Freiheit, Stärke, Gelassenheit.

Verfasst am: 15. 03. 2021, 13:39
janipiep
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Weil es mir jetzt schon mit einigen bemerkenswerten Gedanken passiert ist, dass ich sie in diesem Hin- und Hergehüpfe zwischen den vielen Wohnzimmern nicht wiedergefunden habe, mach ich mir jetzt doch mal ein eigenes Wohnzimmer auf, vielleicht hilft das ja. Außerdem hat hier fast jeder ein Wohnzimmer, dann will ich das auch, vielleicht erschließt sich mir dann auch irgendwann der Vorteil. Aber vielleicht schließ ich irgendwann auch einfach ab und schmeiß den Schlüssel weg, wenn es mir zu viel wird.

Freiheit, Stärke, Gelassenheit. Lauter schöne Dinge, von denen ich mir immer eingebildet habe, ich hätte sie.
Jetzt bin ich seit 2 Wochen rauchfrei und gespannt, wieviel und was von mir sich durch den Rauchstopp verändert. Alles, was ich seit den Teenagerjahren erlebt, erfahren und gelernt habe, hatte irgendwie mit Zigaretten zu tun, direkt oder indirekt. Das ist nicht mein ureigenster Gedanke, das hab ich hier irgendwo im Forum aufgeschnappt, seitdem hab ich für meinen Körper, meine Gedanken und meine Gefühle viel mehr Verständnis, und seitdem ist die Neugierde erwacht.

Ich kenne mich nur mit Zigaretten in der Tasche.

Verfasst am: 16. 03. 2021, 13:11
Bolando
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Hallo, darf ich dich hier Jani nennen?
Du bist mir gestern bei Toni aufgefallen. Das war sehr nett, dass du dich gekümmert hast. Ich glaube, du hast da auch Talent dazu. Dein eigenes Wohnzimmer hat zumindest für mich nun den Vorteil, dass ich mir sicher sein kann, dass du meinen Post auch nicht übersiehst. Und um eine Art Tagebuch zu führen ist es auch gut geeignet. Ich wundere mich etwas, dass noch niemand sonst hier war. Nun bin ja ich hier und ich bringe auch etwas mit
Mit Blümchen sieht so ein Zimmer gleich netter aus
Freiheit ist Dinge zu tun oder auch zu lassen, wie man möchte. Und wir hatten am Ende unserer Kindheit die Freiheit endlich den Führerschein zu machen und Auto zu fahren, Alkohol zu trinken, ohne Eltern in den Urlaub zu reisen, in die Disko/den Club zu gehen und zu Rauchen. Wir wollten tun, was die Erwachsenen tun und zur Gruppe der Gleichaltrigen gehören. Aber mit dem Rauchen haben viele von uns einen Teil der Freiheit verloren, nämlich "einfach so" wieder damit aufzuhören können. Bei Alkohol kann dasselbe passieren. Nun erscheint Freiheit relativ. Nachdem ich meine Sucht überwunden habe, empfinde ich die Freiheit "nicht zu rauchen" als prima - die Freiheit wieder mal zu Rauchen müsste ich mit dem Risiko eines Rückfalles bezahlen. Wenn du beim Bäcker das Plunderstückchen haben willst, wirst du dein Geldstück hergeben müssen. Deine Freiheit ermöglicht dir das eine oder das andere nicht aber beides. Ich kannte mich als Erwachsener auch nur als Raucher. Nachdem ich mich auch als Nichtmehrraucher kenne, will ich Nichtmehrraucher bleiben. Das richtige Kennenlernen kann allerdings mehrere Monate dauern. Ich wünsche dir eine leichte und Interessante Kennenlernphase.
Viele Grüße

Verfasst am: 16. 03. 2021, 16:48
Unbekannt
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Verfasst am: 17. 03. 2021, 11:34
janipiep
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Ich danke euch beiden für den Besuch in meinem Zimmerchen, für die Gedanken und die Blümchen. Dass sich sonst keiner reintraut, liegt bestimmt am wenig einladenden Eingangstext... Ist aber gar nicht schlimm, zu viel Besuch würde mich im Moment total überfordern. Ich weiß ja jetzt bei euch 2 Besuchern schon nicht, wie ich mich verhalten soll, wo ich antworten soll. Eigentlich würd ich gerne linear hier so antworten. Aber üblich wäre es ja, wenn ich euch jetzt in euren Wohnzimmern antworte, auch wenn ich da voll in ein anderes Gespräch reinplatze, so gefühlt. Da muss ich mich erst dran gewöhnen, davon abgesehen brauche ich dafür auch mehr Zeit. Ich komm die Tage mal zum Gegenbesuch vorbei und guck mich bei euch um. Bestimmt hab ich schonmal beim Querlesen durchs Fenster geguckt.

Die Foren, in denen ich bisher unterwegs war, waren ausnahmslos thematisch sortiert, ein Thread = eine Unterhaltung und die Unterhaltung findet linear nach unten oder oben statt. Aber dass man innerhalb eines Threads immer eine Seite von verschiedenen Unterhaltungen liest, das ist mir noch nie begegnet. Es hat schon seinen Reiz, dass man immer per Mail informiert wird, wenn es einen neuen Beitrag gibt - wir haben ja alle auch ein Leben außerhalb des Forums -, und die Idee des Wohnzimmers an sich find ich auch charmant. Aber nix wiederfinden nervt mich, jetzt vorab schon. Wenn man wenigstens in der Liste "alle Beiträge" direkt zu diesem Beitrag springen könnte. Aber man springt ja nur zu Seite 1 des Threads und dann heißt es suchen.
Es muss irgendwie funktionieren, hier sind sooo viele User, die offensichtlich kein Problem damit haben.

Bis demnächst
Jani

Verfasst am: 21. 03. 2021, 09:59
Eva-Luna
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Zitiert von: janipiep
Ich habe meine Kollegen sofort eingeweiht und mir damit eine gute Grundlage verschafft. Zum Einen hatte ich dauerhafte Bestätigung, weil sie sich alle für mich gefreut haben, zum Anderen musste ich meine Unkonzentriertheit nicht verstecken. Wir haben dann z.B. solche Gespräche geführt: Kollege: "bla Rechnung bla Kunde bla Zahlen, Jani, was denkst du?" "Zigarette".
Deine Beiträge sind großartig!

An der Stelle schon mal meine
Gratulation t: zu 20 rauchfreien Tagen das will erst einmal geschafft sein!


Einen schönen Sonntag wünscht dir Eva

Verfasst am: 28. 03. 2021, 10:18
janipiep
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So ein bisschen hab ich ja doch das Gefühl, dass es von mir ausgeht. Irgendwas hat sich geändert. Ich habe tief in mir drin eine Stimme, noch ganz leise, weil sie sich so schlecht ausdrücken kann, diese Stimme piepst zaghaft vor sich hin: "Lass dir das nicht gefallen". Ich war am Freitag extrem genervt von den Kollegen, weil ich das Gefühl hatte, die Schnauze voll davon zu haben, immer der Ausputzer vom Dienst zu sein. Zuhause ging es dann im Grunde ähnlich weiter, die Thematik ist immer und überall die gleiche.

Ja, und jetzt höre ich dieses kleine Stimmchen, das anfängt, sich zu beschweren.
Den Streit gestern habe ICH vom Zaun gebrochen, weil mein Fass übergelaufen ist.

Habe ich mich verändert? Oder zumindest meine Wahrnehmung? Verändere ich mich gerade? Hängt das mit dem Rauchstopp und diesem ominösen tollen Ding der Selbstfürsorge zusammen?

Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt. Es kann auch gut sein, dass jetzt die Luft aus dem Wutballon erstmal wieder für ein paar Wochen raus ist. Das kleine Stimmchen ist bei diesen letzten Worten allerdings ganz traurig geworden.

Ich schreibe das hier auf, damit ich das kleine Stimmchen nicht vergesse, falls es wieder so leise wird, dass ich es nicht wahrnehmen kann.

Verfasst am: 28. 03. 2021, 14:13
Unbekannt
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Verfasst am: 29. 03. 2021, 21:26
janipiep
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Lieber Paul,


viiiieeelen Dank für dieses herrliche Bild von Heulsuse und Wüterich, die hinter der riesigen Tasse kaltem Kakao sitzen und quarzen, was das Zeug hält. Vielleicht schaffe ich es, diese Vorstellung in der nächsten Notsituation, in der die beiden die Oberhand haben, gedanklich hervorzuholen, darüber ein bisschen zu schmunzeln und die Gelassenheit wiederzufinden.

Zitiert von: Paul2.1.
Die Zigarette würde diesen Knoten auflösen;

Vielleicht werde ich anfangen, jeden dieser Knoten, die nur mit Zigarette aufzulösen sind oder zu sein scheinen, zumindest jetzt am Anfang ganz besonders Wert zu schätzen, sind sie doch gerade in einem solchen Moment der Preis für die Rauchfreiheit. Und was wäre ich nicht alles bereit zu geben um dauerhaft rauchfrei zu bleiben, wenn man mich jetzt, so ganz entspannt, fragen würde. Wenn es nur so einfach wäre und man in jeder Situation den Weg in die Meta-Ebene schaffen würde.

Vielleicht wurde mein zartes Stimmchen auch überdeckt von einem Konglomerat aus "Ach rauchen wir erstmal eine, dann ist das alles nicht mehr so schlimm", aus mangelndem Selbstbewusstsein und daraus folgend übertriebener Gelassenheit.
Wo wünsche ich mir denn eigentlich die Grenze meiner Gelassenheit, wie erkenn ich diese Grenze und was mach ich, wenn jemand diese Grenze überschreitet? Das ist gerade so eine Frage. Vom gelassenen Belächeln des Verhaltens der Mitmenschen zum Ausnutzen lassen und zu viel Unangenehmes runterschlucken ist es nicht weit. Vielleicht ist die Grenze auch tagesformabhängig und lässt sich gar nicht festlegen. Vielleicht hängt sie auch vom Gegenüber ab. Vielleicht passt Gelassenheit auch einfach gar nicht zu mir, vielleicht hab ich sie emotional immer verwechselt, mit Contenance oder so - egal was mir widerfährt, ich lass mir nichts anmerken und rede mir die Welt schön. Manchmal glaub ich mir das dann, manchmal nicht. Ist das Gelassenheit? Ich weiß es nicht. Oder ist Gelassenheit, wenn man einfach abgestumpft hinnimmt, was so geschieht? Will ich so sein? Das ist alles gerade ein bisschen wirr. Und gleichzeitig sind das alles Fragen, die über die Jahre immer wieder aufgetaucht sind, mal lauter, mal leiser. Und doch ist jetzt irgendwas anders.

"Das richtige Maß lernen" - das scheint noch ein weiter Weg zu sein. Im Moment kann ich nur runterschlucken oder explodieren, wenn es um Dinge geht, die mir wichtig sind. Aber ich hab noch ein bisschen Zeit, ich hab eigentlich weitgehend nette Mitmenschen, und es macht mir Mut, dass es ja doch irgendwie möglich sein muss, das zu lernen.

Ich danke dir für die Idee, dass ich für meine Explosion um Entschuldigung bitten könnte. Bisher hab ich mich nur als armes Opfer selbst bemitleidet, aber wenn ich in der Lage wäre, die Dinge anders und früher wahrzunehmen und zu diskutieren, dann hätte es diesen Eklat nicht in dieser Form geben müssen.

Viele liebe Grüße, danke für dein offenes Ohr und deine Gedanken, ich wünsche dir einen wunderschönen Frühlingsabend.

Jani

Verfasst am: 30. 03. 2021, 07:54
Bolando
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Hallo Jani,

Zitiert von: Paul2.1.
Im Moment kann ich nur runterschlucken oder explodieren, wenn es um Dinge geht, die mir wichtig sind.
Das kenne ich oder soll ich besser schreiben das kannte ich? Nein, ganz sicher bin ich mir doch nicht, dass ich nicht mehr explodiere. Meine Taktik fürs nicht explodieren ist weniger herunterzuschlucken und mich zur Wehr setzen, solange ich das noch sachlich und freundlich hinbekomme. Schlucke ich zu viel, explodiere ich. Dass das etwas mit dem (Nicht-)Rauchen zu tun hat, glaube ich nicht. Vielleicht kann ich weniger schlucken, seit ich nicht mehr rauche, aber das wäre dann schon alles. Also mein Rat ist der: nicht das Runterschlucken üben, sondern das freundliche sich wehren. Ich wünsche dir und deinen Lieben frohe Ostern
Viele Grüße

Verfasst am: 30. 03. 2021, 09:32
sister67
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Hallo Jani,

Wenn man immer nur schluckt, irgendwann ist das Fass voll und explodiert.
Ist normal, die angestaute Wut will wohin und verunsichert.
Im Ganzen dies zu sehen ist auch ein Lernprozess, wir haben früher unsre Wut u.a. weggeraucht. Jetzt stellt sich Alles in uns um. Wir werden mit jedem Tag ohne die Kippe auch selbstbewusster und stärker. Der alte Anker ist weg. Nun dabei gelassen zu bleiben ist hohe Kunst, die uns die Zukunft bringen kann, wenn wir im Konflikt offen, sachlich, freundlich und ehrlich das Gespräch suchen und finden.
Das braucht Zeit und Bereitschaft den neuen Weg zu finden. Einen Monat fast nicht zu rauchen ist eine enorme Leistung, verlang nicht allzu viel auf einmal, weder von Dir noch von deinen Mitmenschen. Ein frisch gebackener Nichtraucher ändert sich unbewusst in einigen Dingen.
Freundlich und gelassen zu bleiben ist nicht immer leicht, aber oft kommt mit der Zeit auch Rat.

LG sister