauche.
Das Gleiche gilt auch für wunderschöne Momente. Gefühle bewußt erleben und abspeichern. Keine Zigarette der Welt kann solche Momente schöner machen.
Dieses intensivere Erleben oder auch die Achtsamkeit lässt mich noch weiter zu mir durchdringen.
Ich lerne mich weiter kennen und kann eindeutig wieder besser ICH sein und mir gerecht werden.
Der Kampf FÜR etwas gibt Stärke, der Kampf gegen etwas schwächt.
Ich bin rauchfrei, um MICH wiederzufinden.

Die rauchfreien Jahre habe ich auch gespeichert. Sie in Gedanken hervorzuholen, hilft mir sehr. Es macht mich ruhig und toleranter gegenüber der momentanen Eskapaden.

So weit mein abendlicher Gedankenschweif für heute bei nebeliger statt klarer Sicht.
Ich bin müde,aber so wie ich im Bett liege,bin ich hellwach. Manchmal ist das so.

Zitiert von: Linda63
Ich schlafe nachts schlecht und werde langsam albern.Man könnte auch sagen,ich befinde mich außerhalb des Rahmens.
Beim Zeitung blättern gelesen.
Das beschreibt in etwa, wie es mir geht.

Liege auf der Couch und schaue eine Faultier-Doku. Sagt der Sprecher: "Manche Faultiere fahren den Kreislauf so weit runter,dass sie aus Versehen ins Koma fallen."
Habe mich jetzt erst mal schnell ordentlich hingesetzt.