Nach knappen 40 Jahren Rauchen endlich aufgehört

Verfasst am: 08.06.2020, 18:31
eli14
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Hallo ihr alle,
heute habe ich das Gefühl, dass überhaupt nichts mehr Spaß macht, auch die Dinge, die ich sonst sehr geliebt habe.

Ich habe nach 2 Monaten immer noch keine adäquaten Belohnungen für mich gefunden und ich frage mich für auch für was ich mich eigtl belohnen soll? Denn ich habe etwas Sinnvolles getan, leider aber fühlt sich mein Leben gerade nicht gut an.
Die Struktur ist weg und das macht es für mich echt schwierig. Ich hoffe mal, dass dieser psychische Entzug bald besser wird, denn irgendwelche Chemiepillchen möchte ich nicht schlucken... da hätt ich dann nicht aufhören müssen.
Eigentlich hatte ich mir gedacht, dass die ersten drei Wochen am Schlimmsten sind - da gings einigermaßen - aber jetzt ist es ein tägliches auf und ab - eher ab. Und es kostet so viel Kraft, weil die Euphorie des Anfangs weg ist. Dieses "Hurra - ich habs geschafft aufzuhören" Gefühl kann ich gar nicht mehr so empfinden.
LG eli

Verfasst am: 08.06.2020, 19:05
Bolando
Bolando
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[quote="eli14 am 6. 6. 19:51 - Auszug"]
...
Ich denke Geduld ist hier wieder mal gefragt - und ich brauche auch viel Kraft zur Neugestaltung meines Lebens.
...
[/quote]

Genau wie du geschieben hast: Du musst dein Leben gestalten. Das ist gerade derzeit gar nicht so einfach. Aber wer zu rauchen aufhören kann bekommt auch andere Dinge gut hin. Nur Mut!
Gutes Gelingen wünscht Bolando

Verfasst am: 10.06.2020, 08:54
Helly
Helly
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Hallo ,
warum ist dein Leben nicht mehr strukturiert? Versuch ,es neu zu strukturieren.Das gelingt,wenn man nicht alles an Rauchen ausrichtet. Und belohnen : wie wäre es mit einer CD,einem Schaumbad, Blumen , auch mal etwas Süßes? Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg!

Verfasst am: 11.06.2020, 22:42
eli14
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Danke Helly für die Aufmunterung.

Wird schon werden. Und größere Belohnungen sind nicht das Problem, ich spende an meine Herzensprojekte. Ich meinte die kleinen täglichen Belohnungen (früher Zigarettenpausen) - da bin ich noch am ausprobieren. Und was die Struktur betrifft - Rauchpausen waren ein Belohnungsskelett für meinen Tag. Ich brauch anscheindend sehr viel Belohnung, um durch das alltägliche Leben zu kommen Da versuche ich verschiedene Dinge, aber es funktioniert noch nicht so ganz.
Aber ich geb nicht auf...

Verfasst am: 13.06.2020, 07:55
Helly
Helly
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Niemals aufgeben! Du schaffst es. Kannst du dich nicht mit einer Kleinigkeit belohnen statt der Rauchpausen?

Verfasst am: 16.06.2020, 16:12
miezhaus
miezhaus
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Liebe Eli,

wie geht es Dir denn Stand heute? Beruhigt sich die Lage ein wenig?

Ich kann natürlich keine verbindlichen Prognosen bezüglich des Verlaufes Deiner Entwöhnung treffen. Aber für mich hört es sich fast ein wenig so an, als würdest Du schon in so eine Art "Endkrise" hineingrätschen. Solche Gedanken, wie Du sie hast, habe ich während der meinen nämlich auch geschoben (wenngleich sie ein ganzes Eckchen später war, aber auch in der Dauer gleicht keine Entwöhnung der anderen). Daß Du Dich fragst, wann Du endlich frei von den Gedanken an das Rauchen sein wirst, die Verflogenheit der anfänglichen Euphorie bedauerst, Dich rauchfrei so gar nicht glücklich, ausgeglichen und zufrieden fühlst und - in welchem Zusammenhang auch immer - Gedanken wie "dann hätte ich ja gar nicht aufhören brauchen" äußerst. All dies eben kenne ich aus meiner sogenannten Drei-Monats-Krise, die durchaus auch schon mal etwas früher beginnen kann, was bei Dir der Fall sein könnte. Und ich beneide Dich nicht darum und es tut mir so leid, daß Du durch eine solche nun durch mußt, weil ich persönlich das als einigermaßen schwierig empfand. Ich leide gerade so ein wenig mit Dir.

Was ich Dir aus eigener Erfahrung dazu erzählen kann ist folgendes: Ich habe mich lange hart getan mit diesem Zustand. Habe hier auch im Forum teilweise gepoltert, ich würde jetzt meinen Rückfall nehmen, es interessiert doch ohnehin niemanden, und warum tu ich mir das eigentlich an, wenn es doch eh nicht besser wird.

Stand heute bin ich sehr, sehr froh, daß ich während dieser Zeit nicht die Flinte ins Korn geworfen habe. Daß ich so hart zu mir selber geblieben bin. Daß ich hier im Forum geprollt habe nach Ungnaden und meinen Frust hier abgelassen habe, mal alle Damenhaftigkeit beiseite lassend. Denn es hat mir geholfen zu ertragen. Und eines Tages schließlich - war es vorbei! Ich bin morgens aufgewacht und spürte schon, irgendwas ist anders... Daß ich zu diesem Zeitpunkt an gar nichts gedacht habe, nicht mal ans Rauchen, wurde mir erst nach dem zweiten Kaffee klar. Es war als wäre ein Kippschalter umgelegt worden. Und das war wirklich ein Moment wie ein Sonnenaufgang.

Solche Krisen sind dazu da, durchschritten zu werden. Und die Auseinandersetzung mit ihnen dient dazu, die Entknüpfung der Gedanken mit dem Rauchen zu festigen. Es ist wie ein nochmaliges Aufbäumen der Sucht, mit ihrer letzten Kraft und allen Mitteln, die ihr zur Verfügung steht! Wenn ihr jetzt nicht die lebensrettende Dosis jenes Futters verabreicht wird, das uns zum Schaden gereichen wird, haben wir sie in Schach. Deshalb widersetze Dich ihr, gerade jetzt in dieser Zeit nochmal mit Kraft.

Und auch wenn es sich anfühlt, als würde Dich die Schmacht niemals in Ruhe lassen, und auch wenn Du den Sinn schon zu hinterfragen beginnst - das ist alles Lüge, die Schmacht kann Dich nicht ewig verfolgen Eli! Das schafft sie nicht, das redet sie Dir ein. Glaube ihr nicht.

Eine andere Sache ist natürlich die Struktur Deines Tages, da darfst Du Dir durchaus überlegen, wie Du die gestalten möchtest. Das ist aber auch ein Gewinn für Dich, bisher hat die Zigarette Dir den Tag aus der Hand genommen und Dich in Strukturen gepresst. Alles was jetzt kommt, kannst Du Dir selbst nach Deinen Wünschen zurechtlegen. Wie wäre es denn, Spaziergänge einzuplanen? Oder Nickerchen? Lesestunden? Oder Kaffee und Kuchen?

Die Belohnungen brauchen ja auch Zeit, um als solches bei Deinem Gehirn anzukommen. Weißt Du, auch diese Funktion haben die Zigaretten lange übernommen. Jetzt sind diese weg, in Deinem Fall nach sehr langen Jahren, und das Gehirn weiß einfach noch nicht sofort, andere Belohnungen auch als solche einzuordnen. Es muß das üben! Also höre nicht damit auf zu praktizieren, was Du kognitiv als Belohnung verstehst, was Du gerne tust oder genießt. Biete es Dir immer wieder an und widme es bewußt der Belohnung. Du kannst Dir auch etwas aussuchen, was Du grundsätzlich immer genießt und das erstmal praktizieren (eine aromatische Tasse Tee vielleicht, vielleicht auch mehrere Sorten und abwechseln) und diese als Belohnung zelebrieren. Wenn Du dann das Gefühl hast, daß Dir die Belohnung (in Form der Zigarette) nicht mehr so fehlt, probiere eine weitere Variante aus, einen Extraspaziergang vielleicht oder etwas anderes. Auch das wird wieder kommen!

Gestehe Dir noch etwas Zeit zu Eli. Ich weiß es ist schwer geduldig zu sein, das ist auch nicht gerade meine Kernkompetenz, da bin ich absolut bei Dir. Aber wir haben so viele Jahre, sogar Jahrzehnte geraucht: die in dieser Zeit eingeschliffenen Routinen sind nicht einfach mit einem Wisch zu tilgen. Da müssen wir bewußt ran und Alternativen gestalten. Aber ich habe keine Minute Zweifel daran, daß Du das schaffen kannst.

Laß Dich nicht unterkriegen. Und schreibe Dir weiterhin die Befindlichkeiten von der Seele. Es tut einfach gut, Last abzuladen, und viele hier wissen, was Du mitmachst und wie Du Dich fühlst. Aber es wird vergehen. Auch die komplizierteste Entwöhnung ist endlich.

Ich schicke Dir wieder eine Extraportion Kraft und Durchsetzungsfähigkeit. Diese Zeit ist nicht einfach, aber zu schaffen. Schau ich habe es geschafft, genauso wie viele andere hier - und Du kannst das auch. Herzliche Grüße sendet Dir

Lydia

Verfasst am: 17.06.2020, 19:30
eli14
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Seit Samstag tue ich mich extrem schwer.
Ich habe das Gefühl, dass der Entzug wieder neu startet, obwohl ich seit über 70 Tagen nicht geraucht habe.
Ich brauche neue Belohnungsstrukturen in meinem Leben, habe aber gerade überhaupt keine Lust irgendwas auszuprobieren. Ist alles zu anstrengend, oder doof oder so. Ja, ich weiß schon, ich bade in Selbstmitleid, ohne jeglichen Grund. Ich bin sooo neidisch auf die Menschen, die nie angefangen haben zu rauchen. Und ich würde gerne sämtliche Erinnerungen an meine Rauchkarriere aus meinem Gedächtnis tilgen, in der Hoffnung, dass es dann einfacher wird.
Hauptsächlich wünsche ich mir, dass diese extrem anstrengende Phase bald vorbei ist, und ich nicht dauernd mit meiner Sucht kämpfen muss.
Vielleicht ist schon morgen der Tag - die Hoffnung stirbt zuletzt
eli

Verfasst am: 18.06.2020, 10:32
eli14
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Leider ist es heute auch nicht besser - ich träume nachts ganz viel vom Rauchen. Schmacht ist heute echt schlimm. Und das nach 73 Tagen rauchfrei. Gut, dass ich gleich wieder arbeiten darf. Hoffentlich ist es heute abend dann besser...

Verfasst am: 20.06.2020, 09:10
Helly
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Hallo Eli,
gib nicht auf! Ich habe oft gehört und auch selbst erfahren, dass nach 70-90 Tagen ein Rückschlag entstehen kann. Aber du solltest dich schon motivieren und dich ablenken. Alles Gute weiterhin!

Verfasst am: 20.06.2020, 19:28
eli14
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Heute ist es schon besser, trotz Mega Ärger und Frust (nicht aufgrund des Rauchstopps) - nur das ganz normale Leben. Trotzdem ist es mir leichter gefallen und ich hatte weniger Schmacht Anfälle. Ich bin echt zufrieden