Nikotinersatzprodukte – ein Rauchstopp zweiter Klasse?

Verfasst am: 19.06.2024, 21:44
rauchfrei-lotse-klaus
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Hallo KatKa

Vielen Dank für deinen Bericht. Toll und sehr gut nachvollziehbar.

Das regt mich auch zu einem subjektiven Artikel an.

Ich musste erstmal nachschauen, was Harm Reduction ist, weil ich den Begriff nicht kannte. Es gibt eine International Harm Reduction Association. Wenn ich auf der Webseite den Artikel ....Was ist Harm Reduction? lese, verstehe ich Folgendes:

Es dient der Reduktion der Sucht Substanz und akzeptiert den weiteren gesünderen Gebrauch der Sucht Substanz. Also die Vape / E-Zigarette ist gesünder als die normale Zigarette, weil es keinen Tabak gibt und trotzdem kann weiter Nikotin in den Körper geführt werden.

Hier wird ja immer das Ausschleichen der Substanz genannt. Die Mittel dafür sind Pflaster und Kaugummis. Ob das mit E-Zigaretten / Vapes klappt muss sich noch herausstellen. In Einzelfällen funktioniert es sicher gut. Man müsste eben dann immer weiter die Nikotin Dosis verringern....bis 0. Dann braucht es nix mehr und das Ziel ist erreicht.

Mich würde brennend interessieren, ob durch Ausschleichen das Craving verhindert wird. Nach meinen Recherchen kommt da nicht Eindeutiges heraus. Scheinbar ist es immer anders. Falls ja, wäre mir das lieber gewesen. Ich habe einen kalten Entzug gemacht und wusste nichts über andere Methoden. Das war eine stellenweise holprige Bahnfahrt und noch heute befällt mich Craving. Natürlich muss ich jetzt keine Pflaster mehr nehmen, oder wieder mit den Vapes anfangen. (Oder doch?)

Du beschreibst wie sich deine Sucht mit den E-Zigaretten / Vapes in die Höhe geschraubt hat. Ähnliche Berichte tauchen hier hin und wieder auf. Das macht mir diese Vape Methode etwas gefährlich. Der Absprung fällt nicht allen leicht.

Es fehlen Studien darüber. Es gibt nicht genug Wissen und viele Meinungen.

Ähnlich misstrauisch betrachte ich Medikamente zum Rauchstopp. Die Liste der Nebenwirkungen ist lang und unangenehm. Wenn das alles einträte, omg dann lieber kalter Entzug (Ich rede hier nur von mir!). Der war schlimm wegen des manchmal starken Suchtdrucks. Den konnte ich immer gut mit meinen Atemübungen vertreiben. Die hatten zum Glück keine bösen Nebenwirkungen. Dazu gab es zu Beginn des Rauchstopps einige traurige, fast schon depressive Tage.

Wenn ich so zurückdenke und in meinem Tagebuch lese, dann war ab dem Tag 100 die Welt halbwegs in Ordnung. Es war ein schleichender Prozess. Es wurde fühlbar von Woche zu Woche besser. Aber so um den Tag 50 herum hatte ich noch allerhand zu klagen. Wenn ich kein Tagebuch hätte, wüsste ich das nicht mehr. Zum Glück vergessen wir unangenehmes sehr schnell.

Ich kann kein Fazit abgeben. Wir sagen ja hier immer: Was hilft hat Recht! Für mich steht nur eines fest. Wenn ein Alkohol Süchtiger Mensch seine Sucht loswerden will, muss er aufhören Alkohol zu konsumieren. Alko Pops würden ihm vermutlich nicht helfen.
In diesem Sinne ein wie immer neugieriger Klaus

Verfasst am: 19.06.2024, 23:32
Frank_K
Frank_K
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Servus, zusammen,

hatte auch mal versucht, mit E-Zigaretten die "normalen" zu ersetzen - bei mir hatte es trotz maximaler Nikotindosis von 20 mg nicht funktioniert. Hatte irgendwie permanent das Gefühl, mir fehlte was bei den e-Zigs. So, als wären im normalen Tabak noch andere Süchtigmacher drinnen, die bei den e-Zigs fehlen. Mein Zahnfleisch reagierte auf die E-Zigs mit starkem Bluten. Das soll am Wegfall der entzündungshemmenden Stoffe aus dem Tabakrauch gelegen haben. Geschmacklich waren mir irgendwann die E-Zigs auch lästig. Am Ende war ich wieder bei der normalen Kippe angekommen und rauchte genauso viel wie vorher.

Ich mag niemanden ausreden, es mit E-Zigs als einer möglichen Variante zu versuchen - jeder Weg, der helfen kann, vom Rauchen und der Nikotinsucht wegzukommen, ist es wert, begangen zu werden. Einen starken Willen setzt aber auch dieser Weg voraus. Nikotinfreie e-Zigs, Vapes etc. können möglicherweise, wie Kräuterziggis auch, auch die Funktion des allerletzten Notnagels vor dem Rückfall übernehmen, wenn das Craving zu heftig wird. Dann aber wirklich nur nikotinfrei - ohne Suchtstoffe also. Einen Entzug macht man beim Umstieg auf nikotinfreie e-Zigs, Vapes, Kräuterziggis etc. auch durch. Er ist m.E. nur leichter auszuhalten, weil für eine Übergangszeit die Rauchhandlung immer noch erhalten bleibt. Dabei sollte frau/man es sogar versuchen, gleich auf 0 mg Nikotin zu reduzieren, das kürzt die körperliche Entzugsphase auf max. 1 Woche ab - wie beim kalten Entzug. So nach 14 Tagen sollte man beginnen, dann langsam auch die Verhaltensmuster Schritt für Schritt zu ändern. Dann kann frau/man es auch über diesen Weg schaffen. Bei mir hat's so (über die Kräuterziggis) funktioniert. Meinen Notnagel habe ich noch immer bei mir - sicher ist sicher ...

Ciao, Frank

Verfasst am: 20.06.2024, 16:26
Jutta M
Jutta M
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Ich gehe regelmäßig in eine Selbsthilfegruppe für Raucher/Ex-Raucher, die sich per Zoom online treffen. Kürzlich tauchte dort ein Ex-Raucher auf, der seit fünf Jahren auf Nikotinkaugummis umgestiegen ist. Er raucht nicht mehr, kann aber auch auf die Kaugummis nicht verzichten. So etwas ist aber eher selten.

Ich habe vier Monate bei Bedarf Kaugummis, Lutschpastillen oder ab und zu ein Spray benutzt. Nach vier Monaten habe ich alle Ersatzprodukte ausgeschlichen, ganz einfach fand ich es nicht.

Zu dem Thema fällt mir noch ein, dass in den skandinavischen Ländern Norwegen und Schweden viel Snus (=Oraltabak) benutzt wird. Dort hat der Oraltabak eine lange Tradition und ist auch wegen der restriktiven Vorschriften für Zigaretten sehr beliebt.

Die letzten Tage waren bei mir emotional aufwühlend. Oft habe ich gedacht, wie viel ich früher in solchen Situationen geraucht hätte. Interessant: Bei mir kommt dann manchmal der Gedanke, nicht zur Zigarette zu greifen, aber ein Nikotinkaugummi zu kauen (ich habe tatsächlich noch Reste von einer Packung im Schrank).

Verfasst am: 20.06.2024, 18:15
Doro17
Doro17
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Die Frage ist ist halt immer- was will ich ?
Geht ja nicht drum was jemand anderes hören und sehen will, wir sind ja alle erwachsen und entscheiden selbst.
Für mich hat Freiheit einen sehr hohen Stellenwert. Da passt es mir nicht in den Kram noch etwas als Ersatz zu brauchen. In der Suchthilfe generell finde ich diesen BEgriff einfach schön, wenn Menschen sagen können, sie sind frei geworden.
Oder besser gesagt,
Ich möchte einfach immer ein Stück freier werden, d.h. auch in dem Sinne frei von Prägungen und Verhaltensweisen die ich als hinderlich oder schädlich erkannt habe.
Bei der Veränderung von Verhaltensweisen ist es ja auch manchmal erst holperig und grob - bevor man sich ans "finetuning" begibt und sicherer wird....
und da ist alles gut was einem hilft, auf der Spur und an seinem Ziel dranzubleiben.

vor Nikotin habe ich inzwischen voll den Respekt, weil es so lange und heftige Spuren hinterläßt. Und ich weiß nicht mal wie weit das Zusammenwirken im Körper reicht, wenn ich zB nach einem Jahr leichtsinnig werde und es beginnt in den Gedanken, dass ich mir diese Nikotinsache schöngeredet habe.

also ich plädiere in jedem Fall für die Freiheit, wie langsam oder schnell oder holperig der Weg dahin auch sein mag- jeder muss ihn selbst gehen, in seinen eigenen Schuhen.

bloß nicht das Ziel aus den Augen verlieren- wäre doch schade !

Verfasst am: 21.06.2024, 13:23
Frank_K
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Servus, zusammen,

wichtig ist, dass frau/man zwei Dinge besiegen muss - die Nikotinsucht UND den pychologischen "Zwang" zur Rauchhandlung. Ob beides gleichzeitig versucht wird oder nacheinander, ist dabei nachrangig. Ein Vorteil der Unterstützung durch Käuterziggis, nikotinfreie Vapes und E-Zigs ist, dass die Verbindung zwischen Rauchen und Nikotin im Hirn geschwächt wird und das Suchtgedächtnis lernen kann, dass Rauchen und Nikotin nichts (mehr) miteinander zu tun haben. Das macht das Durchhalten dann etwas leichter. Bei kaltem Entzug und NET bleibt noch zuviel positive Erinnerung ans Rauchen. Ein Spaziergang wird der Weg über Kräuterziggis etc. aber dadurch noch lange nicht.

Ciao, Frank

Verfasst am: 21.06.2024, 14:38
rauchfrei-lotse-klaus
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Zitiert von: Frank_K
...... Bei kaltem Entzug und NET bleibt noch zuviel positive Erinnerung ans Rauchen. Ein Spaziergang wird der Weg über Kräuterziggis etc. aber dadurch noch lange nicht.


Hi Frank und Alle
(Wie immer alles subjektiv und nur für mich gültig!)

Ich habe ja den sogenannten kalten Entzug gemacht
und kann das was du sagst nicht bestätigen.
Positive Erinnerungen an das Rauchen hatte ich nicht.
Das lag allerdings daran, das ich überhaupt nichts
Gutes mehr am Rauchen fand.

Das war schon viele Jahre vor dem Rauchstopp so.
Wenn ich nur Gutes gefühlt hätte,
wäre ich vermutlich nie auf die Idee gekommen,
damit auf zu hören.

Klar hatte ich Schmacht auf eine Zigarette
und zu Beginn mehrfach pro Tag.
Ich war die erste Woche etwas huiiii
und ich hatte ab und zu einen Hangover Tag.

Wenn das durch die Nikotin Pflaster erspart bliebe
wäre das ja toll.
Sozusagen Easy Peasy Rauchstopp.

Aber so habe ich immer vor Augen,
das der Entzug eine temporäre Quälerei war.
Das bewahrt mich hoffentlich vor Rückfällen.

Bei früheren Rauchstopps hatte ich nie
sonderlich darüber nachgedacht.
Ich hatte aufgehört um dann
nach einiger Zeit wieder weiter zu machen.
Ich hatte kein Wissen über Sucht, Tod und Verderben.
Als ich hier die Berichte über z.B. COPD gelesen hatte
wurde mir erst richtig klar
was diese Fotos auf den Packungen bedeuten.
Mir wurde auch klar, das ich nicht die große Ausnahme bin.

So nach dem Motto:
Wer krank wird war einfach nur zu schwach!
Totaler Schwachsinn!!!!

Brainfuck!
Wer denkt denn nicht sowas?

Wer raucht denn mit dem Bewußtsein....
Boaah Geil..... ich werde jetzt so richtig krank!
Krebs, COPD Juhuuuu... endlich habe ich das auch!

Das macht doch niemand!
Also halten wir uns für unverwundbar.
Krank werden die Anderen!

Der Opa wurde auch 82 und hat immer Kette geraucht!
(Wahrscheinlich hätte er 20 Jahre länger gelebt,
wenn er nie geraucht hätte)
Nikotin ist ein ganz strenger Lehrer der Sucht!

So aber nun will ich euch einen schönen Start in den Sommer wünschen!

Einen rauchfreien Sommer
Wie schön ist das denn?

Liebe Grüße
Klaus

Verfasst am: 22.06.2024, 04:40
Lutzi2
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Beiträge: 152 Beiträge

Ich versuche es mit Nikotinlutschtabletten in der Stärke von 1 mg, die ich dann nach Bedarf lutschen kann. Ansonsten viel sonstige Beschäftigungen. Das hat schon ein Mal über eine Woche lang funktioniert, nur dass ich mit meinen sonstigen Baustellen noch nicht so weit war.

Verfasst am: 22.06.2024, 14:01
Jutta M
Jutta M
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Zitiert von: Frank_K
SEin Vorteil der Unterstützung durch Käuterziggis, nikotinfreie Vapes und E-Zigs ist, dass die Verbindung zwischen Rauchen und Nikotin im Hirn geschwächt wird und das Suchtgedächtnis lernen kann, dass Rauchen und Nikotin nichts (mehr) miteinander zu tun haben

Ich habe mir am Anfang eine "Strohhalm-Zigarette" gebastelt, an der ich manchmal gezogen habe. Das war ein Tipp aus dem Forum

Verfasst am: 22.06.2024, 19:37
rauchfrei-lotse-klaus
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Zitiert von: Jutta M

Ich habe mir am Anfang eine "Strohhalm-Zigarette" gebastelt, an der ich manchmal gezogen habe. Das war ein Tipp aus dem Forum


Das hätte ich auch besser tun sollen:

In der Mittagspause gehe ich ab und zu in ein kleines Pizza - Pasta Lokal um die Ecke. Dort erzählte ich., das ich nicht mehr rauche und erklärte meinen neuen Heißhunger auf Parmigiano
Das wurde sofort erledigt und auf jeder Pasta prangte ein großer Berg davon. Erst viel später entdeckte ich die wunderbaren Pistazien Croissants.
Den Käse habe ich wieder auf Normal Maß gebracht. Die Croissants gibt es nur noch am WE. Bier und Wein schmeckt nicht mehr. Trotzdem sind jetzt 10 Kilo mehr da!

Einen schönen Abend euch allen!

Verfasst am: 22.06.2024, 20:45
XT600E
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Hallo,

ich habe mich auch gefragt, ob ich NET Produkte nehmen soll.
Über 42 Jahre habe ich geraucht, bis zu 10 Zigaretten.
Also ohne Kaugummi hätte ich es nicht geschafft. Ich hatte sooo starke Entzugserscheinungen, nicht auszuhalten. Ich war froh, diese wenigstens etwas zu lindern mit den Kaugummis. Immer in dem Bewusstsein, das mein Körper Nikotin bekommt. Daher habe ich sie nicht, wie in der Packungsbeilage beschrieben genommen , sondern nur, wenn die Sucht nicht mehr auszuhalten war.
Damit bin ich gut gefahren.
Einen rauchfreien Abend…