Eine ermutigende Geschichte!

Verfasst am: 26.04.2016, 11:14
Wolltick
Wolltick
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Hallo Markus,

auf der Suche nach Antworten, bin ich über deine Geschichte gestolpert. Da sie so voller Wahrheiten steckt, muss sie mal wieder ans Tageslicht...dachte ich mir.
Danke dafür.

Liebe Grüße
Gabi

Verfasst am: 15.05.2016, 10:52
Surie
Surie
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ja doch... eine Geschichte, die es verdient, wieder und wieder aus der Versenkung geholt zu werden...

e:

Grüße von Juliane

Verfasst am: 15.05.2016, 11:02
daufi
daufi
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[quote="pancosansa"]
Hallo liebe Forumsfreunde.

Heute ist für mich ein großer Tag. Denn ich habe Jubiläum.
Ein Jahr ohne Zigaretten.

Vielleicht wird erwartet dass ich - wie bei meiner „Trauminsel“ oder der meiner „Keksdose“ – ein riesiges Fest feiere.
Ich habe mich jedoch dagegen entschieden.
Ihr wisst dass ich Euch sehr schätze, und auch sehr dankbar bin.
Jedoch wollte ich diesen "Meilenstein" benutzen um mich an die „Neuaussteiger“ zu wenden.

Ich erinnere mich noch dass zu Beginn ein Jahr für mich ewig lang war, und ich konnte mir nicht vorstellen überhaupt dorthin zu gelangen.

Um aber etwas Mut und Zuversicht zu verbreiten, möchte ich meine Geschichte des Rauchausstiegs erzählen.

Und ich möchte sie als Geschichte erzählen.
Und diese heißt…

[color=green]…Conquest of Paradies.

Kapitel 1: Im Land eines unbarmherzigen Tyrannen.

Der Zeitpunkt an dem ich die Erzählung meiner Geschichte beginnen lasse möchte, liegt etwa zwei Jahre zurück.
Ich lebte zu jener Zeit in einem Land, welches von einem brutalen und unbarmherzigen Tyrannen regiert wurde.
Ich war in diesem Land nicht geboren, doch wie ich dorthin gelange erzähle ich gleich erst.

Es war ein sehr merkwürdiger Herrscher. Als Zeichen der Zugehörigkeit zu seinem „Volk“ verlangte er dass die Menschen in Papier gehüllte Kräuter verbrannten, und diesen Rauch inhalierten.
Nun ist man versucht zu sagen, so schrecklich hört es sich doch nicht an. Aber das heimtückische war, diese Kräuter machten süchtig. Nach kurzer Zeit kam man nicht mehr ohne aus.
Und der Erwerb dieser „Kräuterröhrchen“ war auch noch sehr teuer.
Alles Geld, welches dafür ausgegeben wurde, floss in die Schatzkammern des Tyrannen, und machte ihn sehr, sehr reich. Doch darum ging es ihm noch nicht einmal. Dies war nur der Nebeneffekt. Was er wirklich wollte war Kontrolle. Er wollte die Menschen kontrollieren und über sie bestimmen. Sie sollten ihren freien Willen an ihn abgeben.

Hinzu kam dann auch noch das dieses „Ritual“ die Gesundheit ruiniert, und viele, viele Menschen in dem Land des Tyrannen früh starben.
Und was das Ganze noch merkwürdiger machte, ist die Tatsache, dass niemals auch nur ein Mensch in diesem Land geboren wurde.
Alle Bewohner dieses Landes sind „rekrutiert“ worden.
Der vernünftige Mensch mag jetzt einwerfen, dass ja niemand gezwungen sei dieses Ritual zu vollziehen, und somit nie unter die Tyrannei des Herrschers geraten könnte. Doch war der Tyrann zu allem Übel auch noch recht klug, und ein Kenner der menschlichen Natur.
Er schickte gut ausgebildete „Werber“ aus, welche dafür sorgten, dass sein Volk immer wieder Zuwachs bekam.
Und wie dies funktionierte erzähle ich im nächsten Kapitel an meinem eigenen Beispiel.

Kapitel 2: Der kluge, kluge Werber.

Da niemand im Land des Tyrannen geboren wurde, wurde seine „Untertanen“ also angeworben.
Dies geschah auf vielfältige Weise.
Bei mir war es so.
Wir hatten unser alljährliches großes Fest im Dorf. Dort trafen sich Jung und Alt, Mann und Frau, Mädchen und Jungen, um am längsten Tag des Jahres zusammen zu feiern, zu essen und zu trinken.
Es war das Jahr in dem ich, und einige Freunde meines Alters, ein reges Interesse an der Tochter des Müllers gefunden hatten. Um es ganz klar zu sagen: Wir hechelten ihr hinterher wie der Hund des Schmiedes, der Wurst des Metzgers.
Jedoch war sie ein wenig älter, und hatte nur Augen für den Sohn des Schmiedes. Dieser war von Statur her eher ein Bär, als ein Mensch, von seinem Geist her allerdings auch.
Dennoch versuchten meine Freunde und ich, die Aufmerksamkeit der Müllerstochter zu erlangen.
Einige der älteren Jungs des Dorfes haben uns bei unseren (heute kann ich ja zugeben, doch sehr ungelenken) Versuchen beobachtet. Einer kam zu mir und meinte, dass ein Zigarette etwas cooles wäre, und ich damit sicher Eindruck machen würde. Erst wollte ich natürlich nicht. Weiß doch jeder wie schlimm rauchen ist. Doch meinten einige Jungs – welche jetzt dazu gekommen waren – ob ich den vielleicht feige wäre? He! Alles! Aber feige! Ich? Nie! Ich nahm eine zündet sie an, der erste Zug.
Buah – wie übel. Davon soll man süchtig werden? Nie im Leben! Und hat die Müllerstochter nicht gerade bewundernd zu mir geschaut…?
Das Ende des Liedes war, das ich bald in das Land des Tyrannen umgesiedelt bin. Und die schöne Müllerstochter bekam den Sohn des Buchhändlers, der auch nur einmal in seinem Leben mutig war. Nämlich als er sie ansprach, und ihr seine Gefühle gestand.
Das die älteren Jungs schon seit längerem im Dienst des Tyrannen standen, wurde mir erst viel später, und damit zu spät, klar.

Kapitel 3:
Auch in der Tyrannei kann man sich einrichten.

So siedelte ich um, und empfand das Leben erst als recht angenehm.
Wie immer wenn man etwas gemeinsam tut, entsteht Gemeinschaft.
Und dies war gar nicht so schlecht. Man traff sich, rauchte eine zusammen (so wurde das Ritual genannt), unterhielt sich. Und da man mit der Zeit immer mehr rauchte kam es auch zu immer mehr Treffen. Es fühlt sich nicht schlecht an, in einer Gemeinschaft eingebettet zu sein. Und sei es eine Gemeinschaft von Drogenkonsumenten.
Natürlich gab es auch unzufriedene Stimmen, und auch Kritik am Tyrannen. Aber wo gibt es diese nicht? Selbst im freisten Land wird es Menschen geben welche dies zu bemängeln haben.
Alles in allem verging die Zeit nicht ganz unangenehm. Doch immer mehr störten mich die Begleitumstände. Meine Gesundheit verschlechterte sich. Nicht sofort, Und auch nicht schnell. Aber so dass ich irgendwann nicht umhin kam mir einzugestehen das ich auf diesem Weg einem frühen Ende entgegen ging. Der Gestank, die Unsummen an Geld, die gelben Finger und die verlorene Zeit sei auch noch hier erwähnt.
Und irgendwann kam was kommen musste, einige lieben Freunde starben weit vor ihrem natürlichen Ende an den Folgen des Rituals.
Und so entschied ich mich: Jetzt ist Schluss!

Kapitel 4:
Résistance.


Aber wie anfangen?
Eins war mir klar. Alleine geht es nicht.
Ich brauchte Verbündete.
Und so hörte ich mich um.
Wie in jeder Tyrannei gibt es Menschen welche sich gegen sie auflehnen. Doch sie findet man nicht zur Mittagszeit auf dem Marktplatz. Eher gegen Mitternacht in zwielichtigen Spelunken.
Und so trieb ich mich in Gegenden herum in welche ich normalerweise nicht gegangen wäre, und zu Zeit in denen jeder anständige Mensch besser zu Bette liegt. Doch ich hörte hier mal ein Wort, dort fing ich einen Satz auf. Namen vielen. Natürlich nichts Genaues. Aber genug um Vermutungen anzustellend, und diesen nach zu gehen.
Und so kam es das ich eines Nachts vor einer Tür stand, klopft und das Passwort: „rauchfrei-info“ flüsterte. Die Tür schwang auf, und ich stand in einem Raum mit vielen Gleichgesinnten. Ich hätte nie gedacht das es so viele Menschen gäbe welche aus der Tyrannei flüchten wollten.
Dort erzählte man uns das es durchaus möglich ist zu fliehen. Die Tyrannei hinter sich zu lassen, und die Freiheit gewinnen könnte. Es wäre nicht unbedingt einfach, aber machbar.
Denn diejenigen welche uns das erzählten waren diesen Weg selbst schon gegangen, und boten sich uns als „Lotsen“ an.
Und gerne glaubten wir ihren Worten.
Sie sagten uns dass wir uns auf diese Flucht/Reise vorbereiten sollten. Und rüsten und wappnen sollen, und wer aufbrechen wollen, solle in einer Woche um Mitternacht im Hafen der Stadt sein.
So machte ich mich auf um meine letzten Dinge in diesem Land zu erledigen, und dann in die Freiheit aufzubrechen.

Kapitel 5:
Auf in eine neue Welt!


So kam es das ich kurz vor Mitternacht – eine Woche nach dem Treffen – im Hafen stand. Meine sieben Sachen dabei. Mit viel Vorfreude und noch viel mehr Angst.
Das Schiff auf welches wir stiegen war recht unauffällig. Nicht sehr groß, nicht sehr neu.
Da wir es selbst segeln mussten – aus Gründen der Geheimhaltung konnte man keine Mannschaft anheuern – fand ich es nur Recht. Viele waren gekommen. Und es herrschte eine eigentümliche Stimmung. Es gab viel Vorfreude. Es gab auch jede Menge Angst. Einige erschraken bei dem Gedanken dieses Land nie wieder zu betreten. Doch wir machten uns gegenseitig Mut, und die Lotsen erzählten uns von dem Leben was auf uns warten täte.
Bevor wir das Schiff betraten warfen wir alle unsere Utensilien für das Ritual ins Meer. Allein das tat schon gut.
Als wir dann alle an Bord waren, das Gepäck verstaut, legte das Schiff ab, und wir fuhren in die Morgendämmerung hinein einer ungewissen Zukunft entgegen.

Kapitel 6:
Eine bewegte Überfahrt.


Wie ich schon bemerkte, waren wir viele. Direkt zu Anfang fragte ich mich wieso so viele auf einmal auf dem Schiff sein sollten. Schon einige Stunden später wurde mir klar warum.
Das Fehlen des Rituals macht sich bemerkbar. Es setzte der Entzug ein.
Und dies war kein wirklich schöner Anblick. Viele wankten wie betrunken übers Deck. Einigen musste man die Anweisungen für ihre Arbeit auf dem Schiff mehrmals wiederholen, damit sie nicht vergessen wurden. Einige kamen einfach nicht von der Reling weg. Wieder andere waren nicht aus den Kojen zu bringen. Einige wenige waren nicht zu bremsen.
Man sah die merkwürdigsten Szenen. Es kam vor das zwei oder mehrere in Streit miteinander gerieten und sich dabei ewige Feindschaft schworen, nur um sich wenige Augenblicke später weinen in den Armen zu liegen und sich ihrer immerwährenden Zuneigung zu versichern.
Es wurde in den ersten Tagen viel gelacht, und viel geweint. Und die Lotsen hatten alle Hände voll zu tun um Schiff am laufen zu behalten.
Nach einigen Tagen wurde es besser. Die Gemüter beruhigten sich. Und eine etwas größere Entspanntheit trat ein. Nicht jeder wurde vom Entzug gleich hart getroffen. Einige hatte sogar das Glück kaum etwas zu bemerken. Was wurden sie beneidet.

Leider muss ich auch erwähnen dass einige verloren gingen.
Vielen schwand der Mut, die Zuversicht und der Glaube daran es schaffen zu können. Andere wurden wieder von Werbern eingefangen. (Woher sie kamen haben wir nie heraus bekommen).
Andere sagten dass es noch nicht der rechte Zeitpunkt sei.
Sie machten sich auf den Weg zurück. Fuhren mit anderen Schiffen, welche in Richtung des Landes des Tyrannen fuhren, wieder zurück.
Andere stahlen sich in aller Heimlichkeit fort von uns.
Jedes Fehlen empfanden wir sehr schmerzlich.
Doch der Glaube an die Richtigkeit unserer Reise ging nie verloren.

Nach 50 Tagen Fahrt, machten wir an einer kleinen Insel halt, um unsere Vorräte zu ergänzen.
Diese Insel nannte man „Blümchenwiese“. Warum weiß ich zwar nicht so genau, aber da sie sehr angenehm und lieblich war, denke ich dass ihr Name daher rührte.
Als unsere Vorratskammern gefüllt waren, machten wir uns auf den Weg zur Fahrt über den großen Ozean, um ins Land der Freiheit zu gelangen.

Kapitel 7:
Eine glückliche Landung.


180 Tage nach dem wir losgefahren waren, landeten wir in unserer neuen Welt.
Der Ort kam uns wie eine „Trauminsel“ vor. Die Farben waren bunter als alle welche wir kannten. Die Luft lieblicher als an jedem anderen Ort. Das Essen schmeckte besser als je zuvor. (Was ein allgemeines Phänomen war, und sich bei uns allen deutlich abzeichnete. Wir sahen nicht nur lebendiger aus, wir waren auch fülliger geworden).
Wir waren überglücklich diesen Ort erreicht zu haben.
Wir haben dort noch viele anderen getroffen, welche vor dem Tyrannen geflohen waren.
Sie bereiteten uns ein großen Willkommen, und halfen uns mit Rat und Tat.
Ein wenig bedauerten wir all die, welche sich entschieden hatten umzukehren. Doch Freude war das vorherrschende Gefühl.
Und ich dachte mir: „Schön! Jetzt hast du es geschafft“.

Kapitel 8:
Weiter.


Eine Weile glaubte ich tatsächlich es geschafft zu haben. Angekommen zu sein.
Doch etwas gab keine Ruhe. Eine kleine Stimmte in meinem Kopf fragte mich ob dies denn schon alles sei. Ob ich es mir so vorgestellt hätte, oder ob ich noch mehr wolle.
Eine geraume Weile konnte ich diese Stimme überhören. Doch sie wurde lauter, und ich hörte mich wieder etwas um.
So erfuhr ich, dass ich nicht der Einige sei, dem es so ergeht. Es hätte schon viele vor mir gegeben welche ein weiter wollten. Ihren Weg fortsetzend, wohin das Abenteuer einen führt.
So kam es das ich wieder mein Bündel schnürte, und mich auf den Weg machte.
Doch war es nicht leicht. Nur wenige konnten mir auf meinem Weg Auskunft geben. Es gab keine festen Weg. Trampelpfade waren schon eine Bequemlichkeit.
Ich kam durch viele Landstriche von denen ich nur einen mal mit Namen nennen möchte. Den „Dschungel der Gefühle“. Und wenn ich ihn durchquert habt, wisst ihr auch genau warum er so heißt.

Nach einiger Zeit kam ich über eine Hügelkette, und ein grünes, einladendes Tal lag vor mir.
Sofort gefiel mir der Ort. Ich wusste, ich war angekommen. Hier sollte mein neues Leben stattfinden. Dies war meine neue Welt.

Kapitel 9:
Angekommen.

Ich bin jetzt schon eine Weile in meinem Tal.
Gut es ist nicht „mein Tal“, aber ich nenne es so.
Einige andere haben sich auch jetzt schon hier angesiedelt, und wir kommen sehr gut mit einander aus.
Ich habe mir ein kleines Häuschen (na gut, woanders wäre es eine Hütte) mit Garten errichtet, und fühle mich rundum wohl.
Manchmal weht der Wind einen leichten Geruch aus einem jetzt sehr fernen Land her, und ich erinnere mich, dass mein Leben mal anders war.
Doch ist dies wie das Jucken einer alten Narbe, oder das verblassende Bild eine Alptraums im Licht des frühen sonnigen Morgens. Es vergeht schnell wieder.

Ob ich mich wieder auf diese Reise machen würde? Jeder Zeit!
Sie war viel anstrengender als ich erwartet hatte. Hat mich viel mehr Mühe gekostet als ich es mir nur vorstellen konnte. Hat mehr Tränen und Verzweiflung gebracht als mir lieb war.
Aber was ich dafür gewonnen habe ist immens.
Vor mir liegt eine Zukunft in Freiheit. Mit einem Wohlgefühl welches ich mir noch nicht einmal vorstellen konnte. Und mit der Chance sehr alt zu werden. Und jetzt weiß ich auch wie sich ein schwerer Geldbeutel anfühlt. [/color]

Ich hoffe diese Geschichte hat ein wenig amüsiert und ermutigt.

Ich wünsche viel Erfolg auf dem Weg in die Rauchfreiheit.

Mit vielen lieben Grüßen

Markus

[/quote]

Verfasst am: 12.05.2017, 22:58
Lausisen
Lausisen
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Gutene Abend lieber Markus,

...nur mal so, einfach Danke, für Deine Beiträge.

Und auch, immer wieder sehr schön in alten Beiträgen zu lesen

Wünsche Dir und Deinen Lieben alles Liebe und Gute

in der Hoffnung, doch noch mal von Dir ein " Lebenszeichen " zu hören oder lesen,

mit lieben rauchfreien Grüßen aus Essen a. d. Ruhr

Manfred

Verfasst am: 12.05.2017, 23:09
Lausisen
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[quote="daufi"]
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Hallo liebe Forumsfreunde.

Heute ist für mich ein großer Tag. Denn ich habe Jubiläum.
Ein Jahr ohne Zigaretten.

Vielleicht wird erwartet dass ich - wie bei meiner „Trauminsel“ oder der meiner „Keksdose“ – ein riesiges Fest feiere.
Ich habe mich jedoch dagegen entschieden.
Ihr wisst dass ich Euch sehr schätze, und auch sehr dankbar bin.
Jedoch wollte ich diesen "Meilenstein" benutzen um mich an die „Neuaussteiger“ zu wenden.

Ich erinnere mich noch dass zu Beginn ein Jahr für mich ewig lang war, und ich konnte mir nicht vorstellen überhaupt dorthin zu gelangen.

Um aber etwas Mut und Zuversicht zu verbreiten, möchte ich meine Geschichte des Rauchausstiegs erzählen.

Und ich möchte sie als Geschichte erzählen.
Und diese heißt…

[color=green]…Conquest of Paradies.

Kapitel 1: Im Land eines unbarmherzigen Tyrannen.

Der Zeitpunkt an dem ich die Erzählung meiner Geschichte beginnen lasse möchte, liegt etwa zwei Jahre zurück.
Ich lebte zu jener Zeit in einem Land, welches von einem brutalen und unbarmherzigen Tyrannen regiert wurde.
Ich war in diesem Land nicht geboren, doch wie ich dorthin gelange erzähle ich gleich erst.

Es war ein sehr merkwürdiger Herrscher. Als Zeichen der Zugehörigkeit zu seinem „Volk“ verlangte er dass die Menschen in Papier gehüllte Kräuter verbrannten, und diesen Rauch inhalierten.
Nun ist man versucht zu sagen, so schrecklich hört es sich doch nicht an. Aber das heimtückische war, diese Kräuter machten süchtig. Nach kurzer Zeit kam man nicht mehr ohne aus.
Und der Erwerb dieser „Kräuterröhrchen“ war auch noch sehr teuer.
Alles Geld, welches dafür ausgegeben wurde, floss in die Schatzkammern des Tyrannen, und machte ihn sehr, sehr reich. Doch darum ging es ihm noch nicht einmal. Dies war nur der Nebeneffekt. Was er wirklich wollte war Kontrolle. Er wollte die Menschen kontrollieren und über sie bestimmen. Sie sollten ihren freien Willen an ihn abgeben.

Hinzu kam dann auch noch das dieses „Ritual“ die Gesundheit ruiniert, und viele, viele Menschen in dem Land des Tyrannen früh starben.
Und was das Ganze noch merkwürdiger machte, ist die Tatsache, dass niemals auch nur ein Mensch in diesem Land geboren wurde.
Alle Bewohner dieses Landes sind „rekrutiert“ worden.
Der vernünftige Mensch mag jetzt einwerfen, dass ja niemand gezwungen sei dieses Ritual zu vollziehen, und somit nie unter die Tyrannei des Herrschers geraten könnte. Doch war der Tyrann zu allem Übel auch noch recht klug, und ein Kenner der menschlichen Natur.
Er schickte gut ausgebildete „Werber“ aus, welche dafür sorgten, dass sein Volk immer wieder Zuwachs bekam.
Und wie dies funktionierte erzähle ich im nächsten Kapitel an meinem eigenen Beispiel.

Kapitel 2: Der kluge, kluge Werber.

Da niemand im Land des Tyrannen geboren wurde, wurde seine „Untertanen“ also angeworben.
Dies geschah auf vielfältige Weise.
Bei mir war es so.
Wir hatten unser alljährliches großes Fest im Dorf. Dort trafen sich Jung und Alt, Mann und Frau, Mädchen und Jungen, um am längsten Tag des Jahres zusammen zu feiern, zu essen und zu trinken.
Es war das Jahr in dem ich, und einige Freunde meines Alters, ein reges Interesse an der Tochter des Müllers gefunden hatten. Um es ganz klar zu sagen: Wir hechelten ihr hinterher wie der Hund des Schmiedes, der Wurst des Metzgers.
Jedoch war sie ein wenig älter, und hatte nur Augen für den Sohn des Schmiedes. Dieser war von Statur her eher ein Bär, als ein Mensch, von seinem Geist her allerdings auch.
Dennoch versuchten meine Freunde und ich, die Aufmerksamkeit der Müllerstochter zu erlangen.
Einige der älteren Jungs des Dorfes haben uns bei unseren (heute kann ich ja zugeben, doch sehr ungelenken) Versuchen beobachtet. Einer kam zu mir und meinte, dass ein Zigarette etwas cooles wäre, und ich damit sicher Eindruck machen würde. Erst wollte ich natürlich nicht. Weiß doch jeder wie schlimm rauchen ist. Doch meinten einige Jungs – welche jetzt dazu gekommen waren – ob ich den vielleicht feige wäre? He! Alles! Aber feige! Ich? Nie! Ich nahm eine zündet sie an, der erste Zug.
Buah – wie übel. Davon soll man süchtig werden? Nie im Leben! Und hat die Müllerstochter nicht gerade bewundernd zu mir geschaut…?
Das Ende des Liedes war, das ich bald in das Land des Tyrannen umgesiedelt bin. Und die schöne Müllerstochter bekam den Sohn des Buchhändlers, der auch nur einmal in seinem Leben mutig war. Nämlich als er sie ansprach, und ihr seine Gefühle gestand.
Das die älteren Jungs schon seit längerem im Dienst des Tyrannen standen, wurde mir erst viel später, und damit zu spät, klar.

Kapitel 3:
Auch in der Tyrannei kann man sich einrichten.

So siedelte ich um, und empfand das Leben erst als recht angenehm.
Wie immer wenn man etwas gemeinsam tut, entsteht Gemeinschaft.
Und dies war gar nicht so schlecht. Man traff sich, rauchte eine zusammen (so wurde das Ritual genannt), unterhielt sich. Und da man mit der Zeit immer mehr rauchte kam es auch zu immer mehr Treffen. Es fühlt sich nicht schlecht an, in einer Gemeinschaft eingebettet zu sein. Und sei es eine Gemeinschaft von Drogenkonsumenten.
Natürlich gab es auch unzufriedene Stimmen, und auch Kritik am Tyrannen. Aber wo gibt es diese nicht? Selbst im freisten Land wird es Menschen geben welche dies zu bemängeln haben.
Alles in allem verging die Zeit nicht ganz unangenehm. Doch immer mehr störten mich die Begleitumstände. Meine Gesundheit verschlechterte sich. Nicht sofort, Und auch nicht schnell. Aber so dass ich irgendwann nicht umhin kam mir einzugestehen das ich auf diesem Weg einem frühen Ende entgegen ging. Der Gestank, die Unsummen an Geld, die gelben Finger und die verlorene Zeit sei auch noch hier erwähnt.
Und irgendwann kam was kommen musste, einige lieben Freunde starben weit vor ihrem natürlichen Ende an den Folgen des Rituals.
Und so entschied ich mich: Jetzt ist Schluss!

Kapitel 4:
Résistance.


Aber wie anfangen?
Eins war mir klar. Alleine geht es nicht.
Ich brauchte Verbündete.
Und so hörte ich mich um.
Wie in jeder Tyrannei gibt es Menschen welche sich gegen sie auflehnen. Doch sie findet man nicht zur Mittagszeit auf dem Marktplatz. Eher gegen Mitternacht in zwielichtigen Spelunken.
Und so trieb ich mich in Gegenden herum in welche ich normalerweise nicht gegangen wäre, und zu Zeit in denen jeder anständige Mensch besser zu Bette liegt. Doch ich hörte hier mal ein Wort, dort fing ich einen Satz auf. Namen vielen. Natürlich nichts Genaues. Aber genug um Vermutungen anzustellend, und diesen nach zu gehen.
Und so kam es das ich eines Nachts vor einer Tür stand, klopft und das Passwort: „rauchfrei-info“ flüsterte. Die Tür schwang auf, und ich stand in einem Raum mit vielen Gleichgesinnten. Ich hätte nie gedacht das es so viele Menschen gäbe welche aus der Tyrannei flüchten wollten.
Dort erzählte man uns das es durchaus möglich ist zu fliehen. Die Tyrannei hinter sich zu lassen, und die Freiheit gewinnen könnte. Es wäre nicht unbedingt einfach, aber machbar.
Denn diejenigen welche uns das erzählten waren diesen Weg selbst schon gegangen, und boten sich uns als „Lotsen“ an.
Und gerne glaubten wir ihren Worten.
Sie sagten uns dass wir uns auf diese Flucht/Reise vorbereiten sollten. Und rüsten und wappnen sollen, und wer aufbrechen wollen, solle in einer Woche um Mitternacht im Hafen der Stadt sein.
So machte ich mich auf um meine letzten Dinge in diesem Land zu erledigen, und dann in die Freiheit aufzubrechen.

Kapitel 5:
Auf in eine neue Welt!


So kam es das ich kurz vor Mitternacht – eine Woche nach dem Treffen – im Hafen stand. Meine sieben Sachen dabei. Mit viel Vorfreude und noch viel mehr Angst.
Das Schiff auf welches wir stiegen war recht unauffällig. Nicht sehr groß, nicht sehr neu.
Da wir es selbst segeln mussten – aus Gründen der Geheimhaltung konnte man keine Mannschaft anheuern – fand ich es nur Recht. Viele waren gekommen. Und es herrschte eine eigentümliche Stimmung. Es gab viel Vorfreude. Es gab auch jede Menge Angst. Einige erschraken bei dem Gedanken dieses Land nie wieder zu betreten. Doch wir machten uns gegenseitig Mut, und die Lotsen erzählten uns von dem Leben was auf uns warten täte.
Bevor wir das Schiff betraten warfen wir alle unsere Utensilien für das Ritual ins Meer. Allein das tat schon gut.
Als wir dann alle an Bord waren, das Gepäck verstaut, legte das Schiff ab, und wir fuhren in die Morgendämmerung hinein einer ungewissen Zukunft entgegen.

Kapitel 6:
Eine bewegte Überfahrt.


Wie ich schon bemerkte, waren wir viele. Direkt zu Anfang fragte ich mich wieso so viele auf einmal auf dem Schiff sein sollten. Schon einige Stunden später wurde mir klar warum.
Das Fehlen des Rituals macht sich bemerkbar. Es setzte der Entzug ein.
Und dies war kein wirklich schöner Anblick. Viele wankten wie betrunken übers Deck. Einigen musste man die Anweisungen für ihre Arbeit auf dem Schiff mehrmals wiederholen, damit sie nicht vergessen wurden. Einige kamen einfach nicht von der Reling weg. Wieder andere waren nicht aus den Kojen zu bringen. Einige wenige waren nicht zu bremsen.
Man sah die merkwürdigsten Szenen. Es kam vor das zwei oder mehrere in Streit miteinander gerieten und sich dabei ewige Feindschaft schworen, nur um sich wenige Augenblicke später weinen in den Armen zu liegen und sich ihrer immerwährenden Zuneigung zu versichern.
Es wurde in den ersten Tagen viel gelacht, und viel geweint. Und die Lotsen hatten alle Hände voll zu tun um Schiff am laufen zu behalten.
Nach einigen Tagen wurde es besser. Die Gemüter beruhigten sich. Und eine etwas größere Entspanntheit trat ein. Nicht jeder wurde vom Entzug gleich hart getroffen. Einige hatte sogar das Glück kaum etwas zu bemerken. Was wurden sie beneidet.

Leider muss ich auch erwähnen dass einige verloren gingen.
Vielen schwand der Mut, die Zuversicht und der Glaube daran es schaffen zu können. Andere wurden wieder von Werbern eingefangen. (Woher sie kamen haben wir nie heraus bekommen).
Andere sagten dass es noch nicht der rechte Zeitpunkt sei.
Sie machten sich auf den Weg zurück. Fuhren mit anderen Schiffen, welche in Richtung des Landes des Tyrannen fuhren, wieder zurück.
Andere stahlen sich in aller Heimlichkeit fort von uns.
Jedes Fehlen empfanden wir sehr schmerzlich.
Doch der Glaube an die Richtigkeit unserer Reise ging nie verloren.

Nach 50 Tagen Fahrt, machten wir an einer kleinen Insel halt, um unsere Vorräte zu ergänzen.
Diese Insel nannte man „Blümchenwiese“. Warum weiß ich zwar nicht so genau, aber da sie sehr angenehm und lieblich war, denke ich dass ihr Name daher rührte.
Als unsere Vorratskammern gefüllt waren, machten wir uns auf den Weg zur Fahrt über den großen Ozean, um ins Land der Freiheit zu gelangen.

Kapitel 7:
Eine glückliche Landung.


180 Tage nach dem wir losgefahren waren, landeten wir in unserer neuen Welt.
Der Ort kam uns wie eine „Trauminsel“ vor. Die Farben waren bunter als alle welche wir kannten. Die Luft lieblicher als an jedem anderen Ort. Das Essen schmeckte besser als je zuvor. (Was ein allgemeines Phänomen war, und sich bei uns allen deutlich abzeichnete. Wir sahen nicht nur lebendiger aus, wir waren auch fülliger geworden).
Wir waren überglücklich diesen Ort erreicht zu haben.
Wir haben dort noch viele anderen getroffen, welche vor dem Tyrannen geflohen waren.
Sie bereiteten uns ein großen Willkommen, und halfen uns mit Rat und Tat.
Ein wenig bedauerten wir all die, welche sich entschieden hatten umzukehren. Doch Freude war das vorherrschende Gefühl.
Und ich dachte mir: „Schön! Jetzt hast du es geschafft“.

Kapitel 8:
Weiter.


Eine Weile glaubte ich tatsächlich es geschafft zu haben. Angekommen zu sein.
Doch etwas gab keine Ruhe. Eine kleine Stimmte in meinem Kopf fragte mich ob dies denn schon alles sei. Ob ich es mir so vorgestellt hätte, oder ob ich noch mehr wolle.
Eine geraume Weile konnte ich diese Stimme überhören. Doch sie wurde lauter, und ich hörte mich wieder etwas um.
So erfuhr ich, dass ich nicht der Einige sei, dem es so ergeht. Es hätte schon viele vor mir gegeben welche ein weiter wollten. Ihren Weg fortsetzend, wohin das Abenteuer einen führt.
So kam es das ich wieder mein Bündel schnürte, und mich auf den Weg machte.
Doch war es nicht leicht. Nur wenige konnten mir auf meinem Weg Auskunft geben. Es gab keine festen Weg. Trampelpfade waren schon eine Bequemlichkeit.
Ich kam durch viele Landstriche von denen ich nur einen mal mit Namen nennen möchte. Den „Dschungel der Gefühle“. Und wenn ich ihn durchquert habt, wisst ihr auch genau warum er so heißt.

Nach einiger Zeit kam ich über eine Hügelkette, und ein grünes, einladendes Tal lag vor mir.
Sofort gefiel mir der Ort. Ich wusste, ich war angekommen. Hier sollte mein neues Leben stattfinden. Dies war meine neue Welt.

Kapitel 9:
Angekommen.

Ich bin jetzt schon eine Weile in meinem Tal.
Gut es ist nicht „mein Tal“, aber ich nenne es so.
Einige andere haben sich auch jetzt schon hier angesiedelt, und wir kommen sehr gut mit einander aus.
Ich habe mir ein kleines Häuschen (na gut, woanders wäre es eine Hütte) mit Garten errichtet, und fühle mich rundum wohl.
Manchmal weht der Wind einen leichten Geruch aus einem jetzt sehr fernen Land her, und ich erinnere mich, dass mein Leben mal anders war.
Doch ist dies wie das Jucken einer alten Narbe, oder das verblassende Bild eine Alptraums im Licht des frühen sonnigen Morgens. Es vergeht schnell wieder.

Ob ich mich wieder auf diese Reise machen würde? Jeder Zeit!
Sie war viel anstrengender als ich erwartet hatte. Hat mich viel mehr Mühe gekostet als ich es mir nur vorstellen konnte. Hat mehr Tränen und Verzweiflung gebracht als mir lieb war.
Aber was ich dafür gewonnen habe ist immens.
Vor mir liegt eine Zukunft in Freiheit. Mit einem Wohlgefühl welches ich mir noch nicht einmal vorstellen konnte. Und mit der Chance sehr alt zu werden. Und jetzt weiß ich auch wie sich ein schwerer Geldbeutel anfühlt. [/color]

Ich hoffe diese Geschichte hat ein wenig amüsiert und ermutigt.

Ich wünsche viel Erfolg auf dem Weg in die Rauchfreiheit.

Mit vielen lieben Grüßen

Markus

[/quote]
[/quote]

sorry, aber, ich konnte nicht anders Manfred

Verfasst am: 07.03.2018, 11:50
Doro01
Doro01
Dabei seit: 18. 12. 2017
Rauchfrei seit: 2449 Tagen
Beiträge: 315 Beiträge

Hallo alle Zusammen,

ich musste diesen Beitrag mal nach vorne schubsen, weil er evtl. gerade für Neuaussteiger hilfreich sein kann.

LG
Doro01

Markus schrieb:

Zitat:
Hallo liebe Forumsfreunde.

Heute ist für mich ein großer Tag. Denn ich habe Jubiläum.
Ein Jahr ohne Zigaretten.

Vielleicht wird erwartet dass ich - wie bei meiner „Trauminsel“ oder der meiner „Keksdose“ – ein riesiges Fest feiere.
Ich habe mich jedoch dagegen entschieden.
Ihr wisst dass ich Euch sehr schätze, und auch sehr dankbar bin.
Jedoch wollte ich diesen "Meilenstein" benutzen um mich an die „Neuaussteiger“ zu wenden.

Ich erinnere mich noch dass zu Beginn ein Jahr für mich ewig lang war, und ich konnte mir nicht vorstellen überhaupt dorthin zu gelangen.

Um aber etwas Mut und Zuversicht zu verbreiten, möchte ich meine Geschichte des Rauchausstiegs erzählen.

Und ich möchte sie als Geschichte erzählen.
Und diese heißt…

[color=green]…Conquest of Paradies.

Kapitel 1: Im Land eines unbarmherzigen Tyrannen.

Der Zeitpunkt an dem ich die Erzählung meiner Geschichte beginnen lasse möchte, liegt etwa zwei Jahre zurück.
Ich lebte zu jener Zeit in einem Land, welches von einem brutalen und unbarmherzigen Tyrannen regiert wurde.
Ich war in diesem Land nicht geboren, doch wie ich dorthin gelange erzähle ich gleich erst.

Es war ein sehr merkwürdiger Herrscher. Als Zeichen der Zugehörigkeit zu seinem „Volk“ verlangte er dass die Menschen in Papier gehüllte Kräuter verbrannten, und diesen Rauch inhalierten.
Nun ist man versucht zu sagen, so schrecklich hört es sich doch nicht an. Aber das heimtückische war, diese Kräuter machten süchtig. Nach kurzer Zeit kam man nicht mehr ohne aus.
Und der Erwerb dieser „Kräuterröhrchen“ war auch noch sehr teuer.
Alles Geld, welches dafür ausgegeben wurde, floss in die Schatzkammern des Tyrannen, und machte ihn sehr, sehr reich. Doch darum ging es ihm noch nicht einmal. Dies war nur der Nebeneffekt. Was er wirklich wollte war Kontrolle. Er wollte die Menschen kontrollieren und über sie bestimmen. Sie sollten ihren freien Willen an ihn abgeben.

Hinzu kam dann auch noch das dieses „Ritual“ die Gesundheit ruiniert, und viele, viele Menschen in dem Land des Tyrannen früh starben.
Und was das Ganze noch merkwürdiger machte, ist die Tatsache, dass niemals auch nur ein Mensch in diesem Land geboren wurde.
Alle Bewohner dieses Landes sind „rekrutiert“ worden.
Der vernünftige Mensch mag jetzt einwerfen, dass ja niemand gezwungen sei dieses Ritual zu vollziehen, und somit nie unter die Tyrannei des Herrschers geraten könnte. Doch war der Tyrann zu allem Übel auch noch recht klug, und ein Kenner der menschlichen Natur.
Er schickte gut ausgebildete „Werber“ aus, welche dafür sorgten, dass sein Volk immer wieder Zuwachs bekam.
Und wie dies funktionierte erzähle ich im nächsten Kapitel an meinem eigenen Beispiel.

Kapitel 2: Der kluge, kluge Werber.

Da niemand im Land des Tyrannen geboren wurde, wurde seine „Untertanen“ also angeworben.
Dies geschah auf vielfältige Weise.
Bei mir war es so.
Wir hatten unser alljährliches großes Fest im Dorf. Dort trafen sich Jung und Alt, Mann und Frau, Mädchen und Jungen, um am längsten Tag des Jahres zusammen zu feiern, zu essen und zu trinken.
Es war das Jahr in dem ich, und einige Freunde meines Alters, ein reges Interesse an der Tochter des Müllers gefunden hatten. Um es ganz klar zu sagen: Wir hechelten ihr hinterher wie der Hund des Schmiedes, der Wurst des Metzgers.
Jedoch war sie ein wenig älter, und hatte nur Augen für den Sohn des Schmiedes. Dieser war von Statur her eher ein Bär, als ein Mensch, von seinem Geist her allerdings auch.
Dennoch versuchten meine Freunde und ich, die Aufmerksamkeit der Müllerstochter zu erlangen.
Einige der älteren Jungs des Dorfes haben uns bei unseren (heute kann ich ja zugeben, doch sehr ungelenken) Versuchen beobachtet. Einer kam zu mir und meinte, dass ein Zigarette etwas cooles wäre, und ich damit sicher Eindruck machen würde. Erst wollte ich natürlich nicht. Weiß doch jeder wie schlimm rauchen ist. Doch meinten einige Jungs – welche jetzt dazu gekommen waren – ob ich den vielleicht feige wäre? He! Alles! Aber feige! Ich? Nie! Ich nahm eine zündet sie an, der erste Zug.
Buah – wie übel. Davon soll man süchtig werden? Nie im Leben! Und hat die Müllerstochter nicht gerade bewundernd zu mir geschaut…?
Das Ende des Liedes war, das ich bald in das Land des Tyrannen umgesiedelt bin. Und die schöne Müllerstochter bekam den Sohn des Buchhändlers, der auch nur einmal in seinem Leben mutig war. Nämlich als er sie ansprach, und ihr seine Gefühle gestand.
Das die älteren Jungs schon seit längerem im Dienst des Tyrannen standen, wurde mir erst viel später, und damit zu spät, klar.

Kapitel 3:
Auch in der Tyrannei kann man sich einrichten.

So siedelte ich um, und empfand das Leben erst als recht angenehm.
Wie immer wenn man etwas gemeinsam tut, entsteht Gemeinschaft.
Und dies war gar nicht so schlecht. Man traff sich, rauchte eine zusammen (so wurde das Ritual genannt), unterhielt sich. Und da man mit der Zeit immer mehr rauchte kam es auch zu immer mehr Treffen. Es fühlt sich nicht schlecht an, in einer Gemeinschaft eingebettet zu sein. Und sei es eine Gemeinschaft von Drogenkonsumenten.
Natürlich gab es auch unzufriedene Stimmen, und auch Kritik am Tyrannen. Aber wo gibt es diese nicht? Selbst im freisten Land wird es Menschen geben welche dies zu bemängeln haben.
Alles in allem verging die Zeit nicht ganz unangenehm. Doch immer mehr störten mich die Begleitumstände. Meine Gesundheit verschlechterte sich. Nicht sofort, Und auch nicht schnell. Aber so dass ich irgendwann nicht umhin kam mir einzugestehen das ich auf diesem Weg einem frühen Ende entgegen ging. Der Gestank, die Unsummen an Geld, die gelben Finger und die verlorene Zeit sei auch noch hier erwähnt.
Und irgendwann kam was kommen musste, einige lieben Freunde starben weit vor ihrem natürlichen Ende an den Folgen des Rituals.
Und so entschied ich mich: Jetzt ist Schluss!

Kapitel 4:
Résistance.


Aber wie anfangen?
Eins war mir klar. Alleine geht es nicht.
Ich brauchte Verbündete.
Und so hörte ich mich um.
Wie in jeder Tyrannei gibt es Menschen welche sich gegen sie auflehnen. Doch sie findet man nicht zur Mittagszeit auf dem Marktplatz. Eher gegen Mitternacht in zwielichtigen Spelunken.
Und so trieb ich mich in Gegenden herum in welche ich normalerweise nicht gegangen wäre, und zu Zeit in denen jeder anständige Mensch besser zu Bette liegt. Doch ich hörte hier mal ein Wort, dort fing ich einen Satz auf. Namen vielen. Natürlich nichts Genaues. Aber genug um Vermutungen anzustellend, und diesen nach zu gehen.
Und so kam es das ich eines Nachts vor einer Tür stand, klopft und das Passwort: „rauchfrei-info“ flüsterte. Die Tür schwang auf, und ich stand in einem Raum mit vielen Gleichgesinnten. Ich hätte nie gedacht das es so viele Menschen gäbe welche aus der Tyrannei flüchten wollten.
Dort erzählte man uns das es durchaus möglich ist zu fliehen. Die Tyrannei hinter sich zu lassen, und die Freiheit gewinnen könnte. Es wäre nicht unbedingt einfach, aber machbar.
Denn diejenigen welche uns das erzählten waren diesen Weg selbst schon gegangen, und boten sich uns als „Lotsen“ an.
Und gerne glaubten wir ihren Worten.
Sie sagten uns dass wir uns auf diese Flucht/Reise vorbereiten sollten. Und rüsten und wappnen sollen, und wer aufbrechen wollen, solle in einer Woche um Mitternacht im Hafen der Stadt sein.
So machte ich mich auf um meine letzten Dinge in diesem Land zu erledigen, und dann in die Freiheit aufzubrechen.

Kapitel 5:
Auf in eine neue Welt!


So kam es das ich kurz vor Mitternacht – eine Woche nach dem Treffen – im Hafen stand. Meine sieben Sachen dabei. Mit viel Vorfreude und noch viel mehr Angst.
Das Schiff auf welches wir stiegen war recht unauffällig. Nicht sehr groß, nicht sehr neu.
Da wir es selbst segeln mussten – aus Gründen der Geheimhaltung konnte man keine Mannschaft anheuern – fand ich es nur Recht. Viele waren gekommen. Und es herrschte eine eigentümliche Stimmung. Es gab viel Vorfreude. Es gab auch jede Menge Angst. Einige erschraken bei dem Gedanken dieses Land nie wieder zu betreten. Doch wir machten uns gegenseitig Mut, und die Lotsen erzählten uns von dem Leben was auf uns warten täte.
Bevor wir das Schiff betraten warfen wir alle unsere Utensilien für das Ritual ins Meer. Allein das tat schon gut.
Als wir dann alle an Bord waren, das Gepäck verstaut, legte das Schiff ab, und wir fuhren in die Morgendämmerung hinein einer ungewissen Zukunft entgegen.

Kapitel 6:
Eine bewegte Überfahrt.


Wie ich schon bemerkte, waren wir viele. Direkt zu Anfang fragte ich mich wieso so viele auf einmal auf dem Schiff sein sollten. Schon einige Stunden später wurde mir klar warum.
Das Fehlen des Rituals macht sich bemerkbar. Es setzte der Entzug ein.
Und dies war kein wirklich schöner Anblick. Viele wankten wie betrunken übers Deck. Einigen musste man die Anweisungen für ihre Arbeit auf dem Schiff mehrmals wiederholen, damit sie nicht vergessen wurden. Einige kamen einfach nicht von der Reling weg. Wieder andere waren nicht aus den Kojen zu bringen. Einige wenige waren nicht zu bremsen.
Man sah die merkwürdigsten Szenen. Es kam vor das zwei oder mehrere in Streit miteinander gerieten und sich dabei ewige Feindschaft schworen, nur um sich wenige Augenblicke später weinen in den Armen zu liegen und sich ihrer immerwährenden Zuneigung zu versichern.
Es wurde in den ersten Tagen viel gelacht, und viel geweint. Und die Lotsen hatten alle Hände voll zu tun um Schiff am laufen zu behalten.
Nach einigen Tagen wurde es besser. Die Gemüter beruhigten sich. Und eine etwas größere Entspanntheit trat ein. Nicht jeder wurde vom Entzug gleich hart getroffen. Einige hatte sogar das Glück kaum etwas zu bemerken. Was wurden sie beneidet.

Leider muss ich auch erwähnen dass einige verloren gingen.
Vielen schwand der Mut, die Zuversicht und der Glaube daran es schaffen zu können. Andere wurden wieder von Werbern eingefangen. (Woher sie kamen haben wir nie heraus bekommen).
Andere sagten dass es noch nicht der rechte Zeitpunkt sei.
Sie machten sich auf den Weg zurück. Fuhren mit anderen Schiffen, welche in Richtung des Landes des Tyrannen fuhren, wieder zurück.
Andere stahlen sich in aller Heimlichkeit fort von uns.
Jedes Fehlen empfanden wir sehr schmerzlich.
Doch der Glaube an die Richtigkeit unserer Reise ging nie verloren.

Nach 50 Tagen Fahrt, machten wir an einer kleinen Insel halt, um unsere Vorräte zu ergänzen.
Diese Insel nannte man „Blümchenwiese“. Warum weiß ich zwar nicht so genau, aber da sie sehr angenehm und lieblich war, denke ich dass ihr Name daher rührte.
Als unsere Vorratskammern gefüllt waren, machten wir uns auf den Weg zur Fahrt über den großen Ozean, um ins Land der Freiheit zu gelangen.

Kapitel 7:
Eine glückliche Landung.


180 Tage nach dem wir losgefahren waren, landeten wir in unserer neuen Welt.
Der Ort kam uns wie eine „Trauminsel“ vor. Die Farben waren bunter als alle welche wir kannten. Die Luft lieblicher als an jedem anderen Ort. Das Essen schmeckte besser als je zuvor. (Was ein allgemeines Phänomen war, und sich bei uns allen deutlich abzeichnete. Wir sahen nicht nur lebendiger aus, wir waren auch fülliger geworden).
Wir waren überglücklich diesen Ort erreicht zu haben.
Wir haben dort noch viele anderen getroffen, welche vor dem Tyrannen geflohen waren.
Sie bereiteten uns ein großen Willkommen, und halfen uns mit Rat und Tat.
Ein wenig bedauerten wir all die, welche sich entschieden hatten umzukehren. Doch Freude war das vorherrschende Gefühl.
Und ich dachte mir: „Schön! Jetzt hast du es geschafft“.

Kapitel 8:
Weiter.


Eine Weile glaubte ich tatsächlich es geschafft zu haben. Angekommen zu sein.
Doch etwas gab keine Ruhe. Eine kleine Stimmte in meinem Kopf fragte mich ob dies denn schon alles sei. Ob ich es mir so vorgestellt hätte, oder ob ich noch mehr wolle.
Eine geraume Weile konnte ich diese Stimme überhören. Doch sie wurde lauter, und ich hörte mich wieder etwas um.
So erfuhr ich, dass ich nicht der Einige sei, dem es so ergeht. Es hätte schon viele vor mir gegeben welche ein weiter wollten. Ihren Weg fortsetzend, wohin das Abenteuer einen führt.
So kam es das ich wieder mein Bündel schnürte, und mich auf den Weg machte.
Doch war es nicht leicht. Nur wenige konnten mir auf meinem Weg Auskunft geben. Es gab keine festen Weg. Trampelpfade waren schon eine Bequemlichkeit.
Ich kam durch viele Landstriche von denen ich nur einen mal mit Namen nennen möchte. Den „Dschungel der Gefühle“. Und wenn ich ihn durchquert habt, wisst ihr auch genau warum er so heißt.

Nach einiger Zeit kam ich über eine Hügelkette, und ein grünes, einladendes Tal lag vor mir.
Sofort gefiel mir der Ort. Ich wusste, ich war angekommen. Hier sollte mein neues Leben stattfinden. Dies war meine neue Welt.

Kapitel 9:
Angekommen.

Ich bin jetzt schon eine Weile in meinem Tal.
Gut es ist nicht „mein Tal“, aber ich nenne es so.
Einige andere haben sich auch jetzt schon hier angesiedelt, und wir kommen sehr gut mit einander aus.
Ich habe mir ein kleines Häuschen (na gut, woanders wäre es eine Hütte) mit Garten errichtet, und fühle mich rundum wohl.
Manchmal weht der Wind einen leichten Geruch aus einem jetzt sehr fernen Land her, und ich erinnere mich, dass mein Leben mal anders war.
Doch ist dies wie das Jucken einer alten Narbe, oder das verblassende Bild eine Alptraums im Licht des frühen sonnigen Morgens. Es vergeht schnell wieder.

Ob ich mich wieder auf diese Reise machen würde? Jeder Zeit!
Sie war viel anstrengender als ich erwartet hatte. Hat mich viel mehr Mühe gekostet als ich es mir nur vorstellen konnte. Hat mehr Tränen und Verzweiflung gebracht als mir lieb war.
Aber was ich dafür gewonnen habe ist immens.
Vor mir liegt eine Zukunft in Freiheit. Mit einem Wohlgefühl welches ich mir noch nicht einmal vorstellen konnte. Und mit der Chance sehr alt zu werden. Und jetzt weiß ich auch wie sich ein schwerer Geldbeutel anfühlt. [/color]

Ich hoffe diese Geschichte hat ein wenig amüsiert und ermutigt.

Ich wünsche viel Erfolg auf dem Weg in die Rauchfreiheit.

Mit vielen lieben Grüßen

Markus

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Verfasst am: 07.03.2018, 18:53
Sonnenschein66
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Lieber Markus,

Vielen Dank für die wunderschöne Geschichte. Fast habe ich es auch geschafft und habe den Weg an meinen neuen Ort geschafft. Zwar ist es kein Tal, weil mich dies seit meinem aufwachsen ein beklemmendes Gefühl gibt, aber ansonsten kann ich nur jedem Wort zustimmen.

Liebe Grüße
Claudia